Nero di Lupo 2009 Nero d´Avola

| 29. Juni 2014 | 0 Kommentare ...alles

Fasching im Mund.

Eine Explosion von Rot, vermengt mit Braun, welche in all ihren möglichen Farbkombinationen für richtig Spass im Mund sorgt.

Winzer/Weingut: Azienda Agricola COS, Vittoria/Ragusa, Sizilien.

Lage/Herkunft: Von Kalkstein- und Lehmböden in Bastonaca, Vittoria.

Nero di Lupo Flasche/Etikett: Bestens bekannt ist die Flasche in welcher sich der Nero di Lupo befindet. Die eigens für COS angefertigte Flasche basiert auf einem Nachbau jenes Gebindes, das es zur Zeit der Römer gab. Die Tonscherben die man auf dem Weingut fand hat man zusammengesetzt und jene Flasche wieder hergestellt, in welche heute alle Weine von COS abgefüllt sind. Auf ihr klebt wie gewohnt ein relativ flächendeckendes Etikett. In diesem Fall in schwarz, dem Namen alle Ehre machend. Ganz oben das Logo in grau und COS in rot, darunter in weiss der Name NERO DI LUPO. Nero d´Avola, Sicilia und wer für die Weinherstellung verantwortlich ist unterhalb. Ganz unten noch der Jahrgang. Eingefasst ist das Stück Papier von einem feinen weissen Rand. Erst auf den zweiten, ganz genauen Blick wird auch auf diesem Etikett wieder das architektonische Kulturgut in Hintergrund sichtbar. Fast nicht zu sehen weil in dunklem dunkelgrau auf schwarz gedruckt. Es ist übrigens das einzige in schwarz gehaltene Etikett, das mir auf Anhieb einfällt. Zur Akklimatisierung darf der Schwarze Wolf sich sein neues Gehege zuerst einmal durch eine Glaswand anschauen. Eine halbe Stunde darf er sich in der Karaffe austoben bevor er dann ins Glas kommt.

Im Glas: Überhaupt nicht dunkel, im Gegensatz zu anderen Nero d´Avolas, steht der Nero di Lupo im Glas. So gut wie transparent funkelt der Wein wie ein blutroter Rubin aus ihm heraus und strahlt wie eine Eins.

In der Nase: Relativ verhalten geht es in der Nase zu. Nichts was schreit oder sonstwie laut durch die Gegend trampelt. Sehr leise duftet es. Nach braunen Gewürzen, nach roten Beeren die ganz weit hinten irgendwo im Gebüsch herum irren. Etwas Nelke blitzt auf, ganz kurz denkt man an Weihnachten. Wenn sich der Wein so frisch und leicht trinkt wie er sich in der Nase anfühlt, dann wird das ein mehr als luftig-lockeres Vergnügen werden.

Im Mund: So geht Spass! Mit herrlich frischer, lebendiger und neckischer Säure kommt der Nero di Lupo auf die Zunge. Er tänzelt förmlich auf ihr, schlägt ein Rad nach dem anderen und lässt seine ganze Lebensfreude spüren. Fast übermütig wirkt er, zeigt einen Schuss von leichter Fruchtüsse in seinem rotbeerigen Kleid und verdunstet noch in dem Moment in dem man ihn gerade richtig wahrgenommen hat. Leicht ist das was man schmeckt und fühlt. Da ist kein Gewicht im Mund, kein Körper, alles ist rassig, schlank und lebenslustig. Die Zunge feiert Fasching und der Gaumen freut sich über eine sehr feinmaschige, rotwürzige Erscheinung, die sich wie ein leichter Nebel an ihm entlang zieht. Frucht und Säure lachen sich gemeinsam einen Ast ab, necken sich gegenseitig und lassen einen an diesem pulsierenden Gefühl teilhaben. Der Nero di Lupo zeigt sich schon beim ersten Glas von seiner lustigen Seite und lädt ein, ihn einfach weg zu machen. Das ist Saufwein pur so wie sich das hier anfühlt.

So wie sich der Nero di Lupo nach knapp zwei Stunden an der Luft zeigt, darf er sich zurecht den Titel ‘Zechwein’ umhängen. So leicht wie sich der Wein im Mund anfühlt, so leicht und gefährlich rasch er sich trinkt, so beeindruckend ist das was er nach seinem Abgang hinterlässt. Frucht und Säure stehen über allem, dominieren das Gefühl im Mund, unterfüttert mit brauen, orientalischen Gewürzen. Das ist kein Anzug den dieser Wein trägt, es ist ein Negligé. Ein transparentes. Man nippt ihn nicht, man füllt damit den Mundraum, spielt mit ihm, spürt ihn an seinen Zungenrändern lebhaft und neckisch abfliessen und staunt über die Art wie sich ganz plötzlich ein zarter Gerbstofffilm an den Lippen anlegt. Wie durch einen Brandbeschleuniger angetrieben breitet sich dieses rotfruchtige Monster im Mund aus, schiesst einen Kanister pulsierende Säure hinzu und brennt wie ein Feuerwerk im Mund ab. Eine Explosion von Rot, vermengt mit Braun, welche in all ihren möglichen Farbkombinationen für richtig Spass im Mund sorgt.

Resümee: Der Tropfen wird mit Luft immer charmanter, immer süffiger und somit auch immer gefährlicher. Man will ihn trinken, vergisst seine gute Kinderstube und füllt sich ungeniert das Maul damit. Viel trinkiger kann man Rotwein nicht mehr machen. Geschmacklich betrachtet relativ, aber was das Gefühl, den Trinkfluss und die Gier danach angeht nicht verhandelbar. Rot, spicy, delikat, frisch, lebendig, keck, schlank, rassig… es lässt sich unendlich fortsetzen was der Nero di Lupo ist. “Das Zeug säuft sich wie Wasser.” Es gibt Leute die trinken Mineralwasser mit vorbeigetragenen Fruchtaromen und zahlen dafür freiwillig 300% mehr. Und dann gibt es Sizilianer, die produzieren Wein der sich wie Wasser trinkt, nur erheblich besser schmeckt. Der Nero di Lupo ist definitiv so ein Wein und ab sofort ein ‘must-have‘ in meiner Sammlung. 17 Euro sind nicht schlank, aber was man dafür kriegt ist es locker wert. Das ist genau der Wein, der den privaten Mineralwasservorrat im Haushalt reduzieren wird. Saufspass pur.

Tipp: 1-2 Stunden Luft sind perfekt. Kühle 16º stehen ihm am besten. Zu Wurst- und Fleischplatten, zu leichter Pasta und sonst noch allem Möglichen ein problemloser Begleiter. Zur Alleinunterhaltung bestens geeignet.

Einen Bericht über den Nero di Lupo lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Nero di Lupo 2009 von der Azienda Agricola COS aus Vittoria in der Provinz Ragusa, Sizilien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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