Morstein Alte Reben 2014 Westhofen

| 11. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Aromatisch-haptischer Gaumengruppensex

Ein Wein wie die Faust im Nacken. Einfach monumental, überwältigend, betörend, was das im Mund abgeht. Gigantisch, wunderbar!

Winzer/Weingut: Seehof-Westhofen, Westhofen, Rheinhessen, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Morstein in der Gemeinde Westhofen im rheinhessischen Wonnegau.

Morstein Alte Reben 2014 Allgemeines: Vor knapp einem Jahr hatte ich einen sogenannten “kleinen” Wein vom Weingut Seehof-Westhofen aus Westhofen in Rheinhessen, das von der Familie Fauth bereits in der fünften Generation betrieben wird, im Glas. Den Anno 1811, ein richtig kleiner, entzückender Freudenspender. Heute steht was Grosses, und zwar wirklich Grosses von Florian Fauth am Tisch der Wahrheit. Ein Morstein, konkret sein Flaggschiff, der Riesling Morstein Alte Reben 2014. Von der renommiertesten Einzellage der Gemeinde Westhofen im rheinhessischen Wonnegau, eine Grand-Cru-Lage. Der Wein selbst darf aber nicht als Grosses Gewächs gekennzeichnet und verkauft werden, weil Florian Fauth kein Mitglied des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) ist. Irre Weinwelt. Andererseits, egal. Gross bleibt gross. Ich habe diesen Giganten aus dem Wonnegau, der jetzt gerademal am Anfang seiner Entwicklung steht im Glas und bin mehr als neugierig wie dieses GG, das man nicht so nennen darf, sich präsentieren wird.

Im Glas: Zart grün schimmerndes helles Gelb funkelt aus dem Glas heraus.

In der Nase: Die Nase wird von einem komplexen, vielschichtigen und höchst animierenden Duft zum intensiven Schnüffeln gezwungen. Marille, Pfirsich, feine Kräuterwürze und eine frische Zitrusnote sind die ersten Aromen die sich zu erkennen geben. Darüber allerfeinster Rauch, gerade soviel, dass man ihn wahrnimmt. Verhalten, aber da. Knackige Mineralik von nacktem Silex sorgt für klare Brillanz im Nasenflügel. Elegant bis in die letzte Pore duftet der Morstein AR. Ein edler Duft der mit royaler Zurückhaltung auftritt.

Im Mund: Kar, dabei stoffig. Fruchtig, dabei total mineralisch. Frisch, dabei weich und schmelzig. Silex trifft auf Marille. Auf der Zunge saftig, weich und druckvoll. Am Gaumen ein Grip wie auf dem Nürburgring. Saft und Würze vermengt in einer Essenz aus Frucht und Säure. Ganz hinten schwingt ein helles Tabakblatt ganz sachte auf und ab. Leichte Kräuterwürze zieht durch den Mund und die Tiefe die der Morstein AR ausstrahlt ist gigantisch. Fühlt sich einerseits verführerisch üppig an, knallt einem aber auf der Stelle die volle Mineralikpackung rein. Feuerstein, nackt, kalt und karg. Darüber etwas Zitrone und ein Überzug der wunderbar weich und saftig ist. Bleibt ewig haften auf der Zunge und am Gaumen und geht ab mit weissem Pfirsich und einem Hauch von Rauch. Der totale Sinnesrausch der bitte niemals enden möge.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht worüber ich mehr schwärmen soll; über das Mundgefühl des Morstein AR, oder über seinen Geschmack. Okay, der Geschmack ist der Hammer. Reife gelborange Frucht, zarte Würze, fein. Aber das Mundgefühl ist der wahre Überflieger. Man kommt gar nicht nach mit dem sortieren. Es ist griffig, wird mit Luft immer besser. Es ist cremig, schmelzig, weich. Und es ist knallhart in der Mineralik. Man beisst sich am Stein fest, man spürt Salz, man spürt Druck und Dichte und hat trotzdem das Gefühl einen ausgesprochen feinen, eleganten Wein im Mund zu haben. Etwas kalkig ist es am Gaumen, während auf der Zunge eher Silex dominiert. Typisches Tabakaroma nimmt man wahr, sehr leise, sehr verhalten, ebenso grandiosen trockenen Rauch, welcher wie eine Fatamorgana durchzieht. Es ist einfach monumental, überwältigend, betörend, was das im Mund abgeht. Diese Komplexität, die sich trotz allem permanent in ihren Einzelteilen zeigt und einem alle auf einmal erkennen, schmecken und spüren lässt. Das ist aromatisch-haptischer Gaumengruppensex.

Stopp! Zurück zur Weinrealität. Nur blöd, dass diese eben genau auf diesem Level stattfindet. Ich hab den Morstein AR jetzt seit drei Stunden in der Karaffe stehen und er wird immer mineralischer. Es ist als wäre der Bagger durch den Steinbruch gefahren und hätte alles zerbröselt was dort an Felsen rumliegt. Weisse Pfefferwürze ist auf einmal da, eine Tonne Kalkstaub fungiert als Gebläse und der Grip der momentan herrscht würde jedem Formel 1-Piloten die Freudentränen in die Augen treiben. Wo zum Henker ist die Marille hin? Hat man die rausgeworfen? Wo ist der charmante Schmelz der vor Kurzem noch betört und einen eingelullt hat? Was ist da los? Was geht da ab? Muss ich mich umziehen? Bergarbeiterkluft ist angesagt. Plus Schutzhelm. Monumental, gigantisch, wunderbar.

Resümee: Der Morstein AR ist wie die Faust im Nacken und ich hör’ jetzt auf weil ich mich rasch um Vorrat kümmern muss. Dieses GG, das man nicht so nennen darf, kostet schlappe 24 Euro, was ein Witz ist, und ich myself stürze mich deshalb ganz tief ins Minus um die nächsten Jahre genug davon im Haus zu haben. Und wenn das Bargeld abgeschafft ist zahle ich mit Flaschen. Die dann sicher mindestens so wertvoll sind wie diese gelben Ziegel aus Fort Knox.

Tipp: Füllen Sie ihn um, gönnen Sie ihm eine oder gar zwei Stunden in der Karaffe. Trinken Sie ihn mit ca. 10º. Geht sehr wohl zur guten Küche, ist aber als Solist der totale Überflieger. Eigentlich viel zu schade um daneben noch was anderes im Mund zu haben.

Einen Bericht über den Morstein Alte Reben lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Morstein Alte Reben 2014 vom Weingut Seehof-Westhofen aus Westhofen in Rheinhessen, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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