Morillon 2013 Herrenhof

| 1. September 2014 | 0 Kommentare ...alles

Rundgang durch die Bäckerei.

Wenig Alkohol, perfekte Struktur, leicht im Trunk. Erfrischend fröhlicher Chardonnay zum täglichen Verputzen.

Winzer/Weingut: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Buchertberg mit ihren leichten, kalkhaltigen und sandigen Böden.

Morillon 2013 Flasche/Etikett: Den vierten “Weissen” Gottfried Lamprechts ziert auch hier ein strahlend weisses Etikettt mit einer schlichten schwarzen Grafik darauf. In diesem Fall natürlich wieder eine andere, in Form von Linien, die einer geologischen Karte nachempfunden sind. Als würden die unterschiedlichen Schichten und Ausdehnungen von Bordenformationen gezeigt. Ich bin sicher, dass das die richtige Interpretation bzw. “Übersetzung” dieser Grafik ist. Wie bei allen anderen Etiketten ist auch diese Grafik mit einem Spruch versehen, der hier Chardonnay made in Styria lautet. Wie gehabt HERRENHOF LAMPRECHT in Grossbuchstaben den grossen freien Platz einnehmend. Darunter MORILLON sowie der Jahrgang mit den obligaten zwei // (Slashes) davor. Am rechten äussern Rand wieder jede Menge Siegel und Logos, ein Barcode, ein QR-Code und sonstiges ‘offizielles’ Beiwerk. Dazu ein Hinweis, dass der Morillon aus jenem Weinberg stammt, auf dem der Gemischte Satz angebaut ist. Jetzt aber kommt er in das Glas und wird ganz offiziell hier vorgestellt. Man kann ihn (soll ihn) dekantieren, muss es aber nicht. Je nachdem wonach man sucht und was man will. Ich habe beides probiert und heute wird “direkt eingestiegen”. (Mehr bei den Tipps)

Im Glas: Sattes Strohgelb dreht in reiner Klarheit seine Runden im Glas.

In der Nase: Unverkennbarer Chardonnay- pardon, Morillonduft strömt die Nasenflügel hoch. Zarte Buttertöne, etwas Brioche, mehr grüne als braune Nuss (die kommt noch, das weiss ich bereits). Alles sehr weich und dicht in der Nase, angenehm weil nicht laut sondern wunderschön zivilisert. Was jedoch zart im Hintergrund mitspielt ist eine feine grüne Würze, als würde man durch die Gräser im Weingarten robben. Mehr Lehm als Kalk im Riechorgan und deshalb auch ein wenig “wärmer” vom Gefühl her. Vielleicht ein wenig Birne, doch sehr verhalten und niemals aufdringlich.

Im Mund: “Lass mich dein lieber kleiner Chardonnay für jeden Tag sein” flüstert der Morillon der Zunge zu wenn er sich weich und rund auf ihr niederlässt. Und gerne folgt man diesem Wunsch. Nichts ist überzeichnet, es ist saftig aber nicht dick, es ist durchaus fruchtig (was im Laufe der Zeit aber hin zur Kalkigkeit umschlagen wird) und es ist ungemein frisch und sortentypisch. Feine warme Hefe liegt am Gaumen, weisser Kalk, etwas Lehm schmiert sich an ihm entlang. Man schmeckt Birne, eingebettet in einem frischen Briochekipferl. Auch im Mund plötzlich diese angedeutete grüne Würze, das Gras und die Kräuter aus dem Weingarten. Gerade soviel, dass man sie wahrnimmt und man staunt wie schön sie mit den Bäckereiaromen harmoniert.

Wie schon so oft zuvor erlebt, legt der Morillon sobald er offen ist im Viertelstundentakt zu. Auf der Zunge wird er immer kalkiger, am Gaumen ebenso und im Mundraum spürt man wie sich die Bäckereiaromen immer mehr in den Hintergrund vernebeln. Sie verschwinden nicht, sie begleiten jetzt den Boden, den man bei diesem Weisswein von Gottfried Lamprecht am deutlichsten heraus schmeckt. Die Saftigkeit lässt etwas nach, wird statt dessen immer mineralischer, immer weisser, immer staubiger und trockener. Um erst im Abgang wieder kurz hervor zu kriechen und noch einmal die Birne in die Höhe zu halten bevor es in ein lang anhaltendes Finale übergeht. Wunderbar ist das tolle Frucht- und Säurespiel das völlig unprätentios im Hintergrund abläuft. Harmonisch, ausgewogen und perfekt den mineralischen Gesamteindruck begleitend.

Resümee: Es hat den Anschein, als würde der Morillon es geniessen, sich immer mehr auf den Boden dem er entstammt zu konzentrieren und auch zu reduzieren. Die anfänglich warmen Butter- und Briochearonen sind abgekühlt, werden mehr vom weissen Kalk getragen und sind tiefer in den weichen Körper eingebunden. Der Wein wirkt kühler, frischer, leichter und feiner auf der Zunge. Und immer noch ist diese verhaltene grüne Kräuterwürze ganz weit hinten, die dem Morillon jenen Tick von “anders” gibt, der ihn so charmant macht. Viel Geschmack, viel Gefühl und ganz viel Freude im Mund. Lang am Gaumen, weiss und trocken, wunderbar im Finale und im Nachhall. Wenig Alkohol (12,5%vol.) und die perfekt passende Struktur. Chardonnay bzw. Morillon zum Verputzen. Ohne jeden Zweifel für den täglichen “Einsatz” geeignet. Und auch ein Grund warum ich Magnums lagere, weil die kleinen Dinger einfach nicht solange überleben wie sie sollten, um ihnen ganz tief auf den Grund zu gehen :-)

Tipp: Aufmachen, Luft ran lassen, beobachten, geniessen. Entweder direkt ins Glas, oder eine Stunde Luft zum Erreichen der Reiseflughöhe (deren Steigflug nicht enden will). 10-12º, nicht weniger, nicht mehr. Wer braucht was zum Essen dazu? Der Tropfen ist ein Entertainer und unterhält auch ohne feststoffliches Beiwerk wie ein Grosser.

Einen Bericht über den Morillon lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Morillon 2013 vom Herrenhof Lamprecht aus Markt Hartmannsdorf in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Herrenhof Lamprecht, Verkostet

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