‘Momentum’ rouge 2007 Vin de France

| 26. August 2012 | 0 Kommentare ...alles

Ein Hammer in des Wortes Sinn.

Wuchtbrumme die jeden Sicherungskasten ausser Gefecht setzt. Süsses Monster mit gefährlich hohem Suchtpotential.

Winzer/Weingut: Raimond Villeneuve, Château de Roquefort, Provence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Reblagen auf einer Hochlage von 350 – 400 Metern die in verschiedenen Terrassen bis zum Mittelmeer abfallen.

Flasche/Etikett: Wie üblich steht die dunkle Burgunderflasche mit dem aussergewöhnlichen Etikett auf unserem Tisch und es macht wie immer Spass sich dieses Stück Papier genauer anzusehen. Selten zuvor hat uns ein Design mehr begeistert als jenes der Flaschenetiketten auf den Weinen von Raimond de Villeneuves Château de Roquefort.

Wie schon in einem anderen Verkostungsbericht erwähnt ist das die erfolgreiche Zusammenführung von Contemporary Art und Renaissance. Die Symbiose von aristokratischem Touch und moderner Grafik verleiht dem Stück Papier und damit auch der Flasche echten Pepp und sollte vielleicht in einer eigenen T-Shirt-Kollektion ihre Krönung finden. Natürlich steht auch drauf was drin ist in der Flasche und alles was man sonst noch wissen soll. Und was den Tafelwein angeht, so ist der mit seinen 14,5% sicher keiner der sich vor seinen ‘edleren’ Brüdern verstecken will und muss.

Im Glas: Nach 90 Minuten wird der Momentum eingeschenkt und dann weiter in seiner Entwicklung beobachtet. Im Glas steht er in einem tiefdunklen granatrot, fast undurchsichtig. Da zeigt sich dichte Kraft und es herrscht mächtig Dampf im Kelch. An der Wand fliessen fette Kirchenfenster ab.

In der Nase: Eine feste, intensive Kräuterwürze steigt die Nase vor von Saft fast triefender Frucht begleitet hoch. Es riecht konzentriert, betörend, kräftig. Man kann die Muskeln dieses Weines richtig spüren und weiss sofort, dass hier ein Brummer im Glas steht. Man denke an frisch gequetschte Beeren, rote und schwarze und dazu eine Handvoll überreifer Kirschen. Dann hat man in etwa das was sich hier in der Nase abspielt.

Im Mund: Und dann der Hammer mit der Keule. Das was hier in den Mund fliesst haut einen wie es so schön heisst, richtig ‘aus den Socken’. Nicht dass der Momentum breit wirkt, er zieht trotz seiner Mächtigkeit ziemlich gerade und fein über die Zunge. Aber kaum dort angekommen packt er den Hammer aus und zeigt was für ein süsses Monster er ist. Fast süsser Schmelz, kraftvoll, muskulös und voluminös, ohne aber fett zu sein kommt er daher. Schokoladig schmeckt er ein wenig, kräftig fruchtig ist er und mit feinen trockenen Gerbstoffen ist er ausgestattet. In ihrer Verbindung mit der Süsse des Momentums ein umwerfendes Erlebnis. Im Glas hat es 16º, draussen an die 35º. Und deshalb treibt uns der Momentum die Schweissperlen auf die Stirn. Ein waschechtes Schwergewicht welches bei diesen Temperaturen seinen Tribut fordert.

Faszinierend ist, dass mit der Zeit das Zusammenspiel von Gerbstoffen und Fruchigkeit immer feiner wird und man sich nur schwer dieser ‘narkotischen’ Ausstrahlung entziehen kann. Die kräftige und trotzdem sehr feine Würze passt perfekt dazu und man hat das Gefühl als würde der Momentum niemals aufhören nachzuhallen. Auf der Zunge ist er klar und frisch, zeigt aber beim ersten ‘andrücken’ augenblicklich was er so alles mit sich führt. Da wird hochkonzentrierter Saft heraus gepresst, Volumen freigesetzt und der Gaumen richtiggehend von dunkler schokoladig-herber Fruchtwürze eingelullt.

Resümee: Eines ist jetzt schon klar: Dieser Wein haut einem (wenn man nicht aufpasst) garantiert die Sicherungen aus dem Kasten. Nach knappen drei Stunden an der Luft brennt sich der Momentum förmlich via Zunge auf den Gaumen ein, entwickelt sich zur süssen Droge und bringt einen an die persönlichen Grenzen von Vernunft und Konsequenz. Einerseits will man nicht aufhören ob dieses opulenten, mächtigen und saftig-süssen Geschmackerlebnisses, andererseits muss man, will man nicht mit wehenden Fahnen untergehen. Der Momentum ist ein Hammer in des Wortes Sinn.

Was diese ‘Wuchtbrumme’ jedoch von Seinesgleichen unterscheidet ist, dass der Momentum trotz allem ein direkter, gerader Wein bleibt, einen nicht den Mund verklebt ob seiner Süsse und der trotz dieser Attribute Frische vermittelt. Ein wenig rauchig, sehr viel fruchtig, nobel würzig und unheimlich narkotisierend ist er, der Momentum. Und das macht ihn zum persönlichen Winterfavoriten. Im Sommer passt dieser Wein perfekt am Abend zu rustikalem Grillgut und im Winter ist er einfach da um sich stilvoll und mit Würde ‘wegzuwerfen’. Meiden Sie ihn bei Hitze, er zwingt sie unbarmherzig Siesta einzulegen. Um knappe 17 Euro gibt es diese legale Droge käuflich zu erwerben und wenn sie daran ‘hängen bleiben’… selber schuld. Aber nicht vergessen: Es gibt, oder besser gesagt, es gab nur 6610 Flaschen von diesem ‘Monster’.

Tipp: 16-18º sind perfekt, im Sommer 1-2º kühler. 90 Minuten in den Dekanter, besser 2 Stunden und dann die Sicherheitsgurte anlegen. Zu blutigen Steaks und sonstigen toten Rindervariationen vorzüglich. Solo eingenommen Suchtstoff ohne Rückfahrticket.

Einen Bericht über den Momentum lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein ‘Momentum’ rouge 2007 vom Château de Roquefort in Roquefort la Bédoule in der Provence, Frankreich.

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Kategorie: Château de Roquefort, Verkostet

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