Miraval 2014 Rosé

| 4. September 2015 | 0 Kommentare ...alles

Hollywood in der Flasche

Ein durch und durch gelungener Südfranzose. Kein Wunder, steckt auch das Team der Famille Perrin dahinter.

Winzer/Weingut: Château Miraval, Provence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von eigenen und ausgesuchten zugekauften Trauben.

Miraval 2014 Flasche/Etikett: Hollywood lässt grüssen. Eine normale Flasche hat jeder haben sich Angelina und Brad wohl gedacht und ihren Miraval Rosé (wie übrigens auch den weissen und den roten) in eine auffällige, einer dicken Keule gleichenden Flasche gefüllt. Oder waren es doch die Perrins? In der Mitte nichts als ein kleiner Sticker, Etikett kann man das nicht wirklich nennen. Kreisrund, in schwarz mit einer goldenen Linie als Rahmen. Im breiten schwarzen Teil MIRAVAL und Côtes de Provence eingedruckt. In der Mitte eine grosse weisse Fläche mit Blüten verziert. Fertig. Sieht äusserst feminin aus. Das Rückenetikett auch nicht gerade etikettenhaft, sondern schlicht und einfach eine transparente Folie aufgeklebt und nur das Nötigste darauf. Nach dem Motto “Wer braucht Infos, wir sind’s, Brangelina“. Was aber auch egal ist, weil sowieso nur zählt was in der Flasche drin ist und nicht was aussen drauf klebt. Drum kommt der Miraval Rosé jetzt auch ohne Umweg in das Glas. Auf Kameras und roten Teppich wird dabei bewusst verzichtet.

Im Glas: Lachshellorange funkelt der rosarote Hollywood-Star aus dem Glas heraus. Oder ist es doch hellorangerosa? Egal. Ist ja auch nicht aus Hollywood, sondern aus der Provence.

In der Nase: Relativ fruchtig duftet es. Erdbeeren, Himbeeren und auch rote Johannisbeeren riecht man, feine Wiesenkräuter und eine ebenso feine Würze nimmt die Nase wahr. Weisse Blüten dümplen im Becher herum, es fühlt sich weich und geschmeidig an. Insgesamt sehr floral, mild, fast schon cremig in der Nase. Erinnert mich irgendwie an gut gerührtes frisches Erdbeer-Joghurt.

Im Mund: So cremig wie sich der Miraval Rosé in der Nase angefühlt hat, so weich und cremig kommt er auch auf die Zunge. Wo er sich erheblich frischer als in der Nase zeigt. Da steht eine schöne Zitrusfrucht darauf, rosa Grapefruit und auch wieder von Kräutern umgebene Erdbeeren. Überraschend ist die Würze die sich sofort breit macht und dafür sorgt, dass die doch reichlich vorhandene rotfruchtige Aromatik nicht das Kommando übernimmt. Unterstützt wird diese durch eine rege Säure die ebenfalls für grossen Spass im Mund sorgt. Über die Ränder fliesst der Miraval Rosé zwar saftig, aber bereits mit einer schönen herben Note behaftet ab. Auf der Zunge bleibt noch eine Weile der Rest von Grapefruit stehen, um sich danach genauso in einer herbwürzigen Wolke aufzulösen. Am Gaumen straff, sehr mineralisch und ebenfalls mit einer festen Würze versehen. Im Hiuntergrund weisse Blüten. Der Abgang eine Mischung aus Erdbeeren, Kieselstein und getrockenen Kräutern der Provence.

Kirschen tauchen plötzlich auf und verbinden sich mit den frischen Erdbeeren. Immer gut gewürzt, wie eine perfekte Ratatouille. Man schmeckt die Provence. Das einzige was mich persönlich etwas irritiert ist das “weiche Element”, weil ich ein Fan von knochentrockenen, kantigen und steinigen Rosés bin. Was dafür wieder ausgesprochen positiv überrascht ist die brutale Herbheit die der Wein besitzt. So fruchtig sich alles anfühlt wenn es in den Mund kommt, so weich und rund es ist… so gnadenlos herb wird es innerhalb von zwei Sekunden. Und das ist schön, das liebe ich. Der Miraval Rosé ist auch staubtrocken, seine zarte Fülle und die cremige Textur täuschen aber darüber etwas hinweg. Am Gaumen weht der Wind, bläst feinen herben Nebel drüber und verzieht sich in einen fruchtig-weichen wie kräuterwürzigen Abgang. Übrig bleibt ein rotfruchtiger Balsam von Erdbeeren und Kirschen auf den Lippen und vor allem dieser herrlich steinig-herbe Nachhall, aus welchem sich zum Abschied noch einmal frische Zitrusfrucht heraus quetscht und für Stimmung auf der Zunge sorgt.

Überhaupt scheint es, als würde sich der Miraval Rosé sehr gut mit Luft verstehen. Vorausgesetzt man hält ihn kontinuierlich auf Temperatur. Je kühler umso zitrusfrischer ist er. Wird er wärmer wird er erdbeerfruchtig. Was immer da ist und ihn trägt ist seine trockene Würze, seine straffe Mineralik und seine Herbheit. Die er auch braucht um der Frucht Paroli zu bieten. Schon wenn der rosarota Star in den Mund kommt nimmt man ihn “oben und unten” unterschiedlich wahr. Cremig und beerig auf der Zunge, am Gaumen steinig, kalkig, trocken, herb und wie mit Haftcreme eingeschmiert. Das hält ewig an. Und macht Spass. Eigentlich, ich hasse dieses Wort, ist er ein durch und durch gelungener Südfranzose. Kein Wunder, steckt auch das Team der Famille Perrin dahinter.

Resümee: Als Ausnahme dieses Mal, weil eben dieser Touch von “Hollywood”, meine ganz persönliche Meinung: “Was soll ich sagen über einen Wein, der wie in Hollywood so üblich, bereits vor jeder Kamera gestanden hat? Dass er, wie der Wine Spectator behauptet der “beste Rosé der Welt” ist? Nein, das ist er nicht, das ist nur typisch amerikanisch, weil dort alles, vom Burger angefangen über das Steak, die Ribs und was auch immer, das “best of the world” ist. Das ist Blödsinn. Es gibt “bessere” Rosés, was auch wieder nur subjektiv sein kann. Ich mag das “best of the world” aus Prinzip schon nicht. Soll ich sagen, dass er überteuert ist für das was er bietet? Nein, das wäre auch nicht objektiv. Fakt ist, es gibt aus der Provence Gleiches um weniger Geld. Dass man für Angelina & Brad einen Bonus zahlt ist logisch und auch legitim. Das ist auch richtig so. Ich zahle für ein Ralph Lauren-Shirt auch mehr als für eines von H&M. Da regt sich keiner auf, das ist so. Dass um diesen Wein so ein Tamtam gemacht wurde ist ebenso verständlich wie auch legitim, ist er doch von Brangelina und nicht von Hinz & Kunz. Deswegen sage ich: Der Miraval ist ein (von Perrin und nicht von Angelina und Brad) gemachter Rosé, der wirklich grossen Spass macht, der die Provence äusserst gekonnt einfängt und sie eindrucksvoll widerspiegelt. Er ist “klassisch” was die Provence betrifft. Was er hat ist etwas mehr Fülle, etwas mehr Frucht und etwas mehr “Emotion”, die letztlich Hollywood geschuldet ist. Er ist sein Geld wert und wer es gern ein wenig “runder” mag, dem ist grosser südfranzösischer Roséspass garantiert. Und wer noch mehr Spass will, der trinkt ihn einfach zu Mr. & Mrs. Smith. Das funktioniert mit Sicherheit.

Tipp: Aufmachen und um die 8º geniessen. Kühler besser als wärmer. Als Aperitif, zu Vorspeisen, Fisch und Meeresfrüchten. Auch zu Fleisch und überhaupt zu allem aus Südfrankreich. Oder einfach solo, weil essen sowieso total überbewertet wird.

Einen Bericht über den Miraval Rosé lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Miraval 2014 Rosé vom Château Miraval in der Provence, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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