Migmatite 2011 Gamay sur Granit

| 28. September 2013 | 0 Kommentare ...alles

Ist da jemand…?

…fragt man sich unmittelbar nachdem man diesen superschlanken Wein im Mund hat. Nichts für Extrakttrinker. Alles für Freunde der Leichtigkeit.

Winzer/Weingut: Gilles Bonnefoy, Domaine La Madone, Champdieu, Frankreich.

Lage/Herkunft: Auf fast reinem Migmatit (Granit) im unbekannten Niemandsland zwischen dem Beaujolais und dem Zentralmassiv angebaut.

Migmatite 2011 Flasche/Etikett: Auf der Flasche klebt ein Etikett, das eigentlich jedem Austria-Fan (Fussballklub in Österreich) das Herz höher schlagen lassen müsste. Violett bis in den letzten Winkel ist es und wenn man es genau betrachtet stellt man fest, dass die Rebsorte Gamay aus ihren einzelnen Buchstaben in dunklerem violett in Hochglanz, lose auf den helleren Untergrund aufgedruckt ist. In der Mitte steht schlicht und einfach MIGMATITE in Kapitalen und unten drunter Gamay sur Granit in ebensolchen. Das war´s am dunkelvioletten Etikett auch schon und wer noch mehr erfahren will, der findet das am pechschwarzen Rückenetikett. Darauf ist in weisser Schrift alles über Boden, Lage, Handlese, Herstellung und noch mehr angeführt. In französisch selbstverständlich. Natürlich ist auch das Siegel von demeter® mit von der Partie. Eine ‘Anlaufzeit’ braucht der Migmatite keine und deshalb kommt er ohne längere Vorbereitung einfach in die Gläser.

Im Glas: So violett wie das Etikett ist, so annähernd violett dreht der Migmatite seine Runden im Becher. Es ist ein dunkles violettrot und der Wein selbst ist glasklar und lässt tiefe Einsicht zu.

In der Nase: Der Duft ist einfach zum Hineinsetzen. Dunkle Würze, etwas Pfeffer, das süssliche Aroma von Wacholderbeeren und anderen rotbeerigen Strauchfrüchten strömen die Nasenflügel hoch. Es riecht frisch, saftig und je mehr man den grossen Kelch schwenkt, umso mehr mischen sich mineralische Gesteinsnoten unter den durchaus als würzig-fruchtig zu beschreibenden Duft. Trotz dieser würzigen Aromatik riecht man sehr schön saftige Kirsch- und Himbeerearomen aus dem Wein heraus, was in Kombination mit der frischen mineralischen Note und dem pfeffrigen Touch im Hintergrund ein insgesamt rundes und mundwässerndes Dufterlebnis beschert.

Im Mund: Wie erwartet kommt der Migmatite dann auf die Zunge. Noch um zwei Lagen schlanker als das bereits der La Madone Gamay sur Volcan war, unglaublich abgespeckt und befreit von jeglichem unnötigen Ballast. Man könnte meinen wirklich nichts im Mund zu haben. Viel weniger geht nun wirklich nicht mehr und wenn man sich erst von diesem ‘Schock’ erholt hat stellt man fest, wie frisch und süffig dieses Nichts ist. Es ist ausgesprochen mineralisch was man auf der Zunge spürt, man kann den Granit förmlich schmecken und am Gaumen spürt man erst viel später wie fruchtig der Wein gleichzeitig ist. Es ist so schlank und klar, dass man meint man trinke Wasser mit Weingeschmack, als würden einem Kirschen an Granit serviert. Und doch zieht eine Aromatik über die Zunge die Rasse und Leben in sich hat. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art wenn sich der Migmatite im Mund ‘ausbreitet’. Ein Wein der magersüchtig wirkt und dem man mit Extrakt und Kalorien gerne unter die Arme greifen möchte. Bis man erkennt, dass es genau diese fehlenden Zutaten sind, welche den Migmatite so aussergewöhnlich lebendig und leichtfüssig machen.

Schon jetzt ist klar, dass der Migmatite viele Weintrinker völlig aus ihrer vinophilen Umlaufbahn befördern wird. Kein Extrakt ist zu finden, nichts Konzentriertes was ein wenig Druck machen könnte auf der Zunge, Gerbstoffe die so fein sind wie der Wein schlank ist. Die aber doch, nachdem der Tropfen ‘unten’ ist, plötzlich auf der Zunge stehen und einen fast auslachen. Man hetzt dem Wein richtig hinterher um ein ‘Gefühl’ für ihn zu bekommen, man kann ihn nicht fassen weil er so ‘wenig’ ist und je öfter man von ihm kostet, umso frecher wird er. Es ist als würde einen der Migmatite verhöhnen, weil man nicht in der Lage ist ihn sensorisch einzufangen. Kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg. Ganz kurz lässt er einen glauben, dass jetzt etwas kommen könnte und dann… war´s das auch schon wieder. Wer ihn aber auf der Zunge stehen lässt und etwas länger mit ihm spielt im Mund, der findet Kirschen, braune Gewürze, Pfeffer, Wacholder und ganz viel hartes, kaltes Gestein. So viel, dass sich ein Verhältnis von gefühlten 2/3 Mineralik und 1/3 Frucht ergibt und man zu verstehen beginnt, warum der Migmatite so schlank ist.

Resümee: Mit ein bis zwei Grad mehr an Temperatur (14-16º) und etwas Luft beginnt er beim zweiten Glas erst richtig Spass zu machen. Er wird greifbarer, lässt etwas mehr Frucht schmecken und fühlt sich noch rassiger und lebendiger im Mund an. Am Gaumen nimmt man am ehesten die Würze und das Steinige wahr, im Abgang kommt er für einen ‘Magersüchtigen’ überraschend lang und im Nachhall blitzen reife Kirschen aus dem ganzen Geröll hervor. Es ist und bleibt aber ein Wahrnehmungserlebis das einen an seine Grenzen führt, einen zwingt den Reset-Knopf zu drücken und was man fühlt einfach zuzulassen. Dann wird der Migmatite zum besonderen Erlebnis. Und wenn man dann noch als quasi ‘Unterfütterung’ für dieses Leichtgewicht eine Pfanne Bratkartoffeln mit angebratener Wurst und gedämpften Tomaten mit Rosmarin auf den Tisch bringt, dann ist der Migmatite nicht mehr zu bremsen. Dann macht er richtig Spass und eh man sich´s versieht, ist die Flasche auch schon leer, weil dieser Wein eben nicht zum nuckeln, sondern zum trinken gemacht ist. In Durstlöscherdosis. Um weniger als 10 Euro ist der Tropfen bereits zu erstehen und somit durchaus alltagstauglich.

Tipp: Aufmachen, einschenken und verputzen. Bei 14-16º am besten. Zu Kartoffel- und Tomatengerichten der echte Bringer. Als Solist ein Erlebnis das einen in neue vinophile Umlaufbahnen schiesst.

Verkostet wurde ein Migmatite Gamay sur Granit 2011 von der Domaine La Madone in Champdieu, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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