Meursault Villages 2010 K&U Sonderedition

| 24. Mai 2015 | 0 Kommentare ...alles

Rassig exotischer Orkan.

Möge sein Nachhall niemals enden und möge doch von irgendwo noch ein letzter kleiner dicker Tropfen Ananas auf der Zunge langsam verenden.

Winzer/Weingut: Domaine Antoine Jobard, Meursault, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von einer Meursault-Dorflage mit kalkhaltigen Böden.

Meursault Flasche/Etikett: Schlicht und einfach ist das Etikett das auf der Burgunderflasche klebt. Reinweiss, kein Schnickschnack oder sonst etwas das stören könnte. In der Mitte in schwarzer Copperplate Gothic gross MEURSAULT und oberhalb der Jahrgang, 2010. Unterhalb steht Appellation Meursault Controllee und das war’s dann auch schon wieder auf dem grossen weissen Stück Papier. Ganz unten am Rand steht in feiner Typo noch alles drauf was auf einem Etikett so stehen muss, Antoine Jobard ist fett gedruckt. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt man die kleine Spielerei am Etikett. Fast über die gesamte Höhe sind die Initialen AJ ganz zart eingedruckt und schimmern perlmuttartig hervor. Elegant und unscheinbar. Der Flaschenhals ist eingefasst von einer schwarzen Manschette mit dem weissen Aufdruck Antoine Jobard und den Initialen AJ. Rückenetikett gibt es keines. Für eine halbe Stunde wandert der Meursault Villages in die Karaffe, um sich ein wenig zu akklimatisieren bevor er in das Glas kommt.

Im Glas: In dichtem, kraftvollem gelb steht der Meursault Villages im Glas.

In der Nase: Der Duft ist auf den ersten Eindruck relativ verhalten, doch nimmt man dann sehr schön reife Tropenfrüchte wahr. Man riecht Ananas, etwas Mango und auch Passionsfrucht. Über dem exotischen Fruchtkonglomerat schwebt eine hauchfeine Butterwolke, die dafür sorgt, dass alles weich und rund in den Nasenflügeln wirkt. Kalk, vermengt mit einem zarten Schuss grüner Nuss dreht irgendwo im Hintergrund ganz langsam ein paar Runden. Es ist ein milder Duft, ein leiser. Einer der einen einlullt mit seiner saftigen und docht recht frischen Aromatik.

Im Mund: Und dann macht es plötzlich “wumm” im Mund. Da steht auf einmal ein richtig rassiger Wein mitten auf der Zunge, tropft förmlich mit gelber Aromatik durch die Gegend und man spürt zwei Dinge auf einmal. Erstens, etwas das man als glasklar bezeichnen würde und zweitens, Saft. Höchst lebendige Säure hat sich mit exotischer Frucht vermählt, die Ananas hat Hochsaison und wälzt sich dabei in einem letzten Rest von flüssiger Butter. Was auf der Zunge zurück bleibt ist ein unendlich lange nachwirkender Film von kalkbestaubten Tropentropfen. Am Gaumen ein Orkan von reifer Exotik, wieder etwas Butter und ein kleines Stück von grüner Nussrinde. Im Abgang sehr bodenbetont und immer wieder diese exotisch gelbe Fruchtbegleitung. Dabei alles andere als fruchtig wie man es vermuten würde, sondern einfach reif und rund und trotzdem relativ trocken und kalkig hinten raus. Ich liebe den Meursault Villages schon jetzt und stelle fast minütlich fest, wie sehr er sich an der Luft entwickelt. Das wird noch ein grosser Spass.

Nach zwei Stunden fühlt sich der Meursault Villages komplett verändert an im Mund. Furztrocken ist er geworden, und doch hat er noch immer diesen runden saftigen Touch von reifen Tropenfrüchten zu bieten. Doch hat sich der Kalk jetzt durchgegraben und alles was noch an Fruchtaromen rumfleucht hat sich ihm angepasst und untergeordnet. An den Lippen ist er weich wie Lippenbalsam, auf der Zunge etwas breiter geworden und erheblich kalkiger. Man schmeckt etwas mehr Butter, noch mehr Nuss und spürt eine dezente Würze die endgültig erwacht sein dürfte. Am Gaumen fast schon herb, dabei wunderbar weich und mild. Es fühlt sich an als würde sich der Wein ständig mehr reduzieren, immer mehr versuchen sein Idealgewicht zu erreichen. Es ist ungemein spannend diese Metamorphose zu erleben und ihr beizuwohnen.

Resümee: Eigentlich müsste man ja den Meursault Villages jetzt zwei, drei weitere Stunden stehen lassen um noch tiefer in dieses Spiel der Verwandlungen eintauchen zu können. Nur, wer hat schon die Geduld dazu? Vier Stunden ist er hier bereits offen und es fühlt sich an als wäre man mit einem französischen Oldtimer weg gefahren und sich jetzt in einem Cabrio aus dem Vereinigten Königreich befinden. Zwar mit Rasse, doch mit sehr viel Understatement. Man sehnt sich zurück zur Ananas, will sie noch einmal spüren auf der Zunge und merkt wie man es geniesst sich den Kalkstaub durch die Haare den Mund wehen zu lassen. Man hechelt dem letzten Tropfen von Exotenfrucht hinterher und ertappt sich wie man dieses trockene und doch so balsamisch weiche Mundgefühl geniesst. Möge der Wein niemals wieder meinen Gaumen verlassen, möge sein Nachhall niemals enden und möge doch von irgendwo noch ein letzter kleiner dicker Tropfen Ananas auf meiner Zunge verenden. Die 50 Euro dafür zahl’ ich gerne, weil sparen sowieso schon lange keinen Sinn mehr macht. Ich will mehr Meursault. Viel mehr!

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe ist fein, geht dann immer mehr auf und ändert sich im Stundentakt. Mit 14-16º geniessen. Fisch an leichten Saucen, weisses Fleisch und vielerlei Gemüse veredelt er gekonnt. Als Solist einfach ein Traum in Weiss.

Einen Bericht über den Meursault Villages lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Meursault Villages 2010 K&U Sonderedition von Antoine Jobard, Meursault, Frankreich. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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