Meursault 2014 Henri Boillot

| 15. April 2017 | 0 Kommentare ...alles

Orales Naturschauspiel

Man erliegt dem Tropfen einfach, geniesst es und akzeptiert mit einem Grinsen, dass Widerstand einfach zwecklos ist.

Winzer/Weingut: Henri Boillot, Meursault, Burgund, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von den weltweit besten Lagen für Chardonnay aus Meursault und Puligny-Montrachet.

Meursault 2014 Henri Boillot Allgemeines: Eines vorweg: Ich liebe seine Weine. Jene von Henri Boillot aus Meursault an der Côte de Baune im Burgund. Seine Weine sind nicht nur weltberühmt, was Henri Boillot produziert gehört zum Besten und Feinsten was Jahr für Jahr aus dem Burgund kommt. Er ist eine Winzerlegende die von der internationalen Presse immer wieder mit Lobeshymnen überschüttet und in höchsten Tönen besungen wird. Von den weltweit besten Lagen für Chardonnay aus Meursault, Puligny-Montrachet und Chassagne-Montrachet stammen seine aussergewöhnlichen Weine und stellen dabei die Spitze der Côte de Baune dar. Seinen Einstiegswein, den Bourgogne blanc 2013, hatte ich vor genau einem Jahr verkostet. Heute steht sein Meursault 2014 am Tisch der Wahrheit und da ich bereits einiges von Henri kenne, weiss ich was mich hier erwartet. Es wird einfach ein grandioses Burgunderfest. Für eine Stunde wandert auch der Meursault in die Karaffe um sich ausgehfein zu machen. Der entwickelt sich mit Luft nämlich zu einem echten Überflieger. Und dann rein in den grossen Kelch damit bevor mich die Ungeduld in den Wahnsinn treibt.

Im Glas: Helles strohgelb funkelt im grossen Becher.

In der Nase: Kaum hat man seine Nase reingesteckt ist man im Burgunderhimmel. Pfirsich, Marille, Hefe, Mandeln, Brioche, alles was auf einer perfekten Duftkarte für Meursault zu stehen hat. Akazienhonig im Hintergund, vorne ein warmes Croissant, unterfüttert mit feinen Birnennoten. Ich könnte mich reinsetzen in den Wein und untertauchen in diesem Meer von Aromen. Schwenkt man ihn etwas forscher tauchen sogar freche Zitrustöne auf und begeistern mit einer enormen Frische. Unglaublich intensiv und trotzdem aussergewöhnlich fein ist dieser Duft.

Im Mund: Auf der Stelle eingenommen bin ich sowie der Tropfen auf meiner Zunge ankommt. Da ist es dann wieder. Dieses unglaubliche Mundgefühl, dieser grandiose Geschmack, dieses wunderbare Zusammenspiel von Frucht und Teigaromen. Majestätisch lässt sich der Meursault in der Zungenmitte nieder, setzt augenblicklich eine höchst erfrischende Salzspur frei und schiebt im Anschluss Birnen, Pfirsich und Marillen hinterher. All das ist eingehüllt in einer Wolke aus Brioche- und Brotaromen. Es ist weich im Mund und doch klar, es ist warm aber doch frisch, es ist traumhaft nussig am Ende, ohne jedoch intensiv zu sein. Was da im Mund abgeht ist eine Klasse für sich, ist ein Erlebnis, eine Wohltat und verleitet einen Hymnen auf diesen Wein zu singen. Lassen Sie den Tropfen etwas im Mund stehen, kauen sie ihn leicht und geben sie sich diesem atemberaubenden Mundgefühl hin. Aber Vorsicht, man wird süchtig drauf.

Und dann beobachten Sie den Tropfen wie er an der Luft so richtig aufgeht. Zitrusaromen kommen hinzu, er fühlt sich im Mund kühler als in der Nase an, ist weich im Körper ohne wirklich voll zu wirken, obwohl er doch sehr schöne Rundungen hat. Kalk drängt an die Oberfläche. Es ist als würde der Wein auftrocknen und auch schlanker werden. Die Zunge giert nach der nächsten Füllung, am Gaumen hört der Meursault gar nicht mehr auf zu wirken, haftet förmlich an ihm und setzt langsam alles was es in der Bäckerei gibt frei. Der Abgang phantastisch, weich, rund, fruchtig-teigig, endlos, zitrusfrisch und ganz zart salzig. Der helle Wahnsinn. Ist da Heu dabei? Klar, ganz hinten! Und wie toll ist das! Ich möchte mich am liebsten baden in diesem Wein und statt ihn am Ende auszulassen, in grossen Schlucken trinken bis die Wanne leer ist.

Was bei diesem Meursault gar so beeindruckt, ist dieses blinde Zusammenspiel aller Komponenten. Man schmeckt jede einzelne für sich isoliert und am Ende doch alle zusammen. Es macht einen fast verrückt weil man so etwas so selten schmecken und auch spüren darf. Denn im Mundgefühl verhält es sich nicht anders. Salzig-mineralisch, verhalten fruchtig, teigig, warm, weich, rund, frisch, alles für sich erlebbar und doch als Einheit wahrnehmbar. Ein orales Naturschauspiel ist das, eine Naturgewalt, die hier ihr Spiel treibt.

Resümee: Dieser Wein macht sich mehr als nur über Nase, Zunge und Gaumen her, er brennt sich förmlich in der Geschmackszentrale ein. Man spürt wie sich der Tropfen der Synapsen annimmt und diese auf “Speichern & Verlangen” einstellt. Man ist gefangen, und man wehrt sich nicht. Man erliegt ihm, geniesst es und akzeptiert mit einem Grinsen, dass Widerstand einfach zwecklos ist. Ich bin dem Virus “Meursault und Co.” schon lang erlegen und habe mir einfach die Nachschublinien gesichert. Denn ohne geht man letztlich schnell ganz rasch vor die Hunde. Persönliche Empfehlung.

Tipp: Verträgt eine gute Stunde in der Karaffe. Mit 10-12º aus dem grossen Becher trinken. Zu Kalbfleisch, Hühnerbrust und vielem mehr. Persönliche Vorliebe: Als Solist. Weil er einfach phänomenal ist und keine Begleitung welcher Art auch immer braucht.

Einen Bericht über den Meursault 2014 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Meursault 2014 von Henri Boillot aus Meursault/Côte de Beaune im Burgund, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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