Meruge 2008

| 25. April 2013 | 0 Kommentare ...alles

Würziger Spassmacher.

Rassig, schlank und trotzdem ganz schön kraftvoll. Ein würziger Spassmacher für Freunde elegant-robuster Weine.

Winzer/Weingut: Lavradores de Feitoria, Sabrosa, Portugal.

Lage/Herkunft: Von zwei Weinbergen im Cima Corgo zwischen Piñhao und San Joao de Pesqueira am rechten Ufer des Douro.

meruge Flasche/Etikett: Die Burgunderflasche und das auf ihr befindliche Etikett sind voll nach meinem persönlichen Geschmack. Alles ganz in schwarz. Eindrucksvoll, geheimnisvoll, modern. Auf einem schmalen Streifen oberhalb des eigentlichen Etiketts das modern gestaltete Logo der Lavradores de Feitoria aufgedruckt, am grossen Stück Papier in weissen Kapitalen MERUGE drauf. In ebensolchen Grossbuchstaben alles andere was diesen Wein betrifft. Zwar schwer lesbar aufgrund der Schriftart, aber hier geht es wohl mehr ums Design. Als kontrastreicher Kontrapunkt ist nur der Jahrgang in orange eingedruckt, der wiederum die perfekte Eränzung zur ebenso orangen Halsmanschette ist. Der Meruge schindet schon rein optisch Eindruck.

Am grossen grauen Rückenetikett ist alles drauf was drauf sein muss. Das grosse ‘Siegel’ Douro DOC macht unmissverständlich auf die Herkunft seines Inhalts aufmerksam. Auch wenn der Meruge nicht wirklich mehr ein ‘junger Hüpfer’ ist, er kommt trotzdem zumindest für eine Stunde in die Karaffe. Schon des geliebten Rituales wegen.

Im Glas: So dunkel wie die äusserliche Erscheinung des Meruge ist, so leuchtend hell und klar steht er in brillantem Rubinrot nun im Glas. Er leuchtet förmlich mit sich selbst um die Wette.

In der Nase: Der Duft… betörend. Rote Früchte, Gewürze und Tabak strömen aus dem Glas, Schokolade riecht man und eine feine Kräuternote. Weichseln hüpfen auf und ab und frisches Holz als Unterfütterung verleiht dem Duft eine leicht maskuline Ader. Es ist komplex, vielschichtig, aufregend und wunderbar frisch was da im Glas seine Runden dreht. Eine fruchtgetränkte Lederspur zieht vorüber und ganz im Hintergrund zeigt sich der Duft von Amarenakirsche. Absolutes Schnüffelbukett.

Im Mund: Erstens: Nur Staub ist trockener. Zweitens: Viel frischer geht es nicht mehr. Der Meruge überfällt einen förmlich mit seiner Komplexität und Vielschichtigkeit, sodass man erst gar nicht weiss worauf man sich zuerst konzentrieren soll. Es fühlt sich herb und würzig an im Mund, auf der Zunge tanzen rote Fruchtaromen und rauchig-ledrige Spuren ziehen über den Gaumen. Der Meruge ist plötzlich überall im Mund, man schmeckt ihm hinterher, erwischt ein wenig vom Barriquearoma und wundert sich wie fein und elegant er in seiner Struktur ist. Etwas bitter? Ja. Etwas fruchtig? Ja. Elegant? Und wie! Der Meruge wirkt schlank im Mund, eindrucksvoll dank fester aber ebenso sanfter Tannine am Gaumen, fast rassig frisch auf der Zunge. Und mittendrin im würzigherben Geschmackskonzert eine freche Weichsel, die spitzbübisch auf die Tube drückt.

Nach zwei Stunden an der Luft fühlt sich der Meruge herber und würziger im Mund an als zu Beginn. Wer keine Gerbstoffe mag wird, obwohl sich diese sehr geschmeidig anfühlen, keine Freude mit ihm haben. Doch sind es genau diese Gerbstoffe die dem Wein so eine kraftvolle, fordernde und gleichzeitig kühl und frisch wirkende Struktur verleihen. Da geht was ab im Mund, es ist herb und würzig, es ist ledrig und harmoniert sehr fein mit den rotbeerigen Fruchtaromen. Auf der Zunge schmeckt man diese, am Gaumen fühlt man sie. Und wenn sich der Tropfen aus dem Staub macht hinterlässt er einen Gaumen, der damit beschäftigt ist der erdigen Mineralität hinterher zu fühlen. Die Beeren wirken als wären sie in eine Wolke Rauch gehüllt, das Leder fühlt sich an als wäre es in dunkle Schokolade getunkt und die Gewürzaromen sind so dunkel wie auch trocken.

Resümee: Obwohl der Meruge mit kräftigen 14% im Gepäck ins Haus fällt wirkt er trotz allem feingewirkt und recht erfrischend. Nicht heiss, nicht breit, nicht voluminös, nichts von allem. Er fühlt sich schlank, wenn auch robust an, er tänzelt feingliedrig durch den Mund und erweckt nicht den Anschein, dass er einem der heissesten Flusstäler dieser Erde entstammt. So kühl und so frisch er ist, so ‘zügig’ trinkt er sich. Doch Vorsicht ist geboten! Auch wenn man gerade wegen dieser kühlen Frische seine 14% nicht merkt, sie kommen auf leisen Sohlen durch die Hintertür spaziert. Ein würziger Spassmacher für Freunde elegant-robuster Weine. Um ca. 20 Euro käuflich zu erwerben und garantiert DIE Überraschung auf der sommerlichen Gartenparty.

Tipp: Unbedingt für eine Stunde (besser zwei) in die Karaffe und dann bei 16-18º geniessen. Zu rotem Fleisch, zu Ente und sonstigem Federvieh, wie auch zu milden und nicht allzu gereiften Käsevariationen.

Einen Bericht über den Meruge lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Meruge 2008 von Lavradores de Feitoria aus Sabrosa, Portugal.

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Kategorie: Lavradores de Feitoria, Verkostet

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