Melograno 2011 Podere Còncori

| 25. Mai 2014 | 0 Kommentare ...alles

Superschlanker Saufwein.

Rassig roter Zechwein, der mit frischer Säure und einem ungeheuren Trinkfluss für allergrössten Spass im Glas sorgt.

Winzer/Weingut: Podere Còncori, Lucca/Toskana, Italien.

Lage/Herkunft: Von Sandsteinböden der Weingärten Concori, Piezza, Collaccio, Prete, Noceto und Selvapiana.

Podere Còncori Melograno Flasche/Etikett: Auf der Flasche klebt ein Etikett, das selbst mit höchstmöglicher Dioptrienzahl noch von Weitem erkennbar ist. Knallorange leuchtet es turmhoch vom Glasgebinde. Oben in weiss Podere Còncori, unterhalb Melograno. In der Mitte in ebenso knalligem rot das Bildnis eines Dorfes mit dahinterliegenden steilen Weingärten, die sich hoch hinauf erstrecken. Alles fein geprägt und glanzlackiert. Im unteren Eck in weiss der Jahrgang und TOSCANA. Eine richtig ‘knallige’ Erscheinung die einem schon von Weitem entgegen leuchtet und nicht zu übersehen ist. Am weissen Rückenetikett steht wieder all das oben was unbedingt angeführt sein muss. Kein Hinweis auf das was drin ist oder über den Wein im Allgemeinen. Dafür der Bio-Stempel der den Wein offiziell zum Biowein erklärt. Auf italienisch erfährt man, dass der Wein ungeschönt und unfiltriert abgefüllt ist. 13%vol. kündigen jedenfalls ein angenehmes Trinkerlebnis an. Bevor der Melograno aber in die Gläser kommt, darf er für 30 Minuten in der Karaffe ein paar Runden drehen.

Im Glas: Leuchtendes Rubinrot steht im Glas. Zum Rand hin hellt es etwas auf. Die Farbe ist sehr klar.

In der Nase: Ausgesprochen weich fühlt sich der Duft des Melograno in der Nase an. Es riecht nach reifen roten Beeren, nach schwarzen Pfefferkörnern und nach ebenso schwarzen Kirschen. Würzig strömt alles die Nasenflügel hoch, wirkt gesittet und leise und schleppt einen feinen Nebel von Milchkaffee mit sich. Ein Hauch von Vanille kreist im Glas, macht den Duft weich, fast ein wenig mollig. Dann aber kommt erdige Würze hinzu und verbindet sich mit den roten Beerenaromen zu einem relativ opulenten Duft.

Im Mund: Staunen! Was auf die Zunge kommt ist so ungewöhnlich wie unerwartet. Rassig schlank steht der Melograno plötzlich auf ihr, fast sauer. Und das obwohl er den prall gefüllten Korb von wilden roten Beeren auf einmal über sie ergiesst. Urplötzlich merkt man aber wie vanillig-cremig sich alles für einen kurzen Augenblick anfühlt. Als würde einem das Holz die Zunge einseifen. Es ist verwirrend. Da steht einerseits die totale freche Frische im Mund, spielt mit einer höchst lebendigen Säure und auf einmal spürt man Vanillepudding. Zwar nur kurz, aber doch. Würde das Holz hier zurückgedrängt, dann würde sich die gesamte Rasse des Melograno wie ein Hurrikan entfalten und einem ein erfreutes, wenn auch leicht debiles Grinsen ins Gesicht zaubern.

Nachdem ich dem Melograno eine weitere halbe Stunde Luft gegönnt habe, hat sich das Holz etwas verflüchtigt. Er wirkt jetzt frischer, noch rassiger auf der Zunge und auch am Gaumen. Fast kommt es einem vor als wäre der Wein mager, ist er aber nicht. Die frische Säure lässt ihn im Mund vibrieren, dazu führen auch noch feine Gerbstoffe eine ebenso feine Klinge. Es rieselt richtig und macht jetzt grossen Spass dieses Spiel zu spüren. Nach und nach wird der Melograno attraktiver, lebendiger, pulsierender, lustiger. Ich hatte zuerst Zweifel und jetzt rollt der Kieselexpress über die Zunge. Am Gaumen frisch, knackig, säurebetont, im Abgang ebenso frisch, rotfruchtig, würzig, erdig. Nur mehr ganz wenig Holz und von cremig keine Spur mehr. Wer den Melograno zu früh antrinkt, den bestraft der Holzwurm. Wer ihm Zeit gibt erlebt einen richtig rassigen roten Renner. Salami und Brot wird ausgepackt, denn das gehört jetzt einfach dazu. Und plötzlich trinkt sich der Tropfen wie von alleine. Superschlank, leicht, rotwürzig und fast schwebend steht er im Mund. Knackige Kirscharomen schmeckt man, luftig-leichte Erdwürze zieht über den Gaumen. Fast körperlos breitet sich der Melograno aus, fühlt sich an wie ein Fliegengewicht, macht null Druck und verdunstet noch während man ihn im Mund hat.

Resümee: Er erinnert mit seiner leicht säuerlichen, schlanken Charakteristik an guten Dolcetto, nur ist er fruchtiger. Spätestens jetzt, nach 90 Minuten an der Luft ist klar, dass der Melograno ein echter Saufwein ist. Der Trinkfluss ist fast schon erschreckend, was einzig und allein seinem frischen Säurespiel zu verdanken ist. Erst ganz am Schluss macht sich im Nachhall wieder ein leiser Ton von Holz bemerkbar. Das zu wollen oder abzulehnen ist reine Ansichtssache. Einer mag es, ein anderer weniger oder nicht. Auf jeden Fall aber ist der Melograno eine echte Überraschung. Was hier an Rasse und Lebendigkeit im Glas steht ist schon beeindruckend und wer dem Wein entsprechend Luft gibt, der wird sich wundern wie schnell die Flasche nachher restlos leer ist.

Tipp: 60 Minuten gehört der Wein an die Luft. Dann legt er richtig los. Keinesfalls zu warm geniessen. Um die 16º sind perfekt, nicht mehr. Schreit nach Salami, Braten kalt und warm sowie nach sonstigem ‘Schweinischen’. Als Solist ein rassig-frischer Entertainer mit gefährlich hohem Verdunstungsfaktor.

Einen Bericht über den Melograno lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Podere Còncori Melograno 2011 vom Weingut Podere Còncori aus Gallicano in der Toskana, Italien. Bezugsquelle: Bio Wein Online Ramsau/Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Bio Wein Online, Verkostet

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