Marcillac Lo Sang del Pais 2013

| 29. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Fruchtig, griffig, würzig, stoffig, rot.

12,5 PS, keine 9 Euro und ein Reifepotential bis über 2020 sollten Anreiz genug sein, um von diesem Wein ein paar Kisten im Keller zu vergraben.

Winzer/Weingut: Domaine du Cros, Goutrens/Marcillac, Frankreich.

Lage/Herkunft:Von Kalkmergelböden aus dem Tal von Marcillac im Herzen des Aveyron im Südwesten Frankreichs.

Marcillac Flasche/Etikett: Das Etikett das auf der Burgunderflasche klebt zwingt mir ein Lächeln ab. Es ist dermassen überladen, dass es fast schon weh tut und doch strahlt es eine nicht zu leugnende Liebenswürdigkeit aus. Oben ganz gross MARCILLAC und dann ein Gewitter einer Illustration die sich über das ganze Stück Papier ausdehnt. Unter grossen dicken Trauben eine Hügellandschaft (das Tal von Marcillac) mit Hütten und Weinbergen, so banal wie lieb. Erinnert an die Zeichnungen in alten Gedichtbänden. Unten all das was sonst auf einem Rückenetikett stehen würde, welches aber fehlt und deshalb vorne drauf steht. In schlichtem beige und braun ist das Etikett gehalten, wirkt auf alt getrimmmt und verströmt jenen Hauch von Exzentrik die zu 100% zu dem was in der Flasche ist passt. Oben am Hals noch ein kleiner Kleber mit Lo Sang del Pais und 2013 und fertig ist das Stück ‘Kulturgut’ aus dem Tal von Marcillac. Eine halbe Stunde darf sich der Lo Sang del Pais in der Karaffe mit der Luft anfreunden, dann kommt er in den polierten Degustationskelch.

Im Glas: Dunkles violett mit blauen Reflexen steht im Glas. Dabei ist es ausgesprochen klar und transparent.

In der Nase: Und dann ist er wieder da, der Duft den man nicht vergisst wenn man ihn einmal in der Nase hatte. Himbeeren satt, rot, fruchtig, saftig, frisch und intensiv. Doch ist das nicht alles, weil sich schwarze Johannisbeeren ebenso dazu gesellen wie Lakritze, Kirschen, schwarzer Pfeffer und auch ein paar Wiesenkräuter. Unvergleichlich, unvergesslich, einfach einmalig. Feine Würze setzt dem Duft die Krone auf und lässt einen, so man Fer Savadou bereits einmal gekostet hat, ungeduldig und erwartungsfroh vom ersten kleinen Schlückchen träumen.

Im Mund: Ist das jetzt fruchtig-griffig, mineralisch-würzig, stoffig-rot, oder … es ist einfach umwerfend. Erstens ist der Lo Sang del Pais äusserst schlank im Mund, auf der Zunge steht er mittig in voller saftiger Frucht und lässt einen gleichzeitig sein eindrucksvolles Gerbstoffkleid spüren. Nicht grob, nicht rustikal, einfach wie dichter Flanell, weich und anschmiegsam, aber trotzdem mit soviel Struktur, dass man ihn nicht allzu weich empfindet. Johannisbeeren schmeckt man neben den duftigen Himbeeren, noch mehr Gestein und ganz viel herrlich erdige Würze. Das zarte Pelzchen das sich hinter den Lippen anlegt ist richtig sexy, die trockene Herbheit am Gaumen elegant und der Abgang mit seinem ganz feinen süsslichen Kick im Nachhall ist sowieso das ultimative Sahnehäubchen. Fer Savadou – Marcillac – Lo Sang del Pais: Eine Kombination die in jedem Zirkus Hauptattraktion ist.

Frisch, fein und schlank steht der Lo Sang del Pais im Mund, wirkt kühl an den Lippen, am Gaumen und auf der Zunge und zeigt mit Luft was in ihm steckt. Braune Gewürze, vermengt mit Himbeeren und Johannisbeeren sorgen für eine duftige wie auch geschmackliche Kombination die einen nicht mehr loslässt. Dazu Gerbstoffe die derart fein vom Gaumen abrieseln, als würde es sich um atomisierten Steinstaub handeln. Als würde man den Boden im Mund haben. Nur dass er auch noch fruchtig schmeckt. Entfernt erinnert der Tropfen so wie er hier im Mund steht an völlig abgespeckten Cabernet Franc. Der Lo Sang del Pais 2013 ist ist im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger aus dem Jahr 2010 noch um eine Dimension schlanker, feiner und griffiger geworden. Und das will was heissen, war er nämlich damals schon ein Minimum an Fülle. Jetzt ist er noch einmal entschlackter und was da im Mund abgeht ist allerfeinster Spitzensport.

Ganz gefährlich ist der Trinkfluss dieses Weines. Man hat so gut wie nichts im Mund, und doch so viel was aber einzigartig fein und zierlich ist. Er wird immer fruchtiger, Veilchen kommen hinzu und was die Gerbstoffe angeht werden diese immer feiner und verführerischer. Die Zunge möchte den Saft nicht mehr hergeben, lässt ihn weich und langsam über ihre Ränder fliessen und der Gaumen will den Schotter spüren. Man kann den Wein nicht nippen, man muss immer ein Maul voll davon nehmen und entsprechend rasch ist auch das nächste Glas leer. Der Lo Sang del Pais will kühl getrunken werden und je mehr er atmet umso intensiver wird er. Nur leider werde ich das Finale nicht erleben weil der Tropfen einfach fliesst und mir keine Chance lässt ihm hinterher zu kommen.

Resümee: Ich vergleiche selten, eigentlich so gut wie nie. Aber müsste ich es hier tun, dann würde ich den Lo Sang del Pais zwischen dem Cabernet Franc von Anne-Claude Leflaives Clau de Nell und dem La Madone Gamay sur Volcan von Gilles Bonnefoy legen. Der fast unerreichten Frische und Klarheit dieses Cabernet Francs und der total entschlackten Struktur jenes Gamays kommt der Tropfen wohl am nächsten. Und in der Mitte tanzt eine frische Frucht die sowohl die Würzigkeit wie auch die Leichtigkeit der beiden mühelos vereint. 12,5 PS, keine 9 Euro und ein Reifepotential bis über 2020 sollten Anreiz genug sein, um von diesem Wein ein paar Kisten im Keller zu vergraben.

Tipp: 2-3 Stunden in die Karaffe mit dem Teil. Dann mit 14-16º geniessen. Zu Grillgerichten aller Art eine Bank. Als Solist ein Zechwein allerfeinster Klasse und schneller weg als einem lieb ist. Perfekter Sommerrotwein für Individualisten. Vorsicht vor jenen, die Fer Savadou nicht kennen. Die werden sich um ihn streiten.

Einen Bericht über den Lo Sang del Pais lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Marcillac ‘Lo Sang del Pais’ 2013 von der Domaine du Cros in Goutrens im Tal von Marcillac, Frankreich. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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