Manila 2015 Blaufränkisch

| 19. Dezember 2017 | 0 Kommentare ...alles

Das Zeug ist Hammer!

Der Tropfen zieht mit einem Tempo durch die Luke, als würde man einen Wildbach hinunter raften. Trinkfluss total. Abgefahren!

Winzer/Weingut: Martin Nittnaus, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Vom Weingarten Jungenberg in Jois am Leithagebirge.

Manila 2015 Allgemeines: Vom Weinpuristen Hans ‘John’ Nittnaus aus Gols im Burgenland habe ich bereits einiges verkostet. Nachzulesen hier. Heute steht wieder ein Wein der Familie Nittnaus am Tisch der Wahrheit, diesmal allerdings einer vom Junior, Martin Nittnaus, der unter dem Namen Manila sein eigens “Ding” macht und Weine mit seiner ganz persönlichen Handschrift in die Flaschen zaubert. Er treibt es im Keller noch weiter als sein Vater und verzichtet dort, nach der Spontangärung im gebrauchten Holzfass, auf Filtration und oft auch auf Schwefel. Sein Blaufränkisch Manila 2015, welcher 10 Monate in zwei Fässern gelagert wurde, stammt vom Weingarten Jungenberg in Jois am Leithagebirge. Abgefüllt wurden gerade einmal 1000 Flaschen und eine habe ich heute hier zur Verkostung. Wie weit Manila etwas mit einer möglichen Reisedestination zu tun ist noch abzuklären, hier jedenfalls geht es nicht auf die Philippinen, sondern erst einmal für eine halbe Stunde in die Karaffe um sich ausgehfein zu machen.

Im Glas: Dunkles Violett im Glas, fast schwarz, aber trotzdem klar und transparent.

In der Nase: Im Riechorgan ist der Manila ungemein kühl und frisch, feine Noten von Cassis und Brombeeren, kalte Erde, etwas Stein, ein paar Kräuter. Höchst animierend weil so filigran und leicht, trotz seiner dunklen Seele. Wird immer komplexer an der Luft und zeigt am Ende sogar ein paar freche Zitronenspritzer. Ein Duft zum Schnüffeln, einer der in seiner Feinheit nicht an Stoff sondern an Seide erinnert.

Im Mund: Aber hallo! Darf´s ein bisserl weniger im Mund sein? Bitte gerne, jederzeit. Wie fein und leicht ist das denn? Und wie eindrucksvoll dazu! Aber der Reihe nach. Hat man den Manila erst im Mund, geht das grosse Staunen los. Federleicht, null Gewicht, schlank, frisch und kühl … das sind die ersten Gedanken die einem durch den Kopf schiessen. Die Zunge sucht vergeblich etwas das sie vorne schon greifen kann, doch kaum steht der Manila auf ihr ist er auch schon ganz hinten, als würde er überhaupt erst in der Mitte beginnen. Danach ein ultrafeiner Film von Brombeeren und Cassis, im Abgang ein paar wilde Kräuter und ein grandioser Zitrustouch. Am Gaumen nanomillimeterdünne Seide, unpackbar. Ein Naturschauspiel im Mund, eines, das mächtig Eindruck hinterlässt.

Wer den Manila zum ersten Mal im Mund hat stellt sich unweigerlich die Frage “wie viel kann man noch weglassen, um am Ende immer noch genug zu haben”. Für mich persönlich ist das der abgespeckteste Blaufränkisch, den ich die letzten fünf Jahre getrunken habe. Von jeglichem Ballast befreit rollt der Manila durch die Zungenmitte, wie ein feiner Strahl, steinig, phasenweise salzig, wildkräutrig und am Ende beerig-fruchtig. Von allem aber zeigt er nur eine Idee, zwingt einen quasi sich den Rest im Kopf vorzustellen. Bekommt er Luft, dann nimmt er richtig Fahrt auf und auf einmal spürt man Grip hinter den Lippen, merkt wie sich der Tropfen aus seiner Hülle schält und immer feiner wird. Das Zeug ist einfach abgefahren.

Frucht x Kräuter + Schiefer = rasante Steinigkeit. Man schmeckt und spürt den Wein auf einmal, alles gleichzeitig, ohne dass ein Element sich in den Vordergrund drängt. Der Trinkfluss selbst phänomenal, der Tropfen zieht mit einem Tempo durch die Luke, als würde man einen Wildbach hinunter raften. Je länger der Manila Sauerstoff aufnimmt, umso fruchtiger wird er am Ende, umso saftiger und verführerischer.

Resümee: Schütten Sie die Flasche am besten in eine grosse Karaffe, trinken sie den Kerl nach dreissig Minuten an und dann schauen sie im Stundentakt was passiert. Das Zeug ist magisch, abartig, genial, grandios, einfach hammermässig. Nie wird Ihnen weniger mehr und wenig so viel vorkommen. Was für ein Stoff!

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe und dann dort “reifen” lassen. 16º, nicht wärmer! Zur Gans, zum Brathuhn, zum Truthahn, oder einfach so. Ein Wein zum Trinken.

Einen Bericht über den Manila lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

Manila
Wein: Manila 2015 Blaufränkisch
Winzer: Hans & Anita Nittnaus
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2018+
Boden: Schiefer
Ausbau: Holzfass > 300 l
Besonderes: ManuVin®
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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