Malbec ‘Mendoza’ 2009 Achaval-Ferrer

| 27. Mai 2012 | 0 Kommentare ...alles

Kühle Höhenluft im Glas.

Malbec vom Feinsten. Ein Wein der nicht umsonst zu den besten Argentiniens gehört und dies auch eindrucksvoll beweist.

Winzer/Weingut: Achaval-Ferrer, Pedriel/Mendoza, Argentinien.

Lage/Herkunft: Von drei verschiedenen Weinbergen, deren Reben zwischen 13 und 86 Jahre alt sind und die auf über 1000 Meter Höhe liegen.

Flasche/Etikett: Das Etikett auf der Bordeauxflasche zeigt sich erfrischend anders und vor allem richtig edel. Es ist in Form eines spitzen ‘Tropfens’, fast wie ein Edelstein auf auf einem Ring gestaltet und aufgebracht. Farblich nobel zurückhaltend in weinrot mit grauer Schrift, alles auf einem weissen Hintergrund der ganz leicht und hell stilisierte Weinblätter zeigt. Oben in der Mitte ein grafisch ansprechendes Logo mit edler Typo und darunter alles was wichtig ist. Nichts was das Gesamtbild stört, einfach stilvoll ist das Stück Papier. Alles was man zusätzlich wissen muss oder möchte steht hinten auf einem kleinen Etikett.

Wir sind schon gespannt was uns erwartet, füllen den Mendoza der ein wenig gekühlt wurde, aber erst noch für eine Stunde in den Dekanter um. Dann kommt er perfekt temperiert und belüftet ins Glas und kann beweisen, warum er zu den besten Weinen Argentiniens gehört.

Im Glas: Tiefdunkel-dunkelrot, fast schwarz, steht der Malbec im Glas und zeigt sich absolut blickdicht. Bläulich-violette Ränder runden diese dunkle Erscheinung ab und ein dicker Film schmiert sich über die Innenwand des Glases hinab.

In der Nase: In der Nase duftet es wunderbar kühl, so als ob man die frische Höhenlage der Weinberge riechen könnte. Es riecht würzig im Glas, eine dezente Holznote hebt den Finger und etwas pflaumiges strömt in die Nase. Es duftet dunkelwürzig, nach fetten, reifen roten und schwarzen Beeren und irgendwie auch nach Graphit. Im Gegensatz zu vielen Malbecs die schon in der Nase beginnen ‘heiss’ zu werden, umweht der Mendoza mit einer frischen Temperatur die Nasenwände. Ein Bukett zum schnüffeln, das Lust auf den ersten Schluck macht.

Im Mund: Dann endlich darf der Mendoza zeigen was er im Mund so alles anstellt. Kaum hat er die Lippen passiert sucht er sich den Weg auf die Zungenmitte und lagert dort eine vollreife, satte dunkle Frucht ab die sich förmlich einbrennt. Nebst den seidigen Gerbstoffen fällt sofort auf wie kühl der Wein ist, wie erfrischend. Keine Spur von heiss, kein Ansatz von klebrigen Früchten, vielmehr eine Kombination von frischer, kühler Frucht in einem tollen Gewürzstrauss. Den Gaumen umspült der Mendoza fast mit einer leichten Süsse die unheimich viel Volumen hat. Trotzdem wirkt der Wein nicht opulent und bleibt immer hauchfein und kühl.

Gerade bei Weinen die mehr als 14% haben, und dieser hier hat 14,5 davon, läuft man oft Gefahr sich mit einem richtig wuchtigen und ermüdenden Hammertropfen herumschlagen zu müssen. Keine Spur davon beim Mendoza. Klar zeigt er seine Kaft, warum auch verstecken? Es ist jedoch die Art und Weise wie er sie einsetzt und einem damit trotz allem das Kommando überlässt. So fruchtbeladen er im positivsten Sinn ist, so gekonnt gezügelt bleibt er und lässt dem beeindruckenden Gerbstoffgerüst ausreichend Platz um eine tolle Symbiose mit ihr einzugehen. Das Ergebnis ist ein Mundgefühl von dem man schwer genug bekommt. Das ist Tango auf der Zunge und am Gaumen und man spürt förmlich das wilde Temperament von Argentinien. Das ist ‘olé’ und noch viel mehr.

Eines ist sicher: Der Mendoza hat Persönlichkeit, er hat Kraft und Stil und hebt sich wohltuend von den Massen-Malbecs ab. Es ist eine Kunst den hohen Alkoholgehalt nicht spüren zu lassen, weder in der Nase noch am Gaumen und noch mehr eine Kunst ist es, den Wein dabei gleichzeitig kühl zu halten wie es hier vorbildlich gelingt. Er ist mild, er ist samtig weich, belebt erfrischend und spielt perfekt mit Frucht, Holz und Würze. Der Mund fühlt sich voll an, ausgefüllt von einer Saftigkeit die überwältigend ist. Und erst die Gerbstoffe! Seidig begleiten sie die Frucht, verbinden sich mit einer milden Säure und sorgen für reinsten Genuss. Im Abgang zieht die reife süsse Frucht, die trotz allem rassig bleibt, eine lange saftige Spur hinterher und endet in einem feinherben, mit einem leichten süsslichen ‘Stich’ versehenen Finale.

Resümee: Der Mendoza ist definitiv ein echter Rotwein für den Sommer. Es bläst den frischen Wind von mehr als 1000 Meter Seehöhe ins Glas und kühlt perfekt bei klirrender Hitze. Ein Malbec der aktiv und attraktiv ist, der all die schwerfälligen Artgenossen lachend aus dem Weg schiebt und einfach durch seine jugendliche Unbeschwertheit glänzt. 14 Euro für soviel Qualität sind mehr als gerechtfertigt und wer wissen will wie erfrischend kühl richtiger Malbec tatsächlich sein kann, der wird dem Mendoza von Achaval-Ferrer am Ende sicherlich verfallen.

Tipp: Lassen Sie den Wein 1 Std. im Dekanter atmen und servieren sie ihn im Sommer bei 16-18º, im Herbst und Winter bei ca. 20º. Wenn Sie grillen überraschen Sie ihre Gäste mit diesem Spitzentropfen. Oder geniessen Sie ihn einfach solo und träumen sie von einer Erstbesteigung des Aconcagua.

Einen Bericht über den Malbec ‘Mendoza’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Malbec ‘Mendoza’ 2009 von Achaval-Ferrer aus Pedriel, Mendoza in Argentinien.

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Kategorie: Verkostet

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