Lois 2014

| 15. Juli 2015 | 0 Kommentare ...alles

Der Sommer kann kommen.

Bevor ich einen Sommerspritzer trinke, schenke ich mir lieber einen Lois ins Glas ein und geniesse Wein in seiner puren, leichten Variante.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kamptal, Österreich.

Lage/Herkunft: Aus Niederösterreich, von 5 bis 50 Jahre alten Rebstöcken die überwiegend auf Lössböden stehen.

Lois Flasche/Etikett: Eines vorweg; zwischen dem was auf dem Bild zu sehen und was tatsächlich auf dem Etikett ist, gibt es einen klitzekleinen Unterschied. Auf dem neuen ist in der Zwischenzeit ein rotes BIO, das vom kleinen ‘Polynesier’ in die Höhe gestemmt wird, unübersehbar aufgedruckt. Da ich aber den Inhalt der abgebildeten Flasche in einem Anfall von Veltlinerentzug bereits rücksichtslos vernichtet habe, musste ich eine Kopie von Lois anfordern. Und der hat nun schon das “Echtheitszertifikat”. Man sehe mir meine Gier nach, wird sie aber verstehen wenn man den Wein einmal kennt. Soviel zu den Änderungen. Der Rest wie üblich mit dem polynesischen Fruchtbarkeitssymbol und lois in quietschgrün auf dem weissen Etikett. Am Rückenlabel dann auch schon alle Information bezüglich Bio-Zertifizierung sowie das Siegel der Traditionsweingüter Österreichs, dessen Mitglied Fred Loimer ist. In der Mitte die Signatur Fred Loimers. Und weil ich den Lois bereits bestens kenne, wird jetzt auch nicht lange rumgefackelt und einfach eingeschenkt.

Im Glas: Helles gelb mit leicht grünlichen Reflexen leuchtet aus dem Glas heraus.

In der Nase: Frische Apfelaromen riecht man, vom Gefühl her ist der Lois 2014 etwas dichter, reifer als 2013. Es fühlt sich weicher in der Nase an, auch etwas rauchiger. Eine sehr schöne Würze überlagert alles und das typische Pfefferl wirkt insgesamt moderater. Es ist durchaus fruchtig, die feine Würze und der sanfte Pfefferduft unterfüttert aber alles gekonnt und sorgt für ein wohliges Gefühl in den Nasenflügeln. Verhaltener als 2013, irgendwie erwachsener und ausgegorener.

Im Mund: Äpfel. Ganz viele saftige, frische Äpfel kullern auf die Zunge. Aus ihnen fliesst eine ebenso saftige wie frische Säure und ergiesst sich neckisch und speichelfördernd über die Zungenränder. Quietschgrün fühlt es sich an, weisser Pfeffer staubt die grünen Äpfel ein und was sich in der Nase moderater angefühlt hat, ist plötzlich das genaue Gegenteil davon. Da steppt der Lois am Zungenboden und die Ränder üben sich in der Rolle seitwärts. Erst danach wird es ein wenig pfeffrig um nicht ganz ausser Kontrolle zu geraten. Was noch dazu kommt ist eine lebhafte Zitrusnote die sich mit dem grünen Apfel matcht. Entsprechend lustig zieht es einem kurz die Augenbrauen hoch und sorgt für eine dezente Entgleisung der Mimik. Am Gaumen überraschend weich und verhalten würzig, im Abgang saftig-pfeffrig mit einem Schuss Zitrone.

Wie schon der Lois 2013 zeigt auch der Lois 2014 erst auf den zweiten ‘Blick’ sein wahres Gesicht. Grundsätzlich kein Wein der unbedingt Luft braucht, offenbart aber auch er nach einer Weile wieder diese relative Griffigkeit auf der Zunge. Die Apfelaromen dringen stärker durch, auch die moderate Pfefferwürze steht wieder über allem und auf der Zunge spürt man wie sich ein feiner Belag bildet. Nicht stoffig, nur ganz fein texturiert. Als ob der Wein an Fülle zugenommen hätte und jetzt erst richtig aufgeht. Die Würze ist ausgeprägter, die Säure soweit auf Zimmerlautstärke zurück gedreht, dass man nicht mehr mit den Augenbrauen zuckt. Sehr harmonisch geworden innerhalb von einer Stunde und ausgesprochen süffig, wie man hierzulande zu sagen pflegt.

Resümee: Wie schon 2013 ist auch der Lois 2014 wieder ein Grüner Veltliner, der dem landläufigen Begriff ‘resch’ alle Ehre macht. Jedoch ist er nicht nur einfach resch (ich weiss noch was resch in meiner Jugend bedeutete), sondern auch griffig, strukturiert und in Balance. Da passen Säure, Frucht und auch Würze stimmig zusammen, nichts dominiert, alles ist im Fluss. In diesem Fall auf der Zunge, wo der Saft steht, am Gaumen, wo die Pfefferwürze lauert, und im Abgang wo alles wieder zusammen findet. Die schlappen 11,5 PS sorgen für ein weiteres grosses Plus um diesen einfachen, aber keineswegs banalen Veltliner, zu einem ausgesprochenen Spassbolzen zu machen. Auch heuer hat sich zum Vorjahr nichts an meiner Meinung geändert: Bevor ich einen Sommerspritzer trinke, schenke ich mir lieber einen Lois ins Glas ein und geniesse Wein in seiner puren, leichten Variante. Der Sommer kann kommen, Lois steht bereit und sorgt für frische Kühlung.

Tipp: Schrauber runter und ab ins Glas. Mit 8-10º am besten zu geniessen. Zur Fisch, Salaten und zum Wiener Schnitzel. Auch zum Steirischen Backhendl mit Kartoffelsalat ein Hauptgewinn. Als Solist der pure Zechwein; ist schneller weg als einem lieb ist.

Einen Bericht über den Lois 2014 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Lois 2014 Grüner Veltliner von Fred Loimer aus Langenlois/Niederösterreich, Österreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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