Löss 2013 Grüner Veltliner

| 29. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Rubens auf Diät

Ananas und Erde, eine tolle Kombination. Etwas Brot und Butter sowie ein dezenter herber Nebel am Gaumen, dann darf es auch mal etwas fester sein.

Winzer/Weingut: Zuschmann-Schöfmann, Martinsdorf/Weinviertel, Österreich.

Lage/Herkunft: Von tiefgründigem Löss-Lehm-Boden der Lage Ralessen in Martinsdorf.

Loess Veltliner Allgemeines: Zwei Grüner Veltliner habe ich bereits aus dem Haus Zuschmann-Schöfmann aus Martinsdorf im niederösterreichischen Weinviertel mit Genuss verkostet. Der eine ein Klassiker, der Muschelkalk, der andere ein Kultwein, der Brünnerstrassler. Heute steht der “grosse” Veltliner aus der Reihe Lauf der Zeit am Tisch der Wahrheit. Die Reben dieses Veltliners wachsen auf tiefgründigem Löss-Lehm-Boden der Lage Ralessen in Martinsdorf. Schlicht und einfach Löss haben ihn Else Zuschmann und Peter Schöfmann getauft und ihn nach der Ganztraubenpressung im Stahltank spontan vergoren und anschließend mehrmals aufgerührt. 8-10 Jahre Lagerpotentzial soll er haben, der Grüner Veltliner Löss 2013, dieser hier wird davon aber absolut nichts merken. Die Weinserie Lauf der Zeit stellt die Spitze des Sortiments dar. Nur die aussergewöhnlichsten ihres Jahrgangs schaffen es dort rein. Der Löss gehört wie erwähnt dazu und wie sich der nun zeigen wird, dem gehe ich jetzt auf den Grund. Angetrieben wird der Löss von 13 PS. Bevor er ins Glas kommt, wandert er für eine halbe Stunde in die Karaffe.

Im Glas: Fort Knox in flüssig. So schaut’s aus im Glas. Goldgelb wie die begehrten Barren.

In der Nase: Exotik pur dann in der Nase. Fette Ananas, dicke Mango, Papaya und ein Tick von Anis ganz hinten. Auch Muskatnuss taucht auf, braungelb fühlt sich die Würze in den Nasenflügeln an. Ein Feuerwerk an saftigen, gelben Aromen brennt der Löss ab. Ein feiner Nebel von warmen Brotaromen schwebt über allem und macht den Duft weich und füllig. Da hat man was zu riechen und ganz viel zu entdecken.

Im Mund: So exotisch wie der Löss in der Nase begonnen hat, so exotisch geht es im Mund weiter. Was zur positiven Überraschung fehlt, ist die Üppigkeit. Man schmeckt sehr schön und klar die Ananas, auch die Mango und den Rest der Exoten, doch steht am Gaumen eine wunderbar feine Herbheit die man nicht erwartet hätte. Richtig erdig fühlt es sich an, während der Löss im Abgang durchaus fruchtbetont ist. Zwei Weine im Mund, einen auf der Zunge, den anderen am Gaumen, beide unterschiedlich. Saftig-fruchtig und erdig-herb ist es, fühlt sich ausgesprochen gut an. Etwas Nuss und Brot spielen mit, peppen die Früchte richtig auf und verbinden sich zu einem saftig-würzigen Saft. Ich bin jetzt schon sicher, dass der Löss in ein, zwei Stunden ein echter Mineralikbomber sein wird.

Und so ist es. Einerseits wird der Löss immer buttriger im Sinn von weich und rund, andererseits wird er auch erdiger. Trotz seines dichten Körpers klart er auf im Mund, ist leichter geworden auf der Zunge, dafür drückt er am Gaumen und im Abgang fester an. Die exotische Aromatik hat an Würze zugenommen, Apfel ist hinzugekommen und die Muskatnuss haucht fein von hinten rein. Auch die Brotaromen sind jetzt besser definiert, fügen sich sehr schön in diesen “warmen” Wein ein, man spürt sehr klar den Einfluss des Lössbodens. Irgendwie fühlt sich der Wein intensiv an, druckvoll. Doch löst er sich von selbst in einer sehr schlanken Mineralik auf. Er hat Rundungen, keine Frage, doch trägt diese saubere Erdigkeit mit ihrer trockenen Art sehr zu diesem doch letztlich feinen Gesamtbild bei.

Irgendwo im dichten, vollen und weichen Körper treiben sich dann auch die 2 Gramm Restzucker rum und steuern das Ihre zum mineralisch-opulenten Auftritt des Löss bei. Auch wenn ich bekennender Freund von schlanken Weinen bin, so sind mir fein-füllige ab und an auch ganz recht. Vor allem wenn sie erdig sind. Ananas und Erde, überhaupt eine tolle Kombination. Etwas Brot, etwas Butter und ein dezenter herber Nebel am Gaumen, dann darf es durchaus sowas wie der Löss sein. Der übrigens immer erdiger wird je länger er in der Karaffe vor sich hin dümpelt. Dank seiner frischen Säure macht er auch einen recht lebendigen Eindruck.

Resümee: Viel Frucht, ja, dafür aber auch viel staubig-erdige Mineralik. Verpackt in einer Hülle die äusserst sexy und charmant ist. Kein Hungerhaken, dafür umso lustvoller. Rubens auf Diät. Gefällt mir. Mag ich.

Tipp: Geben Sie dem Wein eine Stunde, besser zwei, in der Karaffe. 10º im grossen Glas sind ideal. Zur scharf angebraten Karreerose, zu puristisch zubereiteten Fischgerichten oder auch zum Lamm. Allein für sich genossen, einer der entschleunigt und für Entspannung und Gelassenheit sorgt.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Löss 2013 vom Weingut Zuschmann-Schöfmann aus Martinsdorf im Weinviertel, Österreich.

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Kategorie: Verkostet, Zuschmann-Schöfmann

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