‘L´Esprit du Couvent’ 2008

| 2. Dezember 2012 | 0 Kommentare ...alles

Wuchtbrumme mit Stil & Klasse.

Mit mächtig PS unter der Haube gibt der Tropfen richtig Gas. Trotzdem bleibt er ein Lord und zeigt wie man Muskeln stilvoll einsetzt.

Winzer/Weingut: Domaine Guy Capmartin, Maumusson, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus der im Südwesten Frankreichs gelegenen Weinbauregion Madiran im Département Hautes-Pyrénées.

Flasche/Etikett: Auf der langen schlanken Flasche kebt ein Etikett, welches von der Farbgestaltung eher unüblich ist, in Anspielung auf den Inhalt aber durchaus Sinn macht und somit wieder passt. Komplett in zartblau und in Folienoptik ist es gehalten, die Domaine und die Herkunft in kräftigem Marineblau oben und unten aufgedruckt. Blau/Schwarz das Wappen und in der Mitte in schattiertem Gold und in verspielter Typo der Name des ‘rauen Burschen’, L´esprit du couvent. Alles eingefasst in einem goldenen Rahmen.

Am kleinen Rückenetikett gerademal das Wichtigste und das was unbedingt noch drauf sein muss. Am wichtigsten der Hinweis auf die Appellation Madiran Controlée. Nachdem wir schon einige Rodeotropfen dieser Gattung zugeritten haben, entscheiden wir uns dem L´Esprit du Couvent zwei Stunden im Dekanter Zeit zu geben um sich dort entsprechend auszubuckeln. Schliesslich wollen wir ja nicht unbedingt vom Pferd getreten oder gar ganz ungemütlich aus dem Sattel geworfen werden.

Im Glas: Stockfinster ist es im Glas, es sieht es aus als hätte jemand das Licht ausgemacht. Fast schwarz im Kern steht der ‘L´Esprit du Couvent’ darin, nur ein ganz schmaler bläulich-violetter Rand blitzt auf. Ein dicker Film bleibt an der Innenwand kleben und fliesst nur schwerlich wieder ab.

In der Nase: Es duftet kräftig nach dunklen Beeren aus dem Glas, konzentriert, würzig, wuchtig dampft es drin und doch fühlt es sich sehr elegant und fein an. Fast möchte man sagen, dass es erdig duftet. Eine superfeine Holznote zieht vorbei und hängt sich an den dunklen Fruchtaromen an. Sollte das im Mund so weitergehen ist man gut beraten sich ein Führungsseil zu krallen, um nicht vom Weg abzukommen.

Im Mund: Wie erwartet brennt der ‘L´Esprit du Couvent’ sofort ein echtes Feuerwerk im Mund ab. Da kommt ein Powertropfen auf die Zunge, presst auf ihr seine fast süsse schwarze Beerenfrucht aus und beschert dem Gaumen ein ebensolch süsses wie bemerkenswert trockenes Geschmackserlebnis. Der Wein hat mächtig PS unter der Haube und doch schafft er es diese in einer Leichtigkeit zu verpacken, die mehr als nur ‘gefährlich’ ist. In der Würze die er ablädt steckt Wucht und seine Tannine sind kräftig und präsent, fühlen sich aber weitaus gezügelter und vornehmer an als sie in Wirklichkeit sind. Der Tropfen wirkt richtig elegant, betört mit einem tollen Säurespiel im Mund, man fühlt wie frisch der ‘L´Esprit du Couvent’ ist. Nichts mit fetter oder heisser Opulenz und einer banalen Fruchtexplosion im Mund; das was hier abgeht lässt die Zunge übermütig und den Gaumen gläubig werden.

Obwohl der ‘L´Esprit du Couvent’ in der Tat ein ‘rauer Bursche’ ist, versteht er es sich wie ein Gentleman zu benehmen. Er macht keinen Hehl daraus was er so drauf hat, lässt einen aber mit Anstand ‘überleben’. Er ist überhaupt nicht breit, obwohl seine Gerbstoffe sofort überall präsent sind, wirkt richtig schlank im Mundgefühl, trotz seiner Kraft und trotz der süssen Wucht mit der er auf die Zunge kommt. Diese will sofort mehr davon und kaum spürt sie diese süssen Beeren, macht der Tropfen kehrt und brennt sich kraftvoll am Gaumen ein. Zurück bleibt ein feiner Pelz, welcher sich jedoch wie edler Kaschmir anfühlt. Das ist purer Gaumensex und das nicht enden wollende Finale verstärkt dieses Gefühl noch. Im Nachhall bleibt eine dunkle, erdig-würzige Frucht ewig lange haften. Der ‘L´Esprit du Couvent’ ist schlichtweg gemeingefährlich. Auf positivste Art und Weise.

Resümee: Je mehr Luft der Wein aufnimmt umso intensiver wird er in der Nase und am Gaumen. Und er wird immer gefährlicher. Der ‘L´Esprit du Couvent’ wird immer konzentrierter, immer klarer und mächtiger. Und doch bleibt er ein Lord, in feinstes Tuch gehüllt und mit einer Finesse und Eleganz behaftet, die ganz grosse Klasse ausstrahlt. Guy Capmartins Tannat ist eine ‘Wuchtbrumme’ die edler und gefälliger nicht sein könnte. Man möchte jetzt schon wissen wie sich das was da im Glas ist in den nächsten Jahren in der Flasche entwickelt. Erahnen kann man es. Knappe 20 Euro sind für soviel Weinwert pure Untertreibung und wer Tannat mag der sollte sich zumindest eine Kiste in den Keller legen und sie dort vergessen. Gibt´s am Sparbuch unter 2% so verspricht der ‘L´Esprit du Couvent’ mindestens 20% und mehr. Und schmecken tun die ‘Zinsen’ noch dazu.

Tipp: Zwei bis drei Stunden im Dekanter sind empfehlenswert. Etwas kühler (16-17º) genossen, spielt der Tropfen alles aus was er zu bieten hat. Kräftige Fleischgerichte, gebraten und gegrillt, begleitet er vorzüglich und als Solobegleitung wird er auf der Stelle zum besten Freund.

Einen Bericht über den ‘L´Esprit du Couvent’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Madiran ‘L´Esprit du Couvent’ 2008 von der Domaine Capmartin aus Maumusson-Laguian, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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