Lenz 2014

| 27. Juli 2015 | 0 Kommentare ...alles

Gefährlich, weil gar so süffig

Geht auf alle los die einfach knackig-fruchtig-mineralisch-frischen Trinkspass erleben wollen. Und das mit dem vollen Programm.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kampta, Österreich.

Lage/Herkunft: Von 5 bis 30 Jahre alten Rebstöcken auf Gneis-, Schotter- und Lössböden in Niederösterreich.

Lenz Flasche/Etikett: Da der Lenz bereits vor seinem offiziellen Auftritt rücksichtslos geleert wurde und es einer unverzüglichen Nachlieferung bedurfte, klebt auf der abgebildeten Flasche (wie schon beim Lois) noch das alte Etikett. Und wie schon beim Lois ist auch auf dieser neuen Weinbeklebung in der Zwischenzeit ein grünes (statt wie beim Lois ein rotes) BIO, vom kleinen ‘Polynesier’ in die Höhe gestemmt, aufgedruckt. Auch der Lenz hat in der Zwischenzeit das “Echtheitszertifikat”. Aber sonst ist alles gleich geblieben. Versprochen. Alles klar? Wie gewohnt das polynesische Fruchtbarkeitssymbol und lenz in orange auf dem weissen Etikett. Am Rückenlabel auch hier schon alle Informationen bezüglich Bio-Zertifizierung sowie das Siegel der Traditionsweingüter Österreichs, dessen Mitglied Fred Loimer ist. In der Mitte wieder die Signatur Fred Loimers. 11,5 PS sind drin, in der Flasche, und die werden jetzt einfach perfekt gekühlt in die Freiheit entlassen.

Im Glas: Helles, klares albinogelb leuchtet im Glas vor sich hin.

In der Nase: Eher mineralisch denn vordergründig fruchtig duftet es aus selbigem heraus. Weisser Pfirsich ist vorhanden, doch dann steht bereits eine ausdrucksstarke, steinige Mineralik parat. Gelbe Grapefruit, frisch und spritzig, dümpelt durch die Gegend. Es riecht sehr fein, dezent fruchtig, das Gefühl in der Nase ist mineralisch-würzig. Mir scheint diese Verschiebung von Frucht zu Mineralik kräftiger ausgefallen zu sein als es beim Lenz 2013 der Fall war.

Im Mund: Yippie Yah Yei Schweinebacke! Da steppt der Bär der Lenz im Mund. Die Zunge rollt sich nach hinten und schlägt Purzelbäume. Doch halt, irgend etwas ist anders. Es ist intensiver als 2013, dabei aber gleichzeitig runder, voller, ausdrucksstärker. Wie schon letztes Jahr ist alles da, angefangen von der frechen wie frischen Zitrusaromatik und auch von der strahlenden Säureader. Doch fühlt sich beim Lenz 2014 alles etwas körperreicher und dichter im Mund an. Auf der Zunge druckvoller, am Gaumen gelber in der Aromatik. Die Mineralik fast rauchig, enorm steinig. Als wäre Lenz erwachsener geworden und plötzlich richtig ‘abgeklärt’. Etwas weniger Säure, und doch weniger Restzucker als 2013? Fühlt sich so an, ich werde fragen, auch wenn mich technische Werte nur äusserst peripher interessieren. Das jedenfalls schmeckt köstlich und macht grossen Spass im Mund.

Es ist saftig im Mund, das steht fest. Auf der Zunge durchaus fruchtig, festes Pfirsichfleisch, etwas Apfel. Ziemlich dicht und reif. Vom Gefühl her einen Tick breiter als 2013, dafür aber dank weniger Restzucker – ich habe nachgefragt (6 statt 7,2g/l) – etwas schlanker im Mundgefühl. Mehr Saft mit weniger süss, sozusagen. Auch weniger Säure als 2013 und damit den kompakteren Gesamteindruck verstärkend. Das “rundere” Gefühl muss ja von woher kommen. Und so wie es das tut ist das toll. Man schmeckt reife Frucht, man spürt die etwas “wärmere” Minerlität und man hat länger einen äusserst angenehmen Nachhall der nur langsam wieder abklingt. Der Lenz 2014 fühlt sich ‘erwachsener’ an, irgendwie vom Teenager zum jungen Mann gereift. Zwar noch immer unbekümmert, aber doch schon wissend wo es lang geht.

Resümee: Auch beim Lenz 2014 merkt man, wie ihn Luft zu einem recht schottrigen Gesellen macht. Er wird eindeutig steiniger, was an Zitrusaromen vorhanden ist wird leiser, geht aber nicht verloren. Vielmehr schmeckt es, als hätte man die Steine damit eingerieben. Die Säure unverändert frech, das Gefühl am Gaumen trockener und mineralischer. Der Gesamteindruck gefährlich, weil gar so süffig. 2013 war einer für die Fraktion “Gib mir Saures, Baby”, 2014 geht auf alle los die einfach knackig-fruchtig-mineralisch-frischen Trinkspass erleben wollen. Mit dem vollen Programm. Ganz gefährlich, aber wirklich ganz ganz. Noch dazu um schlappe 9 Euro für die Pulle. In diesem Sinne: “Die 12er-Kiste ist das neue Six pack.”

Tipp: Schrauber ab und rein ins Glas. Mit 8-10º geniessen. Zum Fisch, zu Salaten und zum Wiener Schnitzel. Zum “Gummiadler” (Grillhendl) sowieso. Als Solist ein Wein von dem man am besten immer eine zweite Flasche im Kühlschrank haben sollte.

Einen Bericht über den Lenz 2014 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Lenz 2014 Riesling von Fred Loimer aus Langenlois/Niederösterreich, Österreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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