Larmandier-Bernier ‘Latitude’ Extra Brut

| 21. Dezember 2013 | 0 Kommentare ...alles

Blubbernder Oralsex.

Schampus, der vielen ‘Nobelmarken’ einfach den Teppich unter den Füssen wegzieht. Perfekte Kombination von Dichte und Klarheit. Einfach sexy.

Winzer/Weingut: Larmandier-Bernier, Vertus/Champagne-Ardenne, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von eigenen Reben an kühlen Osthängen auf kargen Kreideböden an der Côte des Blancs, im Süden der Champagne.

Latitude a Vertus Flasche/Etikett: Auf der mit einer goldenen Halsmanschette umhüllten Burgunderflasche klebt unten ein äusserst elegantes, in silber gehaltenes Etikett in ovaler Form. Ohne jeden Schnickschnack, in der Mitte ein grosses Wappen mit LARMANDIER-BERNIER darunter. Oben Champagner und unten á Vertus, um auf die Herkunft des Champagners hinzuweisen. Dazwischen in geschwungener Typo Latitude, der Name des Edelsprudels. Mehr braucht es nicht und würde man nicht wissen, dass es sich um einen ‘Winzersekt’ handelt, man würde ein weitaus grösseres Haus hinter diesem eleganten Etikett vermuten.

Mehr Information über den Latitude erhält man dann am Rückenetikett. Ebenfalls in silber. Zuerst der Hinweis, dass es ein Blanc de Blancs ist (aus 100% weißen Trauben, Chardonnay) und ebenso, dass es sich um einen Extra Brut handelt. Dazwischen in elegant geschwungener Typographie ein paar Worte zum Champagner von Pierre Larmandier persönlich sowie von ihm signiert. Insgesamt eine mehr als noble Erscheinung. Und jetzt geht´s ab ins Weissweinglas. NICHT in die Flöte!

Im Glas: Helles gelb funkelt aus dem Glas und eine ausgesprochen feine Perlage zeugt vom Leben darin.

In der Nase: Im Duft ist der Latitude eher verhalten, am ehesten riecht man florale Noten. Nach zwei Minuten kommen aber dann doch ganz feine fruchtige Düfte hinzu und letztlich zeigt sich eine Mischung aus Obst- und Johannisbeeraromen in der Nase. Unterfüttert ist alles von warmen, saftigen Hefenoten die sich elegant im Hintergrund aufhalten und die Fruchtigkeit fast süss erscheinen lassen. Eindeutig ein Duft der sich ins Gedächtnis einprägt und den man garantiert auch blind sofort wieder erkennt. Schampus mit Schnüffelbukett, das macht richtig Spass im Näschen.

Im Mund: Grossartig! Knochentrocken, lebendig, frisch, lebhaft und doch überhaupt nicht hart oder nervig kommt der Latitude auf die Zunge. Sofort spürt man allerfeinstes Mousseux, das gekonnt hauchfeine Aktivität im Mund vermittelt und nicht selbigen zum Schäumen bringt. Wunderbar fein fühlt sich der Latitude an, verströmt dezente Zitrusaromen, lässt einen den Tick Hefe spüren die ihn weich macht und man wundert sich wie ultrafein das ‘Leben’ eines Champagners im Mund sein kann. Sogar rote Beerenaromen tauchen auf, man schmeckt in der letzten Sekunde vor dem Abgang einen Tick von Süsse auf der Zunge, welche aber keine ist. Sponti-Schampus und drei Jahre auf der Hefe zeigen was sie können. Schon jetzt ist klar; der Latitude ist grosses Kino.

Suchststoff ist das, was einem zu diesem runden, saftigen und kristallklaren Geschmacksempfinden einfällt. Trocken muss nicht unbedingt ‘nur’ trocken sein. Dieser Stich von fruchtiger Saftigkeit der sich auf der Zunge bemerkbar macht ist es, der den Latitude so sexy macht. Der ihn in seiner Trockenheit so mundfüllend erscheinen lässt, so dicht. Und doch ist er glasklar, in Kombination mit seinem fast atomisierten Mousseux ein Champagner, der zahlreichen ‘Nobelmarken’ einfach den Teppich unter den Füssen wegzieht. Auf der Zunge kitzelt er, er schäumt nicht, am Gaumen ist er knochentrocken und hinterlässt den Touch von Herbheit die man erwartet und im Abgang ist er dicht, saftig, rund und schmackhaft. Auch hier zahlt die Hefelagerung die Rechnung und hinterlässt einen adäquaten Tip. Im Nachhall einerseits ein wenig fruchtig ohne plump zu sein, kreidig, kalkig. Man scheckt den Chardonnay, man schmeckt den Kalk und man schmeckt ‘gehefte Frucht’. Ummantelt von Mousseux der Spitzenklasse. Blubbernder Oralsex, anyway.

Während ich den Latitude verkoste läuft im Radio Werbung. “Minus 25% auf alle Sekte und Champagner.” Dazu fällt mir nur ein: “Behaltet euer Zeug, denn so etwas das ich im Glas habe, werdet ihr in 100 Jahren nicht anbieten können.” Pfeif auf Prozente, ich will Qualität. Und die habe ich im Glas.

Resümee: Eine Kombination von Dichte und Klarheit im Mundgefühl, eine Kombination von Saft in seiner puren Trockenheit (so blöd sich das auch anhört), überbordende Lebendigkeit, welche sich in purer Eleganz manifestiert. Man muss ihn spüren, den Latitude. Man muss ihn schmecken und man wird ihn nicht vergessen. Das ist Schampus den ich zum Frühstück will, zum Mittagessen und am Abend. Und vor allem zwischendurch. Auch wenn er mich in den Ruin treibt. Aber schmackhafter und bekömmlicher (so verboten das Wort sein mag) kann man sich nicht um den Verstand geniessen. 33 Euro die Flasche. Diesen Spass kann man sich locker leisten: Einfach weniger essen und dafür mehr trinken. Alles geht, wenn man will.

Tipp: 8-9º sind ideal. Eigentlich braucht man dazu keine feststoffliche Begleitung. Zischt solo in atemberaubender Geschwindigkeit die Kehle runter. Wer will kann Hummer, Langusten und anders Salzwasserkriechtier servieren.

Einen Bericht über den Latitude lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Champagne ‘Latitude’ Extra Brut von Larmandier-Bernier aus Vertus in der Region Champagne-Ardenne an der Côte des Blancs, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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