Langhe Nebbiolo 2013 DOC

| 15. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Kein Botox, keine Schminke. Authentizität pur.

Regionalwein pur, keine Kompromisse. Einfach regional und unverfälscht. Ein Barbaresco wie man ihn sich wünscht.

Winzer/Weingut: Cantina del Pino, Barbaresco/Langhe, Piemont, Italien.

Lage/Herkunft: Von durchschnittlich 40 Jahre alten Reben aus den besten Barbaresco-Lagen des Weinguts.

Langhe Nebbiolo 2013 Flasche/Etikett: Ungemein elegant wirkt das Etikett auf der braunen Flasche. Auf einem Untergrund von silbrigem Perlmutt ist oben in blau das Logo der Cantina del Pino, ein Baum, aufgedruckt und unterhalb in einer eleganten wie auch schlanken Typo LANGHE NEBBIOLO 2013. Zwei feine blaue Linien als Abgrenzung nach unten und fertig ist das edle Stück Papier. An den Rändern links und rechts steht unauffällig alles was sonst noch von Wichtigkeit ist und damit hat es sich auch wieder. Am Flaschenhals ist Albeisa aufgeprägt. Albeisa heisst die spezielle Flaschenform die aus dem 18. Jahrhundert stammt und Bezug auf die Gegend Alba nimmt. In diese Flaschen dürfen nur Weine von den Langhe- und Roero-Hügeln mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung abgefüllt werden. Abgerundet wird die elegante Erscheinung von einer Halsmanschette in blaumetallic mit dem DOC-Siegel. Bevor der Langhe Nebbiolo angetrunken wird kommt er für eine Stunde (die braucht er mindestens) in den Dekanter, wo er sich über die nächsten Stunden ungehindert entfalten kann. Ein grosses Glas ist selbstverständlich und so kommt auch der ‘Kelch aus dem Burgund’ zum Einsatz.

Im Glas: In relativ hellem rubinrot dreht der Tropfen fröhlich seine Runden im grossen Becher.

In der Nase: Frische Kirscharomen strömen einem in die Nase, Himbeeren mischen mit, junge Pflaumen tauchen auf und ein zarter Veilchenduft steht fein darüber. Es riecht verzaubernd, sehr fruchtig, leicht floral. Die Würze traut sich gerademal die Hand zu heben, nur um ja nicht das Spiel der Fruchtaromen zu stören. Ein Beistrich von Vanille zieht vorüber, gerade dass man ihn erkennt und ist auch ohne grosses Aufsehen gleich wieder weg. Der Duft ist einfach magisch und sorgt für wohlig süsse Schauer in den Nasenflügeln. Man ist gespannt was da wohl in den Mund kommt.

Im Mund: Was ist wohl mehr vorhanden: Säure oder Gerbstoffe? Es rieseln vom Gaumen frische, knackige Tannine auf die Zunge und breiten auf ihr einen feinen Belag aus. Während man noch damit beschäftigt ist die ebenso kernige Säure zu ‘verarbeiten’. Frische junge Kirsche trampelt etwas unbeholfen durch den Mundraum. Nicht weil sie rücksichtslos, sondern einfach weil sie noch nicht ganz im Wachzustand ist. Der Langhe Nebbiolo beginnt gerade aufzumachen (eine Stunde Luft ist wie erwähnt das Minimum). Dafür ist es umso spannender dieses ‘Erwachen’ mitzuerleben, zu spüren wie der Wein sich entfaltet, wie er auf der Zunge und am Gaumen fast bitter steht und dabei doch schon soviel Süsse absondert, dass man jetzt schon mehr von diesem Tropfen will. Ganz hinten schmeckt man etwas braune Nuss, im Abgang noch einmal zart Vanille und was bleibt ist ein wunderschönes Pelzchen mit Fruchtgeschmack hinter den Lippen.

Was mich persönlich immer wieder an den Weinen der Nebbiolo-Traube fasziniert, ist, wie bäuerlich sie oft wirken, wie rustikal sie erscheinen und wie fein sie dabei sind bzw. sein ‘können’. So wie dieser jetzt. Da preschen junge, entsprechend ungestüme Tannine durch den Mundraum und schreien “Wo ist die Wurst, was gibt es sonst noch in der Speisekammer”. Dabei machen sie sich, dank der sie begleitenden kernigen Säure, ungeniert und rücksichtslos über Zunge und Gaumen her. Die Kirsche kommt gar nicht mehr mit mit diesem Tempo, die Pflaume ist sowieso im Hintertreffen und der Rest der Beerenfrüchte hat, so scheint es, aufgegeben. Hier steppt der Bär im Mund, da tanzen Tannine als gäbe es kein morgen und man ertappt sich wie man sich genussvoll die Lippen ableckt weil man auch den letzten darauf verbliebenen Tropfen schmecken und spüren will. Der Langhe Nebbiolo säuft sich wie Wasser und zwingt mich förmlich die Küche anzuwerfen.

Je mehr Luft der Langhe Nebbiolo aufnimmt, umso ‘gefährlicher’ wird er. Immer mehr kommen die Kirscharomen wieder hervor, die Vanille taucht wieder ganz dezent auf und es fühlt sich merklich ‘cremiger’ im Mund an, so man bei Barbaresco dieses Wort überhaupt verwenden darf. Die Säure frisch und knackig, die Tannine mürber und das Mundgefühl voller. Dabei hat man aber immer noch einen absolut feingestrickten und dennoch rustikal wirkenden Wein im Mund. Auf der Zunge etwas mehr Gewicht, ein wenig breiter. Am Gaumen ist das Rieseln verschwunden, dafür hat ein feiner bitterer Film das Kommando übernommen. Damit es nicht zu bitter wird, dafür sorgt die rote Frucht die sich nach ein paar Stunden in den Vordergrund gerackert hat. Im Abgang fein, herb, fruchtig, dezent würzig. Übrig bleibt man mit dem unbändigen Verlangen nach dem nächsten Glas. Und der Wurst, dem Schinken, der Pasta. Oder einfach allem.

Resümee: Regionalwein pur, keine Kompromisse. Einfach regional und unverfälscht. Kein Wein für Freunde weichgespülter oder angepasster Weincharakteristik. Der Langhe Nebbiolo von der Cantina del Pino ist ein Barbaresco wie man ihn sich wünscht. Genug Frucht, genug Säure, genug Tannine, genug Bäuerlichkeit und vor allem, sich selbst genug. Kein Botox, keine Schminke. Authentizität pur. Ich geh’ jetzt kochen.

Tipp: Im Dekanter: 1 Stunde wenn Sie Krach mögen. 2-3 wenn es geschmeidiger sein soll. 4 und mehr wenn Sie einfach cruisen wollen. 15-17º Trinktemperatur sind ideal, kühler ist er fruchtiger. Zur Salami, Braten, Käse, Wurst, Pasta und allem was die Speisekammer sonst zu bieten hat. Solo nur für Abenteurer und für jene, die Nebbiolo einfach lieben.

Einen Bericht über den Langhe Nebbiolo lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Langhe Nebbiolo 2013 von der Cantina del Pino aus Barbaresco in der Region Langhe im Piemont, Italien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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