Lambrusco di Modena ‘Spumante’ 2010

| 20. Oktober 2014 | 0 Kommentare ...alles

Bedenklich leicht & locker.

So macht es einem Lambrusco – nach Abzug aller jugendlichen Erfahrungen damit – leicht, sich wieder dafür zu begeistern.

Winzer/Weingut: Cantina della Volta, Bomporto bei Modena, Italien.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergelböden rund um Bomporto nahe Modena.

Spumante della Volta Flasche/Etikett: Dickbauchig und schwer ist die Flasche auf der ein übergrosses Etikett klebt. Silberfarbig ist es und wird von einem goldenen Rahmen an den Seiten und oben, sowie einer violetten Bordüre unten eingerahmt. Lambrusco di Modena Spumante steht bogenförmig oben in Kapitalen und in noch grösseren, in violett, steht in der Mitte CANTINA DELLA VOLTA. Unterhalb der der Jahrgang 2010. Die Herstellungsart Metodo Classico wird durch ein goldenes Schild getrennt auf dem ein Schiff abgebildet ist. Dieses Schiff ist auch in hellem grau als Hintergrundbild am Etikett aufgedruckt. Am kleinen Rückenetikett alle wesentlichen Informationen sowie der Hinweis, dass im Februar 2014 degorgiert wurde. Ein Hinweis der nichts kostet und dem Kunden eine nicht unwesentliche Information zukommen lässt. Eingefasst ist die dicke Berta Flasche mit einer Halsmanschette mit violett-goldenem Aufdruck des Siegels – der Papst lässt grüssen – mit dem bereits erwähnten Schiff darauf. Jetzt aber kommt der gut gekühlte Sprudel in den Kelch zur Inspektion.

Im Glas:Sieht aus wie ein Rosé Saignee, also ausgeblutet, ist aber Rotwein mit Blubb. Hell wie ein Erdbeer-Kracherl steht der Lambrusco di Modena Spumante im Glas. Feinste Perlen prickeln an der Oberfläche vor sich hin.

In der Nase: Erdbeeren und Himbeeren geben sich in der Nase ein fröhliches wie fruchtiges Stelldichein, begleitet von einem Schuss Kalk und einer ganz feinen Hefenote. Die daher kommt, weil der Spumante drei Jahre auf selbiger dahin gedümpelt ist bevor er in die Flasche kam. Duftig-fruchtig ist der Spumante und macht Lust auf den ersten Schluck.

Im Mund: Mit ausgesprochen lebhafter Säure macht sich der Sprudel sofort über die Zunge und die Wangeninnenseiten her. Fein pulsiert er auf der Zunge, keck zieht er einem den Speichel aus den Backen und lässt diesen sich lustvoll mit den Perlen vermengen. Da ist Spass im Mund, es schmeckt nach Erdbeeren, nach roten Ribiseln, nach Himbeeren. Rhabarber? Ist auch dabei. Ein kleines Stück aus dem roten Fruchtkompott. Der Spumante tanzt im Mund, ist fruchtig, niemals süss. Am Gaumen leicht kalkig, fein und durchaus mit Textur versehen. Unerwartet lebendig ist sein Spiel im Mund, mit straffer Säure durchzogen, wirkt mager, ist es aber nicht. Idealgewicht würde man wohl dazu sagen. Eigentlich furztrocken, sorgt der Lambrusco di Modena trotzdem für reichlich Saft der auch noch richtig frisch ist. Lebhaft und lustig ist er und zaubert einem ein amüsiertes Grinsen ins Gesicht.

Wunderschön ist das Gefühl bzw. der Geschmack, wenn der Lambrusco di Modena den Gaumen hinunterzieht und dabei diesen feinen, aber doch präsenten Heferückstand ‘vergisst’. Kurz vorm Schlucken ist er da, da zeigt er sich und sorgt für ein warmes Gefühl. Um dann nur einen Nebel von in Kalk gehüllten Erdbeeren zu hinterlassen. Trocken wie Staub, fordert er zur nächsten Mundbefeuchtung auf. Schlank steht er auf der Zunge, übt null Druck aus, ist aber trotzdem alles andere als mager oder gar dünn. Die Mischung des Erdbeer-Ribisel-Rhabarber-Trios in Kombination mit der leicht kalkigen Untermalung lässt den Spumante extrem leichtfüssig erscheinen, verleiht ihm Flügel, ohne deshalb zum Bullen zu werden. Trinkt sich bedenklich leicht und locker weg. Und hinterlässt ein Mundgefühl von welchem man sich wünscht, dass es nicht enden möge.

Resümee: Würde man diesen Spumante in eine Blindverkostung stellen, ich bin sicher man würde ihn nicht als ‘banalen Lambrusco’ identifizeren. Zu ‘charaktervoll’ ist er, der Lambrusco di Modena, zu ‘erwachsen’ und viel zu lustig. So wie der Sprudel Zunge und Gaumen verwöhnt fällt es nicht schwer, sich – nach Abzug aller jugendlichen Erfahrungen mit der Rebsorte – wieder dafür zu begeistern. So macht Lambrusco Spass. Fruchtig, trocken, pulsierend, frisch, lebendig und mit dem ganz speziellen Touch Sentiment versehen, ist Lambrusco auf dem Weg zurück. Ich bin da ganz sicher. Und nehme noch ein Glas davon. Weil es einfach geil ist mit dem zu spielen was in der Jugend nichts als billiger Schrott war, heute aber, in gewissen Fällen, ernst zu nehmender und seriöser Blubb ist.

Tipp: Korken weg und ab ins Glas. 8-10º sind fein! Kaltes, mediterranes wie auch regionales Buffet begleitet er stilsicher. Als Solist ein ausgesprochen feiner Sprudel mit grossem Unterhaltungswert.

Einen Bericht über den Lambrusco di Modena lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Lambrusco di Modena ‘Spumante’ DOP von der Cantina della Volta aus Bomporto bei Modena, Italien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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