La Source 2009

| 28. Dezember 2013 | 0 Kommentare ...alles

Gefährliche Versuchung.

Ein Brummer der mit Vorsicht zu geniessen ist. Kommt frisch und kühl und schleicht sich still und leise von hinten an.

Winzer/Weingut: Philippe Gimel, Saint Jean Du Barroux, Vaucluse/Provence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von biologisch bewirtschafteten Weinbergen mit Lehmböden, die in der Nähe des Mont Ventoux liegen.

Saint Jean Du Barroux Flasche/Etikett: Ein relativ einfaches, durch seine Reduktion aufs Wesentliche sehr elegantes Etikett, klebt auf der Burgunderflasche. Auf weisser Fläche ist mit wenigen Strichen die Silhouette einer Landschaft bzw. eines Dorfes illustriert. Darunter in etwas verspielter und beschwingter Typo SAINT JEAN DU BARROUX. Unten drunter Philippe Gimel und das war´s dann schon am grossen weissen Stück Papier. Einfachheit ohne Schnörkel und sonstigen Ballast.

Am hinteren Etikett steht alles was dann wichtig ist und so erfährt man nicht nur die Zusammensetzung des La Source, sondern auch über die Lage, das Terroir und auch über die Lese, die Verarbeitung und die Lagerfähigkeit des Weines. Viel Information auf der Rückseite generell und was mir persönlich sofort ins Auge springt, sind die angeführten 15% die der La Source mit sich rumschleppt. Für eine Stunde wandert er bevor er angetrunken wird in die Karaffe um sich ein wenig entfalten zu können.

Im Glas: Leuchtendes Granatrot steht im Glas, es ist überraschend klar und überhaupt nicht blickdicht. Ein dünner bläulicher Rand schliesst den dunklen Kern ab.

In der Nase: Es riecht relativ würzig, sehr rotbeerig im Glas. Etwas wilde Erdbeere sowie ein Korb von Waldbeeren, ein Schuss Kaffee und eine überraschende Frische steigt die Nase hoch. Braune Gewürze dümpeln im La Source herum und eine Mineralik die von trockener Erde dominiert wird entfaltet sich im Glas. Es ist ein angenehmer Duft, der durch seine Vereinigung von Beerenfrucht, Kaffee und Erdigkeit ein harmonisches Ganzes ergibt.

Im Mund: In den Mund kommt der La Source zur allgemeinen Überraschung äusserst frisch und auf der Stelle spürt und schmeckt man seine Fruchtaromen. Die Beeren schmecken fast süss, werden aber sofort von den Kaffeearomen daran gehindert sich zu süss zu zeigen. Auf der Zunge steht so richtig Saft und man fühlt die Konzentration des Tropfens. Was überrascht ist, dass er nicht heiss und fett wirkt, sondern sich trotz seiner Dichte immer noch kühl im Mund anfühlt. Auch was den hohen Alkoholgehalt angeht überrascht La Source mit Gelassenheit. Am Gaumen zieht erdige Mineralik vorbei, feine Gerbstoffe heben den Finger und verleihen dem Wein eine feste, aber doch sehr feine Struktur. Erst ganz am Ende spürt man wie sich die Tannine erlauben ein ganz feines Pelzchen unter die Lippenränder zu legen.

Auch wenn man die 15% nicht unmittelbar spürt, ist Vorsicht angesagt. Sie kommen ganz elegant ‘von hinten’ angetrabt. Beim Verkosten selbst ist man vom Trinkfluss angetan, so leicht und locker fliesst der La Source dahin. Je länger der Wein an der Luft ist, umso mineralischer wird er im Mund. Die kecke Fruchtsüsse vermengt sich immer stärker mit den Kaffeearomen und die braunen Gewürze sowie die trockene Erde treten in den Vordergrund. Kurz stehen die süssen Beeren noch auf der Zunge, um sich augenblicklich in einem nun doch relativ resolutem Gerbstoffkleid aufzulösen. La Source wird kräftiger, er wächst förmlich im Mund und nun merkt man auch, dass er mit hoher Drehzahl unterwegs ist. Jetzt sind sie da, die Tannine, und sie machen richtig glücklich im Mund. Fein sind sie, und seidig. Jetzt hat man was zum ‘nacharbeiten’

Immer mehr wendet sich der La Source ins Erdige ab, geht förmlich in ihr auf und verändert sich auch in seiner farblichen Empfindung von anfänglichem Rot hin zu Blau. Die Lippen tragen ab sofort Pelz, der Gaumen wird braun gewürzt, was an roten Früchten da war hat sich verabschiedet und im Abgang schmeckt man fast nur mehr den Boden. Und dann kommt die Kraft. Im Nachhall ist alles trocken, erdig-würzig, braun, etwas staubig und ganz weit hinten streckt die dunkle Waldbeere noch einmal ihre Hand hoch.

Resümee: Der La Source gehört definitiv leicht gekühlt getrunken, wird er zu warm wird er zum Killer. Was aber auch eine gewisse Gefahr darstellt, weil man durch die leichte Kühle schnell seine PS übersieht und ihn unterschätzt. Auf jeden Fall ist der La Source ein Wein der richtig Spass macht, der Charakter und Persönlichkeit hat. Zur Feierpulle taugt er nicht, weil dann die Party rasch zu Ende wäre. Sollte Philippe Gimel den Tropfen aber auf 14, oder etwas weniger Prozente runter bekommen, dann wird der Stoff zum absoluten Renner. Um die 13 Euro kostet der Tropfen und die ist er auch wert.

Tipp: 16º sind ideal, 18º das Maximum. Zur rustikalen, regionalen Wurst- und Fleischküche eine Bank. Ebenso zu kraftvoller, gut gewürzter Hausmannskost ein echter Bringer. Als Solist ein toller Tropfen, jedoch mit Vorsicht zu geniessen.

Einen Bericht über den La Source lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein La Source 2009 vom Weingut Saint Jean Du Barroux in Vaucluse, Provence, Frankreich. Bezugsquelle: Bio Wein Online Ramsau/Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Bio Wein Online, Verkostet

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