La Côte 2014

| 27. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Zechwein, Saufwein, Rotwein für den Sommer!

Kein grosser Wein, aber ein grossartiger. Und kostet keine 10 Euro, was eigentlich ein Witz ist für das was man geboten kriegt.

Winzer/Weingut: Château de la Negly, Fleury d`Aude/La Clape, Languedoc, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von sehr steinigen, sand-, lehm- und kalkhaltigen Böden auf Hanglagen am Massif de La Clape.

La Negly Allgemeines: Im Juni 2013 hatte ich zum ersten Mal einen Wein von jenem Weingut im Glas, von dem Robert Parker einmal behauptet hat es sei das beste im Languedoc. Nun gut, das beste ist auch immer nur relativ, aber was ich damals vom Château de la Negly aus Fleury d`Aude, in einer der besten Appellationen des französischen Südens, La Clape, im Glas hatte, war schon sehr beeindruckend. Der La Brise Marine gehört seitdem zur permanenten Kellerbefüllung hier. Heute steht der La Côte rouge 2104 am Tisch der Wahrheit. Eine Cuvée aus Carignan, Syrah, Grenache und Mourvèdre. Südfrankreich pur. Der La Côte zählt zu den Brot- und Butterweinen des Weinguts, die Rebstöcke stehen auf sehr steinigen, sand-, lehm- und kalkhaltigen Böden auf Hanglagen am Massif de La Clape. Zu je 50% in Holzfässern und in Betontanks wurde der Wein ausgebaut. Bevor der La Côte aber ins Glas darf, wird er für eine halbe Stunde in die Karaffe umgefüllt um sich an die Stadtluft zu gewöhnen. Dann geht’s ihm an den Kragen. Oder so.

Im Glas: Obwohl recht dunkles Kirschrot im Glas steht, ist es auffallend transparent und klar.

In der Nase: Aus dem Glas hüpfen einem frische und saftige Beerenaromen in die Nase. Himbeeren, blaue Johannisbeeren, Waldbeeren, die ganze Palette. Es wäre aber nicht Südfrankreich, würden da nicht auch diese wunderbaren Lorbeer- und Wacholderaromen mit von der Partie sein. Schwarze Olive kugelt durch die Szene, etwas Pfeffer, ein Zweig Thymian und Oregano würzen den Duft. Wunderbar leicht und fruchtig-würzig fühlt sich der La Côte in der Nase an. Die Vorfreude auf den ersten Schluck ist entsprechend gross.

Im Mund: Herrlich! Belebend, frisch und mit einer traumhaft präsenten Säure ausgestattet, fliesst der La Côte auf die Zunge. Er ist kühl, er ist würzig, er ist saftig und fruchtig. Ganz hinten schmeckt man Olive, Veilchen und den Rest einer zerdrückten Johannisbeere. Keine Schwere im Mund, der Tropfen fliegt wie ein Leichtgewicht die Kehle runter. Es ist unglaublich wie frisch dieser Wein ist. Wie kühl und elegant er auf der Zunge steht. Da ist keine Spur vom heissen Süden, nichts, nicht einmal eine Idee davon. Am Gaumen rassig, kühlend, extrem fein und klar. Geschmacklich immer zwischen reifen roten Waldbeeren und schwarzen Oliven im Thymianmantel. Gewürz und Frucht zu einer betörenden Kombination vereint. Der Trinkfluss gigantisch, gefährlich, aussergewöhnlich. Das ist echter Zechwein der sich hier im Mund herum treibt.

Trotz aller Frucht (die keinesfalls süss ist), steht eine beeindruckend feine Mineralität im Mund. Man schmeckt steinig-kalkige Aromatik, man fühlt sie, weil sie sich in einem wunderbar weichen Gerbstoffkleid über den Gaumen legt. Kein Pelz, gerademal soviel, dass man diesen feinen Grip von Kaschmir spürt. Die Würze sorgt für Charakter, die Fruchtaromen sind quasi die Zugabe. Und die Säure hält das Zepter in der Hand und verdonnert alle Protagonisten zum fröhlich frischen Tanz im Mund. Der La Côte ist, wenn man ihn genau betrachtet, ein ultraschlanker Wein mit grazilem Körper, eleganter Geschmeidigkeit und keinem Gramm Fett auf den Hüften. Es ist eigentlich unglaublich, dass sowas aus dem tiefsten Süden Frankreichs kommt. Soviel Rasse, soviel Frische, soviel Kühle. Und soviel agile wie beschwingte Lebendigkeit. Ich lecke mir die Zunge ab und kann nicht genug davon bekommen wie der Tropfen sich via Gaumen in den Schlund aufmacht. Wo er einen dezent sauerfruchtigen (Cassis) Abgang hinlegt und sich in einem edelwürzigen Nachhall auflöst. Ich liebe diesen Wein!

Bekommt der La Côte dann auch noch Luft, dann wird er richtig gemeingefährlich. Dann zischt er wie Wasser die Kehle runter, macht die Zunge mit seiner olivwürzigen und von wilden Waldbeeren befeuerten Charakteristik irre, streichelt den Gaumen sanft mit etwas Oregano und Thymian und zieht eine Spur von kalkig-sandiger Rotfruchtigkeit hinter sich her. Das ist allerfeinstes Südfrankreich-Kino. Das ist Zechwein, Saufwein, Rotwein für den Sommer! Dieser Tropfen, leicht gekühlt getrunken, ist dann einfach der Überflieger. Und das Irrste an diesem Wein ist sein Preis. Der kostet unter 10 Euro, was eigentllich ein Witz ist für das was man geboten kriegt.

Resümee: Kein grosser Wein, aber ein grossartiger. Krallen Sie sich eine Pfanne, werfen sie Gemüse rein, oder einen Braten. Oder werfen Sie den Grill an. Und stellen Sie den La Côte am besten im Sixpack zur Verfügung. Der geht garantiert weg wie die berühmte warme Semmel. Ich bestell mir jetzt ‘ne Kiste von dem Zeug.

Tipp: Halbe Stunde in die Karaffe damit. Um die frischen 16º sind ideal. BBQ, fette Steaks und sonstige Fleischträume begleitet er als wäre er speziell dazu gemacht. Oder frisches Ratatouille. Oder solo. Da macht er auch ganz grossen Spass. Ein wahrer Überflieger.

Einen Bericht über den La Côte lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein La Côte rouge 2014 vom Château de la Negly in La Clape, Languedoc, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

Tags: , , , , , , , ,

Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

Ihr Kommentar