Kirchholz 2012 Alte Reben

| 1. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Kühl, frisch & lebendig.

Schafft es perfekt die Verbindung zwischen eleganter Finesse und extraktreicher Dichte herzustellen. Voll im Saft und süffig wie kein anderer.

Winzer/Weingut: Weninger, Horitschon, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen Lehm- und Tonböden der Lage Kirchholz mit über 40 Jahre alten Rebstöcken.

Kirchholz Flasche/Etikett: Auf dem grossen weissen Etikett sind die bereits bekannten neun Kreise, acht davon in schwarz und einer in knallrot aufgedruckt. Was so nicht stimmt, weil eben die acht schwarzen nicht gedruckt, sondern ausgestanzt sind. Tarnen und täuschen heisst das Motto. Ob der rote strahlende Kreis die Sonne darstellt wird noch herauszufinden sein. Unterhalb, von einem feinen Strich getrennt, steht Kirchholz drauf und da darunter wieder Alte Reben Blaufränkisch 2012. Und damit ist das elegante Stück Weinbeklebung auch schon wieder fertig. Am rechten äusseren Rand des in einem Stück hergestellten Etiketts noch alles was von Gesetzes wegen drauf sein muss, am linken Rand ebenso, sowie der Hinweis, dass es sich um einen Wein der Kategorie Mittelburgenland DAC handelt. Ein kleiner Kleber auf der Rückseite zeigt das EU Bio-Siegel und das Logo der Winzergemeinschaft respekt, dessen Mitglied Franz Weninger ist. Damit sich der junge Hüpfer ein wenig austoben kann kommt er für eine Stunde in die Karaffe und darf dort in aller Ruhe seine Runden drehen.

Im Glas: In dunklem kirschrot steht der Kirchholz Alte Reben im Glas.

In der Nase: Kräftige Würze strömt die Nase hoch, unendlich viel Erde begleitet sie. Dunkle Beerenaromen ziehen die Nasenflügel hoch, dicht, saftig und extrem rauchig. Dunkelviolette Veilchen mischen mit, schwarzer grob zerstossener Pfeffer tanzt durch die Szenerie und insgesamt wirkt der Duft extrem blau in der farblichen Wahrnehmung. Tabakblätter und auch Laub vermengen sich mit der braunen Erde, man riecht förmlich die feuchte ‘Knorrigkeit’ der alten Rebstöcke. Kernig und kräftig schiebt der Kirchholz sein würzigens Bukett vor sich her.

Im Mund: Verwunderung dann im Mund. Man hätte ‘Wilderes’ erwartet und ist erstaunt mit welcher kühlen Gelassenheit der Kirchholz plötzlich mittig über die Zunge fliesst. Tannine unerwartet fein und harmonisch eingebunden – ich hätte eher eine ungestüme Gerbstoffattacke erwartet. Saftig, tolle Säure, extrem viel Extrakt. Sogar fruchtig schmeckt es wenn man den Kirchholz eine Weile auf der Zunge stehen lässt. Dunkle Brombeeren, schwarze Kirschen und auch Himbeeren sind dabei. Als Begleitschutz fungiert braune Erde die dem Saft so richtig Struktur verleiht. Rauchig ist der Tropfen, ja, aber nicht so sehr wie in der Nase. Vielmehr zieht eine feine Schwade mit einem kleinen feinen Schokorippchen durch den Mund und sorgt für ausgelassenen Jubel. Am Gaumen einfach wunderbar geschmeidig, fast schon sanft und doch so ungemein selbstbewusst. Und das ist erst der Anfang dieses Weines!

Erst nach und nach fällt einem bewusst auf wie schlank der Kirchholz eigentlich ist. Trotz seiner enormen Dichte. Der Rauch ist frisch, am Gaumen fühlt man fast schon etwas Minziges. Die Säure ist knackig und doch drängt sie sich nicht in den Vordergrund. Frucht ist reichlich vorhanden und wird von der erdigen Würze mit beeindruckender Leichtigkeit ‘am Boden’ gehalten. Laub zieht über den Gaumen, Erde, feuchtes Gestrüpp und wieder Tabak. Hellbraun und gleichzeitig blau, dank knackiger Johannisbeeren. Ist da eine kleine braune Nelke mit im Spiel? Ja! Auf der Zunge macht sich Gier breit. Gier nach mehr auf einmal, nach einem richtig grossen Maul voll Wein. Man spürt wie kühl und elegant er auf ihr steht, man spürt wie saftig und auch mineralisch er an ihren Rändern abfliesst und man schmeckt dem Kirchholz ewig hinterher. Trotz seiner Jugend macht er bereits jetzt riesengrossen Spass. Man hat auf der Stelle eine Ahnung wo diese Reise hingeht und möchte jetzt schon erleben wie der Tropfen 2018 oder 2020 schmeckt oder sich anfühlt.

Nach drei Stunden in der Karaffe steht der Kirchholz wie eine Eins im Mund. Saftig, voll frischer lebendiger Säure und mit herrlich harmonischen Gerbstoffen tanzt er auf der Zunge, am Gaumen kühler, erdiger Rauch. Die Balance zwischen Beeren- und Laubaromen ist phantastisch, von nichts zuviel, von nichts zuwenig. Am Ende spürt man so etwas wie Süsse, was aber nichts anderes als saftiges Extrakt ist. Dicht ist das Mundgefühl und trotzdem ist da kein Gewicht. Die kühle Frische lässt den Kirchholz extrem schlank erscheinen. Und immer wieder taucht die kleine braune Nelke auf und sorgt für süsslich-würzige Beträufelung. Im ersten Moment würde man den Kirchholz ohne nachzudenken als fruchtig bezeichnen. Und doch lebt er auch von seiner braunen Erdigkeit die er versprüht. Was dieser Wein perfekt schafft, ist die Verbindung zwischen eleganter Finesse und extraktreicher Dichte.

Resümee: Wo andere nur mehr Marmelade produzieren steht hier frischer, lebendiger Saft im Mund, wo andere Hitze nicht mehr vermeiden können, weht hier ein frischer kühler Wind. Blaufränkisch-Freunde sollten sich von diesem Tropfen zumindest eine Kiste in den Keller legen. Und eine peu à peu ganz einfach zwecks persönlicher Bespassung immer griffbereit im Weinschrank liegen haben. Um die 18 Euro kostet dieser Saft. In ein paar Jahren gibt es dafür bestenfalls 0,375 Liter davon.

Tipp: Ein bis zwei Stunden in der Karaffe sind perfekt. Mit 16-18º trinken. Perfekt zu Wild, Lamm und Rind. Hauptsache kräftig und auch deftig. Als Solist ein sinnlicher Verführer mit hohem Suchtpotential.

Einen Bericht über den Kirchholz Alte Reben lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch Kirchholz Alte Reben 2012 vom Weingut Weninger in Horitschon, Burgenland, Österreich.

Tags: , , , , ,

Kategorie: Verkostet, Weninger

Ihr Kommentar