Kepos 2008 Ampeleia

| 30. Januar 2014 | 0 Kommentare ...alles

Terra Mediterranea in Reinkultur.

Wein zum Träumen, zum Trinken, zum Niederknien. Als wäre Italien und Frankreich zusammengewachsen und ein neues Land entstanden.

Winzer/Weingut: Elisabetta Foradori, Ampeleia, Maremma, Italien.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergelböden auf drei unterschiedlichen Höhenlagen (Ampeleia di Sopra, Ampeleia di Mezzo und Ampeleia di Sotto).

Ampeleia Kepos 2008 Flasche/Etikett: Fast so hoch wie die Flasche ist auch das sandfarbige Etikett das auf dieser klebt. Es strahlt aufgrund seiner Farbgestaltung Wärme aus, zeigt oben das Siegel bzw. Logo von Ampeleia, welches äusserst schwer zu interpretieren ist. Ein in einem roten Kreis im Stile eines Dreizacks gestaltetets Symbol. Kann die drei Höhenlagen darstellen auf denen sich die Weingärten von Ampeleia befinden oder auch ein Hinweis auf das Team Elisabetta, Thomas und Giovanni sein. Oder es symbolisiert die fünf Rebsorten denen man sich bei Ampeleia widmet (was die beiden Abgabelungen erklären würde). Geheimnisvoll und äusserst interessantes Siegel. Unterhalb in feiner Typo Ampeleia und in gelb darunter KEPOS in Kapitalen. Abgeschlossen wird das Etikett von einem gelben Balken und dem Jahrgang unter diesem. Mehr gibt es vorne nicht zu sehen. Ein sehr schönes, ruhiges und auch modernes Etikett. Am etwas kleineren Rückenlabel die notwendigsten Informationen auch in weinrot und KEPOS noch einmal gelb in Grossbuchstaben. Zur Belüftung kommt der Kepos für eine Stunde in den Dekanter bevor er in die Gläser kommt.

Im Glas: Sattes Granatrot steht im Glas. Helle Ränder runden das funkelnde und sehr klare Gesamtbild ab.

In der Nase: Was die Nasenflügel hochströmt ist ungewohnt, und auch wieder nicht. Es riecht nach Cassis, nach Veilchen, unitalienisch. Helles Laub, etwas trockenes Geäst und eine feine Würzigkeit steigt in die Nase. Im ersten Gedanken würde man eher auf etwas französischen im Glas tippen. Leichte grüne Aromen tummeln sich im Glas, eine angenehme Frische lässt den Kepos kühl, fast kristallin und äusserst fein in der Frucht wirken. Schwarze Johannisbeeren und Veilchen, etwas Blattwerk und eine Handvoll Oliven verleihen dem Wein eine relativ fruchtige, fast süssliche Spritzigkeit mit einem Kick von Himbeere in der Nase. Es ist ein ebenso ungewohnter wie ungewöhnlicher Duft, welcher absolutes Suchtpotential hat.

Im Mund: Was für ein Kick! Klar, schlank, süffig, fruchtig, mineralisch und kühl trifft der Kepos auf die Zunge und versetzt ihr sofort einen saftigen Stich mit Sauerkirsche und Oliven. Eine grossartige Säurespur bahnt sich ihren Weg, löst augenblicklich Speichelfluss auf der Zungenspitze aus und die Mineralik die der Kepos in sich trägt, bildet in Kombination mit der säuerlichen Frucht ein harmonisches Ganzes. Gerbstoffe so fein wie teuerster Kaschmir ahnt man mehr als man sie fühlt, so weich, so fein, so edel sind sie. Es schmeckt rot, ein wenig grün und am Ende auch noch braun. Es ist ein frisches, äusserst kühles Mundgefühl, der Wein fliesst wie ein Strich über die Mitte der Zunge und am Gaumen hinterlässt er bestenfalls einen leichte Nebelschwade, die sich in feinster Erdigkeit und ebensolcher Frucht bemerkbar macht.

Es ist schwer nach dem ersten Glas dieses Weines nicht sofort in Lobeshymnen auszubrechen. Der Kepos fährt mit 14 vol.% durch die Gegend und man spürt nicht ein einziges Prozent davon. Er fühlt sich extrem leicht im Mund an, keine Schwere, keine überzogene Dichte und auch kein Körper der einen gegen die Wand presst. Es fühlt sich wie ein Federgewicht an, hat aber trotzdem Statur und Charakter, ist dank seiner feinen Fruchtsüsse und der ebenso animierenden Säure so agil und lebhaft, dass man ihn einfach wegmachen will. Der Wein ist klar wie ein Kristall, rundgeschliffen und hat weder Ecken noch Kanten. Das ist hochpoliertes Weinerlebnis, sozusagen. Und Süffigkeit und Trinkspass auf höchster Stufe. Der Kepos hat genau jene Würze um zu begeistern, ist am Gaumen der totale Gentleman, schwebt in seiner Aromatik förmlich an den Geschmacksnerven vorbei, ist elegant, nein, nobel. Nobel ist das Wort für diesen Wein. Wie ein plangeschliffener Bergkristall.

Interessant ist die Veränderung des Duftes mit der Zeit. Die komplette Aromatik wird rauchiger, ohne dabei auch nur den Hauch eines bestimmten Aromas zu verlieren. Im Mund artet der Kepos zum totalen Suchtstoff aus. Es ist, als würde Italien und Frankreich zusammenwachsen und ein neues Land entstehen lassen. Der französische Charme steht für die distinguierte Würze im Mund, die italienische Eleganz und Leidenschaft für die lebendige Frische und Agilität, die sowohl auf der Zunge wie am Gaumen herrschen. Im Abgang vereinen sich beide perfekt miteinander und hinterlassen einen Nachgeschmack, der zwar lang ist, aber trotzdem um Jahre zu früh endet.

Resümee: Das ist Wein zum Träumen, zum Trinken, zum Niederknien. Würde er nicht 25 Euro kosten, dann wäre das der Wein, den ich täglich trinken wollte. Das ist Terra Mediterranea in Reinkultur. Genialer Stoff. Und dieses Wort von mir, wo ich solche Attribute generell verweigere. Ich liebe diesen Wein und darum endet alles hier. Den Rest will ich für mich allein geniessen.

Tipp: 30 Minuten in der Karaffe reichen. Zu italienischer Küche oder einfach Flasche auf und sich alleine mit ihm vergnügen. Der Wein ist Suchstsoff pur.

Einen Bericht über den Kepos lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Ampeleia Kepos 2008 von Elisabetta Foradoris Projekt Ampeleia in Roccatederighi in der Maremma (Toskana), Italien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

Tags: , , , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

Ihr Kommentar