Kalterersee ‘Keil’ Schiava DOC 2011

| 31. August 2012 | 0 Kommentare ...alles

Südtiroler Weinoriginal.

Zechwein der einfach grossen Spass macht. Südtiroler Weinoriginal mit Anspruch und Adelsprädikat.

Winzer/Weingut: Manincor, Südtirol, Italien.

Lage/Herkunft: Von den wärmsten Lagen Südtirols, von Tatzenschrot und Keil, auf denen Manincors alte Rebstöcke im Pergolasystem wachsen.

Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche das gewohnte Bild. Ein klassisches und edles Etikett, sandfarben und, der Hand-Linie entsprechend, mit geschwungener Schreibschrift den Namen des Weins präsentierend. Die Krone wie gehabt oben, Manincor in Kapitalen unten.

Und dann ein echter ‘Ausreisser’ im konsequenten Corporate Design. Ganz fein und in hellen Linien ist über das gesamte Etikett ist ein Lagenplan aufgebracht. Am Rand des Etiketts wie üblich alles was man sonst noch wissen muss und soll, nur eines fehlt: eine Dekantierempfehlung. Diese ist nicht nötig für den Trollinger, pardon, Vernatsch und deshalb wird der Tropfen einfach aufgemacht und in die Gläser eingeschenkt. Perfekt temperiert ist er schon (12-14º) und somit kann die fröhliche ‘Erforschung’ von Südtiroler Weinoriginalen weitergehen.

Im Glas: Typisch Vernatsch zeigt sich auch die Farbe die im Glas steht. In hellem rubinrot leuchtet der Kalterersee Keil aus dem Glas und lässt einem schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hell, klar und transparent ist der Wein und man freut sich wieder einmal ganz tief ‘in den Wein’ hineinblicken zu können.

In der Nase: In der Nase duftet es nach saftigen Kirschen und nach Mandeln, typischer geht fast nicht. Ausser dass es hier nicht extrem und hart riecht, sondern das Bukett warm, rund, sanft und weich ist, wofür der fünfmonatige Ausbau im Holzfass auf der Feinhefe verantwortlich zeichnet. Ein Duft der Freude in der Nase macht und unkomplizierten Trinkspass ankündigt.

Im Mund: Der erste Schluck macht eines sofort klar: Von diesem Tropfen darf man sich ruhig ein, zwei Gläser mehr genehmigen. Muss man fast so frisch wie der Keil über die Zunge zischt. Edelbitter fällt mir dazu ein, trocken wie die Sahara und sogar irgendwie würzig. Das ist kein Rotwein den man aufmacht um zu philosophieren, dass ist Trinkwein für unbeschwerten Weingenuss. Da ist nichts breites im Mund, vielmehr zischt der Keil nur so über die Zunge hinweg um sich augenblicklich den Gaumen ‘vorzunehmen’. Auf diesem setzt er sich mit einer feinen Herbheit fest, lagert geröstete Mandelnoten auf ihm ab und verabschiedet sich in einem trockenen, würzigen und von einer eleganten Sprödigkeit begleiteten Abgang. Im Mund fühlt er sich, auch ob der kühleren Trinktemperatur, entsprechend herb-erfrischend an und erweckt nicht den Eindruck, dass man sich in Zurückhaltung üben müsste oder sollte.

Der Kalterersee ‘Keil’ hat eindeutig Temperament, schert sich nicht um das was man gemeinhin von Vernatsch hält und zieht sein ganz persönliches Ding ab. Er gibt nichts vor was er nicht ist und/oder jemals sein wird, er ist ‘grad heraus’ und kümmert sich nur um eines; seinem Trinker Spass zu bereiten und Freude zu machen, was er auch tut. Eine Wohltat wenn es darum geht mal wieder einfach Wein zu trinken anstatt sich in tiefgehenden Überlegungen zu verlieren. Frisch auf der Zunge, edel, fein-herb, elegant spröde am Gaumen und im Abgang würzig und trocken verdunstend. Das ist in Summe der Kalterersee ‘Keil’.

Resümee: Mit seinen 12,5% ist er ein herrlich erfrischendes Leichtgewicht und seine attraktive Säure macht ihn nur noch liebenswerter. Der ‘Keil’ ist ein typischer Zechwein, daraus macht er keinen Hehl. Was er aber auslöst, wenn er solo getrunken wird, ist ein unbändiger ‘Essreflex’. Und deshalb gibt es jetzt eine urig-rustikale Brettljause dazu. Zwar ohne Südtiroler Schinkenspeck (der ist leider aus), dafür aber einen echten ‘unverfälschten’ Kärtner Verwandten. Dazu ein wenig Käse, Tomaten, Bauernbrot und was sonst noch auf das ‘Brett’ gehört. Manincors Kalterersee ‘Keil’ ist dafür die perfekteste Begleitung die man sich zu sowas wünschen kann. Um schlappe 10 Euro ist der ‘Keil’ ein Wein zum Geniessen UND zum Trinken. Martin Kössler meinte in einer seiner unterhaltsamen Weinbeschreibungen “…duftiger und heller als ‚seriöser’ Rotwein, was ideologisch trinkende Weinkenner zur Aussage veranlaßt, Vernatsch sei kein Rotwein, sondern ein Zustand.” Wenn dem so ist, dann ist Manincors Kalterersee ‘Keil’ ein Zustand den ich mag und an den ich mich gerne gewöhnen will.

Tipp: Aufmachen und einschenken. 12-14º, nicht mehr! Zu Brettljause (Brotzeit), Pasta, Braten und allem was herzhaft, deftig, urig und auch rustikal ist. Unbeschwert geniessen und bei Bedarf einfach eine zweite Flasche öffnen. Und sonst: Don´t think, just drink.

Einen Bericht über den Kalterersee ‘Keil’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Kalterersee ‘Keil’ Schiava 2011 von Manincor aus Kaltern in Südtirol, Italien.

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Kategorie: Manincor, Verkostet

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