Kalk & Schiefer 2010 Blaufränkisch

| 2. April 2013 | 0 Kommentare ...alles

Da steppt der Bär im Mund.

Rassig, schlank, saftig, mineralisch, erdig, würzig und viel mehr. Blaufränkisch für echte Avantgardisten und Freunde authentischer Weine.

Winzer/Weingut: Anita & Hans Nittnaus, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Kalk und Schiefer geprägten Weingärten in und um Jois an den Hängen des Leithagebirges.

Blaufränkisch 2010 Flasche/Etikett: Auf der dunklen Burgunderflasche präsentiert sich ein zweigeteiltes graues Etikett. Auf dem oberen Teil der bekannte Neusiedlersee mit Schilf im Vordergrund und die sanften Hügeln des Leithagebirges im Hintergrund. Darüber Anita NITTNAUS Hans in schwarz gedruckt. Das untere Etikett zeigt was in der Flasche drin ist und ist ebenfalls in schlichtem grau mit schwarzer und weisser Typo gestaltet. Ein sehr ansprechendes, auch elegantes Design, das frei von Farbe schon in gewisser Weise auf die puristische Stilistik des Weines hinweist.

Am ebenfalls in grau gehaltenen Rückenetikett findet der Interessierte alle Informationen die sich auf den Wein und dessen Herkunft beziehen. Eine Kurzbeschreibung als ‘Einleitung’ und dann alle relevaten Daten im unteren Teil des Etiketts. Damit sich der Wein in Höchstform präsentieren kann, wird er zuerst für eine Stunde in die Karaffe umgefüllt bevor er in die Gläser kommt.

Im Glas: In sattem, intensivem Rubinrot funkelt der Kalk & Schiefer aus dem Glas und was sofort ins Auge springt, ist eine wunderbare Transparenz. Man blickt bis auf den Boden durch und kann bereits erahnen welch frisches Trinkerlebnis sich hier anbahnt.

In der Nase: Was in die Nase strömt würde man aufs Erste gar nicht einem Blaufränkisch zuordnen. Es riecht nach Lorbeerblättern, nach Erde, nach Graphit und sonstigem Geröll. Nichts da von irgendwelcher Frucht, dagegen viel Pfeffer im Gepäck und eine Kühle die fast erschreckt. Da wird in zwei, drei Stunden nochmal nachgerochen um dem Geheimnis dieses Duftes auf die Spur zu kommen. Edel, würzig, kraftvoll und doch vornehm riecht es im Glas und es ist eine Freude die Nase darin zu versenken. Das ist Blaufränkischduft von einer neuen, bisher völlig unbekannten Seite.

Im Mund: Und plötzlich ist da doch noch Frucht im Spiel. Mitten auf der Zunge steht sie und lässt diese jauchzen. ‘Kaut’ man sie ein wenig durch merkt man eine freche, salzig-saure Note an der Zungespitze welche diese neckt und mächtig Spass macht. Im Mund selbst ist der Kalk & Schiefer äusserst schlank und das obwohl er richtig saftig und kraftvoll ist. Trotzdem wirkt er enorm kühl, hat Rasse und treibt übermütig sein Spiel auf der Zunge. Fast vergisst man, dass der Tropfen auch am Gaumen seine Spuren hinterlässt weil man derartig mit diesem beeindruckenden Tanz auf der Zunge beschäftigt ist. Ein leiser Hauch von Würzigkeit zieht über diesen drüber, gibt dabei Aromanen von Kalk frei und sorgt für einen langen und wohlig warmen wie auch pfeffrig-fruchtigen Abgang. Zurück bleibt eine Zunge die sich noch immer vor Entzücken überschlägt und unaufhörlich weiter dieser säuerlich-salzigen Note hinterher hechelt. Da steppt der Bär im Mund und macht auf grosse Sause. Eines steht bereits fest; dieser Blaufränkich muss unbedingt ins persönliche ‘Portfolio’ aufgenommen werden, und zwar reichlich.

Im Duft nimmt der Kalk & Schiefer im Viertelstundentakt zu. Immer mehr kommen jetzt auch Brombeeraromen durch, auch ein wenig Kirsche ist dabei. Immer erdiger und würziger wird er, ohne dabei aber intensiv zu werden. Schnüffelbukett! Auf der Zunge wird er immer saftiger, aber auch pfeffriger. Die Salznote ist zu Gunsten einer feinen Sauerkirschfrucht zurück gewichen. Man spürt jetzt immer mehr den Saft, der in einer Hülle aus Gestein und Erde sich aus dieser herauspresst und einem ein wunderbar fruchtiges, aber auch mineralisches Mundgefühl zu bescheren. Niemals geht der Kalk & Schiefer in die Breite, obwohl er den Mund schön füllt. Ständig geht er genau über die Zungenmitte und breitet sich auch nur auf der Zunge üppig saftig wie auch herrlich säurebetont aus. Um sich danach ohne Umweg über den Gaumen dahin zu machen und diesem einen eleganten Kalkanstrich zu verpassen. Der Kalk & Schiefer begeistert, macht Spass im Mund und man will nicht aufhören ihn zu ‘spüren’. Da der Wein mit der Zeit auch an Temperatur zunimmt, kommen jetzt auch verstärkt die warmen Schiefernoten und auch ein wenig mehr von feinem Holz durch. Obwohl mit 12,% äusserst ‘leichtgestrickt’ unterwegs, geizt der Kalk & Schiefer nicht mit Saft und Kraft und entsprechender Fülle, läuft aber nie Gefahr deshalb plump zu werden. Ganz im Gegenteil, es wirkt alles superfein und elegant, kühl und frisch und ausnehmend lang im Mund.

Resümee: Generell bemerkt man, dass man es mit diesem Wein mit einer ganz eigenen, schlanken, aber auch rassig belebenden Art von Blaufränkisch zu tun hat. Der Kalk & Schiefer schwebt weit über all den fetten, marmeladig-matschigen, vor Alkohol strotzenden Blaufränkisch die nach wie vor eine ‘Macht’ in Österreich sind. Hans Nittnaus´ Kalk & Schiefer entschädigt einen jedoch auf wunderbarste Weise und zeigt einem eindrücklich wie fein und elegant sich diese Rebsorte ‘gestalten und formen’ lässt. Ein Glücksfall für alle Blaufränkisch-Freunde die auf der Suche nach authentischen und allürenfreien Weinen dieser Gattung sind. Mit knappen 13 Euro und einem Lagerpotential von mehr als 10 Jahren ist der Kalk & Schiefer ein echter Hauptgewinn.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe tut ihm gut, nach zwei wird er richtig saftig. Um die 18º zu totem Rind sowie erlegtem Wild geniessen. Oder einfach als fröhlichen, unkomplizierten und erfrischend lebhaften Solisten zelebrieren.

Einen Bericht über den Kalk & Schiefer lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch Kalk & Schiefer 2010 von Anita & Hans Nittnaus aus Gols im Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Nittnaus Anita & Hans, Verkostet

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