Kalahari 2007

| 14. Oktober 2013 | 0 Kommentare ...alles

Umwerfend, outstanding, esoterisch.

Betörend honiglich und leicht morbid in der Nase, furztrocken und wahrlich wie ein Wüstenwind im Mund. Weltklassewein für Kenner wie für Könner.

Winzer/Weingut: Château Barbanau, La Bedoule/Provence, Frankreich .

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen Lehmböden aus dem winzigen Weinbaugebiet Cassis im Süden Frankreichs.

Kalahari 2007 Flasche/Etikett: Das Erste was einem zum Erscheinungsbild der braunen Bordeauxflasche einfällt ist Afrika. Und das ist auch gewollt, stellt es nämlich den Bezug einerseits zum Namen des Weines, Kalahari her und weist andererseits auf die gleichnamige Wüste in Botswana hin. Das letzte intakte Ökosystem in Afrika und somit auch Bindeglied zum biologisch zertifizierten Weingut. Cuvée Kalahari steht in grossen Lettern in der dunkelbraunen ovalen Umrandung des im Ethnostil gehaltenen Etiketts. Brauntöne dominieren auf dem hohen Label. In der Mitte eben jene ovale Form in dessen Mitte gross CASSIS und Clos Val Bruyère steht. Unterhalb ein Zebra als Symbol für die ‘Bewohner’ gleichnamiger Wüste. Ein schönes, Wärme ausstrahlendes Stück Weinbeklebung. Am Rückenetikett dann nur das Wesentlichste, in gross wieder die Herkunft sowie der Name und gleich einem Motto, drei inhaltsschwangere Sätze wie Respekt vor der Natur, Ausdruck des Terroirs und Leidenschaft des Winzers. Auf französisch selbstverständlich. Und weil es sich um einen ganz besonderen Wein handelt, werden die Gläser aufpoliert und der ‘Wüstentropfen’ darf sich in vollem Glanz in der Karaffe präsentiern.

Im Glas: In kräftigem strohgelb dreht der Kalahari seine Runden im Glas. Leichte grünliche Reflexe blitzen auf.

In der Nase: Der Duft, schon beim ersten Eintauchen der Nase betörend. Für mich persönlich wieder so ein Duft zum Reinsetzen. Saftig, aromatisch und mit einem dicken Film Honig über den Aromen zeigt sich ein Bukett, das gleichsam frisch wie morbid riecht. So wie alles die Nasenflügel hochzieht kündigt sich ein saftiges wie auch üppiges Trinkvergnügen an. Es fühlt sich cremig in der Nase an und man stellt fest wie man im Mund zu ‘wässern’ beginnt. Es ist, wie mir nach einigen Marsanne-Cuvées auffällt, wieder genau jene Rebsorte, die für diese ‘honigliche’ Note in der Nase sorgt. Weisse Blütendüfte schweben frei herum, irgendwie riecht es auch leicht getoastet, nicht vom Holz, sondern eher wie Toastscheiben. Mit einem süssen, aromatischen und saftigen Schuss Honig drin. Ich bin begeistert von diesem Duft.

Im Mund: So saftig, so opulent und füllig sich der Kalahari in der Nase angefühlt hat, so knochentrocken steht er dann im Mund. Mehr trocken geht nicht. Die namensvetterliche Wüste würde vor dieser hier respektvoll einen Kniefall machen. Er hat Saft, der Kalahari, keine Frage. Er hat Konsistenz und ebenso Fülle. Am Gaumen aber fühlt man eine Trockenheit die sehr nah am Absoluten kratzt. So gut wie keine Säure spürt man, es schmeckt würzig, sogar leicht pikant und auf der Zunge schmeckt man wieder weisse Blütenaromen und eine unglaublich mineralische, leicht lehmige Note. Der Kalahari ist im Mund das vollkommene Gegenteil von dem was er in der Nase ist, was aber ebensolchen Spass, wenn nicht sogar noch mehr macht. Und wieder ist es diese Honignote die am Ende auftaucht wenn man den Wein lang genug ‘zerkaut’ hat und sich dann mit einer ungewöhnlichen, leicht morbiden Note über den Gaumen hinweg verflüchtigt.

Nimmt der Kalahari Luft auf merkt man wie er immer würziger wird. Es scheint als würde er sogar noch weiter ‘auftrocknen’ als bisher. Trotzdem steht er auf der Zunge frisch, voll im Saft und durchaus mit Leben versehen. Irgendwie verwirrt dieser Geschmack, er ist so weit abseits dessen was man kennt und auch gewohnt ist. Man ist gefordert wenn auf der Zunge plötzlich kräftige Aromatik einsetzt und diese mit einem feinst herben Abzug am Gaumen in einer Mineralität aufgeht die so trocken ist, dass es einem vorkommt als würde es stauben im Mund. Genau darin liegt aber das Geheimnis dieses Tropfens. Komplexe Aromatik, so gut wie keine Säure, knochentrocken und am Ende findet man sich in einem Meer aus getrocknetem, sich bereits zersetzendem Laub und Lehm wieder.

Kalahari & Ziegenkäse Völlig ‘abgefahren’ wird das Ganze aber erst, wenn der Kalahari zum frischen Ziegenkäse mit einem Tupfen artisanaler Feigenmarmelade aus der Provence und den mit Meersalzflocken und Pfeffer bestreuten, sowie mit feinstem Olivenöl benetzten Feigen, seinen Mann stehen soll. Dann wird die Sache richtig esoterisch. Einfach grandios, zum Niederknien. Dann springt der Kalahari umweglos in seinen letzten erreichbaren Level und erinnert auf der Stelle daran – zumindest mich persönlich – warum die furztrockenen, aromatischen, teils morbiden und definitiv ‘andersartigen’ Weissweine der Provence so aussergewöhnlich sind und es mir so angetan haben.

Resümee: Meine nächste Beschäftigung wird ab sofort sein, diesen Tropfen doch noch irgendwo aufzutreiben, denn eines weiss ich: Ich will diesen Wein unbedingt zur Bouillabaisse trinken. 2007 war sein ‘Geburtsjahr’, dann traf ich ihn zum ersten Mal 2011 und 2012 hielt ich ihn in meinen Händen. Dann folgte langes Warten und am Ende hat es sich mehr als gelohnt, ihn nicht schon vorher getrunken zu haben. Er ist am Höhepunkt, hat vielleicht noch ein Jahr. Aber das was dieser Wein heute gezeigt hat ist mehr als beeindruckend und gehört für mich zum Besten was ich mir für meine private vinophile Unterhaltung wünsche. Und jetzt muss ich schauen wo ich das Teil noch auftreiben kann. Denn davon will ich unbedingt noch etwas haben.

Tipp: 30-60 Minuten an der Luft sind ideal. Um die 12º genossen präsentiert er sich in Höchstform. Zur Bouillabaisse ein Gedicht, zu frischem Ziegenkäse mit Olivenöl und Feigen eine kulinarische Offenbarung. Als Solist ein höchst anspruchsvoller Partner.

Einen Bericht über den Kalahari lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Kalahari 2007 Cassis blanc von Sophie & Didier Simonini-Cerciello vom Château Barbanau aus La Bedoule in der Provence, Frankreich.

Tags: , , , , , , , ,

Kategorie: Verkostet

Ihr Kommentar