Irouleguy ‘Hegoxuri’ Blanc 2012

| 21. November 2014 | 0 Kommentare ...alles

Wie Offroad-Fahren mit einem VW Käfer.

Mineralisch, salzig, individuell. Man muss für diesen Tropfen genauso Individualist sein wie der Wein selbst einer ist. Dann wird es ein Riesenspass.

Winzer/Weingut: Domaine Arretxea aus dem Baskenland.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergelböden schmaler Rebzeilen an den Hängen der Pyrenäenausläufer.

Hegoxuri blanc Flasche/Etikett: Auf der Bordeauxflasche klebt wie schon bei der roten Cuvée auch hier ein hohes crémefarbiges Etikett in relativ spärlich gehaltenem Design. Ganz oben in einer Outline-Schrift in grün und gold ARRETXEA (sprich Arre:tschea), der Name der Domaine. In der Mitte wieder das grosse graue runde Siegel, welches beim ersten Hinsehen an ein indianisches oder mexikanisches Emblem erinnert und erst bei genauerer Betrachtung etwas völlig anderes darstellt. Das runde, mit einem goldenen Kreis umfasste Siegel symbolisiert die vier Jahreszeiten und den Verlauf welchen der Wein darin nimmt. Es bildet die Sonne, den Weinberg, die Lese und den Ausbau ab. Unterhalb des Siegels nichts Weiteres als Hegoxuri in geschwungener Typo in grün und der Jahrgang. Das war’s dann auch schon auf der ‘Frontbeklebung’. Am Rückenetikett erfährt man welche Rebsorten verarbeitet wurden und stellt mit Staunen fest, dass der Inhalt dieser Flasche von 14 PS angetrieben wird. Bevor der Hegoxuri aber seine Muskeln zeigen kann, darf er sich eine Stunde lang in der Karaffe austoben.

Im Glas: Goldgelb wie Rapunzels Haar zieht der Hegoxuri seine Kreise im Glas.

In der Nase: Honigtöne strömen die Nasenflügel hoch, weisse Blütenaromen stehen darüber und jede Menge gelber Früchte riecht man. Saftige Birne, reife Mango und auch eine Marille steht im Glas. Insgesamt ein sehr aromatischer Duft der einem hier entgegen kommt. Ungewohnt, aber nicht ganz unbekannt ist das was die Nase wahrnimmt. Es riecht ein wenig üppig, was eindeutig den reifen gelben Aromen zu verdanken ist. Der Honig setzt dem Ganzen noch die Krone auf und verleiht dem Duft eine sanfte Opulenz.

Im Mund: Von Opulenz ist dann im Mund so gut wie nichts zu merken. Da schiesst ein würziger, frischer, mit höchst lebhafter Säure ausgestatteter Wein auf die Zunge und auf den Gaumen. Überhaupt nimmt man den Hegoxuri zuerst am Gaumen und erst danach auf der Zunge wahr. Auf dieser steht er nämlich in totaler Trockenheit, verdunstet förmlich auf ihr, nachdem er den Gaumen mit seiner pikanten Struktur eingepinselt hat. Da ist auch nichts mehr mit Frucht und Honig und sonstigem Obst im Mund. Da fliesst plötzlich Salz in rauen Mengen über die Zungenränder, steht eine Würze hinten am Gaumen die grün und weiss und ist und zieht eine Säure durch den Mund, die frisch und knackig für richtig Leben in der Futterluke sorgt. Von wegen Frucht und üppig. Im Mund ist dieser Wein das totale Gegenteil von dem was man in der Nase hatte. Krass!

Augenblicklich fällt mir wieder die rote Cuvée von Arretxea ein, diese Kombination von Tannat und Salz, die blau schmeckte und so gar nicht von dieser Welt war. Auch der Hegoxuri wird vom Salz dominiert und zeigt in Verbindung mit der grünweissen Würze eine ganz eigene, unbekannte, ungewohnte wie auch ungewöhnliche Charakteristik. Man ist der salzig-säuerlichen Art derart ausgeliefert, dass man dem reflexartigen Zusammenziehens der Wangen nicht entfliehen kann. Erst jetzt, nach drei Stunden an der Luft, taucht wieder ein leiser Hauch von Honig am Gaumen auf, verflüchtigt sich aber genau so schnell wie er gekommen ist. Und erst jetzt spürt man den Hegoxuri so richtig auf der Zunge. Wie er sich auf ihr eingräbt mit seiner frischen und lebendigen Säure und wie er sich pikant über sie legt. Schockierend dabei ist, wie trocken sich der Wein im Mund anfühlt und wie er in Sekundenschnelle auf der Zunge verdunstet. Am Gaumen steht er dafür wie ein weisser Ritter. Lang, leicht herb, pikant, salzig, steinig und mit jenem Touch von Staub versehen, der sich nicht und nicht lösen will. Im Nachhall eher herb und würzig, frisch und ganz am Ende mit einem Schuss von grünem Apfel versehen. Der Rest ist pure Mineralik, reines Mundgefühl und ein Geschmack der schwer zu beschreiben ist. Weil es eben weniger Geschmack als Gefühl ist.

Resümee: Definitiv ist der Hegoxuri ein Wein mit dem man klar kommen muss und/oder will. Man muss für diesen Tropfen genauso Individualist sein wie der Wein selbst einer ist. Anders ist eine Annäherung an ihn so gut wie unmöglich. Wer aber verstanden hat und offen ist, der wird mit diesem Wein den allergrössten Spass haben, weil es irgendwie wie Offroad-Fahren mit einem VW Käfer ist. Mit dicken Walzen und Profil kann jeder, mit dem Käfer aber durchs Gelände wildern, das ist echtes Abenteuer. 26 Euro kostet der Eintritt und der Spass den man hat ist einfach unbezahlbar.

Tipp: 2-3 Stunden in die Karaffe mit dem Wein. Mit 10-12º trinken. Hält gegen so ziemlich alles was aus der Küche kommt dagegen. Abenteurer geniessen ihn solo und entdecken die physische Präsenz von Salz auf eindrucksvolle Art und Weise neu.

Einen Bericht über den Hegoxuri lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Irouleguy ‘Hegoxuri’ Blanc 2012 von der Domaine Arretxea aus dem Baskenland. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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