Indiskret – Rosé Sekt

| 12. Juli 2014 | 0 Kommentare ...alles

Österreichisches Schicksal.

Zwei Drittel von diesem frischen Blubber wandern ins Ausland. Dort hat man nämlich erkannt, dass auf Schaumweinen nicht unbedingt ein Etikett aus Frankreich kleben und Champagner draufstehen muss.

Winzer/Weingut: Herbert Zillinger, Ebenthal/Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von den ‘Ebenthaler Lagen’ im niederösterreichischen Weinviertel.

Indiskret Rose Sekt Flasche/Etikett: Ein wahres Feuerwerk an Ornamenten ziert das mit seiner Stanzung einer Briefmarke nachempfundene weisse Etikett. Zs in unzähligen typografischen Variationen greifen ineinander, verschlingen sich und wachsen zu einem Geflecht aus Buchstaben zusammen. Oben und unten je ein Z in gross und dick und schwarz und in der Mitte in kupferfarbiger Schrift INDISKRET mit einem rosaroten Stern. Am unteren Rand ROSÉ SEKT und Weingut Herbert Zillinger. Elegant, verspielt, feminin und märchenhaft ist die Erscheinung dieser Weinbeklebung. Am Rückenetikett ist wieder alles angeführt was man wissen soll und wissen muss. Extra Brut ist der Rosésekt, 12%vol schlummern in ihm, aus der Edition Z stammt er und ein paar Worte Herbert Zillingers zu diesem Sprudel sind auch noch beigesteuert. Unten wieder das Logo, ein QR-Code und der Rest der von Gesetzes wegen drauf stehen muss. Die Gläser sind bereit, ich auch und deshalb macht’s jetzt ganz laut plopp.

Im Glas: Das ist NICHT rosa. Das ist LACHS. Oder hellrosalachs. Oder lachshellalbinorosa.

In der Nase: Es riecht überraschend würzig zwischen den Erdbeeren und den Weichseln die im Glas ihren Strauss ausfechten. Etwas Zitrusduft ist dabei, frisches Brot ebenso und auf den ersten Eindruck würde man hier nicht auf einen Sekt vom Zweigelt tippen. Auch wenn es relativ fruchtig in der Nase ist, so verwirrt das Brotaroma doch ein wenig und bringt einen leicht ‘vom Weg’ ab. Bringt man den Sekt ein wenig zum Schäumen, strömen einem rosa Grapefruitnoten in die Nase, begleitet von einer Handvoll Kirschen die sich hinten anstellen. Ein sehr erfrischender, herrlich würziger und dank des Brotes auch ein überraschender wie auch animierender Duft.

Im Mund: Wunderbar. Seit ich vorige Woche ein Interview mit Harald Serafin gesehen habe kriege ich dieses Wort nicht mehr aus dem Kopf. Egal. So wie der Indiskret auf die Zunge kommt, sich auf ihr mit allerfeinster Perlage bemerkbar macht und auch am Gaumen eine pure Freude ist, kann man das durchaus als wunderbar bezeichnen. Es schmeckt richtig fruchtig nach Erdbeeren, Kirschen, rosa Grapefruit und man spürt wie sich die Aromen im feinen Mousseux tummeln. Extra Brut ist der Indiskret und vom Mundgefühl her eher im oberen Bereich der Skala als beim Einstiegswert angesiedelt. So vermute ich. Nicht total trocken, einen Tick von Süsse hat er, die sich aber dank der würzigen Art niemals aufdrängt oder wirklich süss wirkt. Dafür sorgt auch das Brotaroma, das diesen Sekt so ‘irritierend’ macht, weil man so etwas von Zweigeltweinen nicht gewohnt ist.

Nach und nach wird es offensichtlicher, warum der Indiskret bei der grossen Champagnerverkostung (siehe oben) so beeindruckend abgeschnitten hat. Er kann es nämlich wirklich mit einigen Vertretern dieser Gattung locker aufnehmen. Da ist kein ordinärer Kohlensäuresturm im Mund, Da perlt es so fein und vornehm auf der Zunge, dass man am liebsten den kleinen Finger wegstrecken möchte. Betonung auf möchte! Da ist Eleganz im Spiel, am Gaumen wunderbar, schon wieder dieses Wort, sanft moussierend, trocken, fruchtig-würzig und niemals aufdringlich. Es ist frisch im Mund, es fühlt sich mineralisch an und was an Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren und Grapefruit vorhanden ist tritt niemals laut in den Vordergrund. Und was das Brot betrifft: Nach fast zwei Jahren auf der Hefe erklärbar und somit auch irgendwie logisch. Was den Sprudel nur noch weiter in Richtung Frankreich treibt.

Drink with a smile.

Drink with a smile.

Resümee: Wie bereits erwähnt hat mich das Mundgefühl in Verbindung mit der mir nicht bekannten Dosage beschäftigt und weil mir das keine Ruhe gelassen hat, habe ich Herbert Zillinger diesbezüglich gefragt. Tatsächlich liegt die Dosage bei unter 3g und somit aufgrund der Toleranzgrenzen eigentlich schon sehr weit bei Brut Nature. Ich habe mich geirrt. Was wiederum erklärt, warum dieses elegante Mundgefühl, die nicht minder vornehme Perlage und das dezente Fruchtspiel sich so wunderbar (ich beginne dieses Wort zu hassen) bei einer grossen internationalen Champagnerverkostung verstecken konnte. In keinem Moment erinnert der Indiskret an österreichischen Zweigelt-Sekt. Einzig die typischen Kirscharomen verraten ihn ein wenig. So wie der Indiskret geschmacklich wie auch gefühlsmässig im Mund agiert, ist es schwer ihn in Österreich einzuordnen. Die knapp 3000 Flaschen die Herbert Zillinger produziert wandern zum grössten Teil (2/3) ins Ausland. Dort hat man offensichtlich erkannt, dass auf Blubberweinen nicht unbedingt ein Etikett aus Frankreich kleben und Champagner draufstehen muss. Hierzulande feiert man dann wie gewohnt das ab, was in der Fremde für Furore sorgt. Ein österreichisches Schicksal, sozusagen. Im Fachhandel in Deutschland für ca. 15, in Österreich für ca. 20 Euro zu bekommen.

Tipp: Den Kork knallen lassen und Spass haben. Sekt der totalen Champagnerspass vermmittelt. Mediterrane Speisen, Fisch, Muscheln, Tintenfaxe, Scampi, usw. oder einfach weil es wieder unerträglich heiss ist oder man sich sonstwie vergnügen will.

Einen Bericht über den Indiskret lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Indiskret Rosé Sekt vom Weingut Herbert Zillinger in Ebenthal im Weinviertel, Niederösterreich.

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Kategorie: Verkostet, Zillinger

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