Henkenberg Spätburgunder 2011 Grosses Gewächs

| 5. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Die 5 Stunden-Turbodiät.

Jetzt eine Flasche kosten und den Rest der Kiste beruhigt in den Keller legen. Ein sicheres Geschäft, grosser Trinkspass inklusive.

Winzer/Weingut: Weingut Salwey, Oberrotweil am Kaiserstuhl, Baden, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Henkenberg mit vulkanischen Böden, einem flachen Rücken zwischen Oberrotweil und Burkheim.

Salwey Henkenberg Spaetburgunder 2011 GG Flasche/Etikett: Klassisch elegant ist das grosse weisse Etikett auf der Burgunderflasche gestaltet. Nur das Notwendigste steht drauf, ganz oben in grossen schwarzen Lettern SALWEY und unterhalb ein Wappen. Ein goldenes Schild mit einer Ähre, einer Traube und einem Stichwerkzeug. Unterhalb in grossen goldenen Buchstaben GG für Grosses Gewächs und am unteren Rand HENKENBERG SPÄTBURGUNDER. Abgeschlossen wird das Etikett von einem goldenen Rand. Eingefasst ist die Flasche von einer weissen Manschette mit dem Aufdruck des VDP (Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter), dessen Mtglied das Weingut Salwey ist. Das Rückenetikett liefert alle weiteren wichtigen Informationen, den Hinweis auf die Lage Oberrotweiler Henkenberg und was sonst noch unbedingt vorhanden sein muss. Ebenso angeführt, dass der Wein unfiltriert abgefüllt ist. Einserseits deswegen und andererseits aufgrund seiner Jugend wird der Wein in die Karaffe umgefüllt und für zwei Stunden sich selbst und der Luft überlassen.

Im Glas: Kräftiges kirschrot leuchtet aus dem Burgunderglas heraus.

In der Nase: Ebenso kräftig duftet es darin. Tabak, ganz viel Erde und trockenes Geäst, feuchter Waldboden, dunkle Beeren und eine klar erkennbare Holzwürze riecht man. Schwarze Kirschen, kraftvoll und saftig, tummeln sich daneben. Es ist ein erdiger Duft mit dem der Henkenberg die Nase hochströmt, begleitet von dichten dunklen Beeren- und ebensolchen Waldaromen. Dezente Röstnoten blitzen auf und verleihen allem eine feine Rauchigkeit. Es ist dicht und kräftig in der Nase, fühlt sich aber trotzdem relativ frisch und kühl an. Kein Erdbeer/Himbeersaft-Vertreter, sondern erdig-würzige Naturerscheinung mit Druck im Duft.

Im Mund: Saftig ist es was da plötzlich auf der Zunge steht. Sehr saftig. Und kirschig. Sehr kirschig. Und sonst? Fliesst der Henkenberg mit einer ausserordentlich frischen Säure über die Zungenränder ab und zieht dabei den Speichel raus. Es ist überaus fruchtig im Mund, und das obwohl genug Erde und Rauch vorhanden sind um alles in einem durchaus dunklen Aromenspiel einzuhüllen. Gerbstoffe spürt man so gut wie nicht, wo sind sie? Dafür tanzt die Säure Polka und überschlägt sich fast vor Lebenslust. Kaum steht die schwarze fette Kirsche auf der Zungenspitze und kaum fliesst ihr Saft an den Rändern ab, rollen sich diese vor Glück zusammen und sorgen für einen leicht debilen Gesichtsausdruck. Die Verbindung der präsenten Säure mit der dezenten Extraktsüsse fühlt sich lustig und belebend an. Und irgendwie haben sich jetzt auch ein paar Tannine durchgegraben.

Nach knapp drei Stunden drängen Gerbstoffe immer mehr in den Vordergrund, ohne dabei aber wirklich zu fordern. Fein wie Staub, zart herb und äusserst verhalten sorgen sie für ein angenehmes Mundgefühl das jetzt erheblich mehr Spass macht. Langsam vereinen sich Säure, Frucht und Tannine zu einem harmonischen Ganzen. Auch die Würze wird kräftiger und rückt den anfänglich überbordenden Auftritt der Kirscharomen in den Hintergrund. Auch fühlt sich der Henkenberg in der Zwischenzeit weit schlanker auf der Zunge an, steht mittiger auf ihr und die Zungenränder haben aufgehört sich einzurollen. Jetzt macht er auf und zeigt auf einmal erdige Würze, feine Struktur, die doch dicht ist und genügend Rauch um Herbst und Wald damit zu assoziieren. Am Gaumen elegant herb, erdig, kühl, mit einem leisen Hauch von Tabak. Im Abgang ebenso herb, keinesfalls mehr so vom Saft dominiert wie am Anfang. Nach drei Stunden Luftaufnahme um zwei Klassen besser, stimmiger, versammelter geworden. Ohne seine Fruchtigkeit verloren zu haben.

Resümee: Seit fünf Stunden steht der Henkenberg nun in der Karaffe und wird immer ‘geschmeidiger’. Der Saft ist feiner geworden, nicht mehr so konzentriert. Der Köper wirkt entschlackt und der Wein fühlt sich um einige Kilos leichter im Mund an. Dabei hat er an Struktur zugelegt, Tannine zeigen sich feinsandig auf der Zunge und am Gaumen, Frucht ist nach wie vor präsent, doch hat auch sie sich auf Diät gesetzt und zeigt sich nun von ihrer schlanken Seite in Verbindung mit einer nach wie vor agilen, aber erheblich zivilisierteren Säure. Es ist würziger geworden, am Gaumen herber und auch erdiger. Frisch fühlt es sich an, kühl und feingliedrig. Im Abgang sogar etwas bitter und sehr schön herb-fruchtig. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie sich der Henkenberg in einigen Jahren präsentieren wird. Die braucht er auch noch. Jetzt eine Flasche kosten und den Rest der Kiste beruhigt in den Keller legen. Ein sicheres Geschäft, grosser Trinkspass inklusive.

Tipp: Drei Stunden sind das Minimum in der Karaffe. Braucht sogar noch mehr um richtig wach zu werden. 16-18º sind fein. Eher kühler als zwei Grad zuviel. Wild-, Lamm- und Champignongerichte macht er blind mit. Winterlichen Eintopf kann er ebenso. Zur Solounterhaltung ein abwechslungsreiches Weinabenteuer.

Einen Bericht über den Henkenberg Spätburgunder GG lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Henkenberg Spätburgunder 2011 Grosses Gewächs vom Weingut Salwey aus der Gemeinde Oberrotweil am Kaiserstuhl in Baden, Deutschland. Bezugsquelle: furore, München.

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Kategorie: furore, Verkostet

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