Hausmarke 2010 Moric

| 29. Mai 2014 | 0 Kommentare ...alles

Geschmacklicher Grenzgang.

Man verlässt die gepflasterte Strasse und verabschiedet sich in unbefestigtes wie unwirtliches Gelände, um in eine völlig andere Weinwelt vorzudringen.

Winzer/Weingut: Moric (Roland Velich), Grosshöflein, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Schieferböden aus Lagen rund um Grosshöflein im Burgenland.

Hausmarke Flasche/Etikett: Auf der braunen Burgunderflasche klebt ein ‘typisches’ Moric-Etikett. Markant gestaltet, auf weissem Untergrund ein hellgraues Muster von Ornamenten aufgedruckt sowie mit schwarzer Beschriftung in einfacher Typo. HAUSMARKE nimmt den grössten Platz am Etikett ein, darunter die enthaltenen Rebsorten sowie alle relevanten und nötigen Informationen die angeführt sein müssen. Am unteren Rand MORIC wieder etwas grösser. Einfach und doch mit grossem Wiedererkennungswert. Die hellgrauen Ornamente erscheinen auf den ersten Blick wie ein Paisleymuster, entpuppen sich aber auf den zweiten eher als Blattwerk aus dem Weingarten. Auf ein Rückenetikett wird verzichtet, braucht man nicht und entspricht auch Roland Velichs Philosophie. Weniger ist mehr und was nicht benötigt wird ist deshalb auch entbehrlich. Zur Belüftung kommt die Hausmarke für eine halbe Stunde in die Karaffe um sich ein wenig mit Sauerstoff anzureichern.

Im Glas: Helles strohgelb zieht seine Kreise im Glas. Leichter goldgrüner Schimmer ergänzt das Farbenspiel der Hausmarke.

In der Nase: Die Nasenflügel zieht ein Duft hoch, der so ungewohnt wie verwirrend ist. Fast erscheint es etwas muffig und man kann aufs Erste nicht sagen wonach es wirklich riecht. Feuchtes Stroh, feuchte Erde, feuchter Jutesack. Es riecht feucht, eindeutig. Irgendwie riecht es genau so, wie Chardonnay und Grüner Veltliner auf den ersten Eindruck zusammen passen, nämlich gar nicht. Und genau das macht den Duft schon wieder wert ihn eigehender zu erkunden. Nach und nach wird es grüner in der Nase, es wird würziger, wärmer und feiner. Die feuchte Note aber bleibt. Nur ist sie etwas klarer geworden und nach einer Stunde auch sehr mineralisch.

Im Mund: Genau DAS mag ich! Das ist definitiv ANDERS und vollkommen ‘neben der Spur’ im positivsten Sinne. Die Zunge überschlägt sich fast vor den beiden, parallel und gleichzeitig einsetzenden Geschmäckern die auf sie niedergehen. Es ist warm und würzig und ebenso fein und klar und rund und hart und und alles fühlt sich mild und straff gleichzeitig an. Geht das überhaupt? Und wie! Man schmeckt den Chardonnay, spürt seine warme Ader und kaum ist er über den Gaumen gehuscht, tanzt der Grüne Veltliner durch die Gegend und lässt seine wohldosierte wie frisch und klar agierende Säure spüren. Weich fühlt sich der Wein im Mund an und kaum hat man das registriert, schiesst die würzige Seite von Herrn Veltliner ein und sorgt dafür, dass sich die Wangen spürbar zusammenziehen ob seiner frischen Säurestruktur. Chardonnay und Grüner Veltliner. So irre wie avantgardistisch wie revolutionär wie völlig abgefahren!

Auf den Lippen fühlt sich die Hausmarke weich, fast cremig an. Auf der Zunge steht sie weich und mild und warm, sogar irgendwie opulent. Um augenblicklich wieder straff zu werden und ihr Leben spüren zu lassen. Es ist ein unbekanntes und ungewohntes Wechselspiel, das ständig einmal so und einmal so erscheint. Es verwirrt, es regt auf, es erregt und es macht Spass. Man kennt so etwas nicht, kennt nicht das Gefühl zwei Geschmäcker und die damit verbundenen Empfindungen in solch kongenialem Wechselspiel zu erleben. Mal schmeckt man mehr den Chardonnay, erfreut sich an seiner warmen fülligen Charakteristik, mal hat der Grüne Veltliner das Sagen und verzückt mit frischer und würziger Lebendigkeit sowie mit mundwässernder Säure. Mal ist sie so, mal so, die Hausmarke. Sie ist im wahrsten Sinn des Wortes eine ‘Zicke’. Und zwar eine äusserst liebenswerte die man gern ins Herz schliesst.

Resümee: Es ist als würde dieser Wein permanent “Wer kommt mit mir klar?” fragen. Ikea fragt “…oder wohnst Du schon?” Roland Velichs Frage könnte lauten “Trinkst Du noch oder geniesst Du schon?” Es ist ein geschmacks- wie auch gefühlsmässiger Grenzgang auf den man sich mit diesem Wein begibt. Man verlässt die gepflasterte Strasse und verabschiedet sich in unbefestigtes wie unwirtliches Gelände um in eine andere Weinwelt vorzudringen. Je mehr Luft die Hausmarke aufnimmt umso interessanter, weicher, milder, anregender und betörender wird sie. Man will, dass dieser Geschmack und dieses Mundgefühl nicht mehr vergehen, man sehnt sich nach dem nächsten Maul voll Wein und ergötzt sich an einem Abgang, der butterweich, ganz leicht hefig und verhalten würzig ist. Die Lippen bleiben wie mit Labello eingecremt zurück und der Nachhall hat etwas mehr Veltlinerwürze als Chardonnaywärme. Spätestens jetzt wird auch klar, warum dieser Wein Hausmarke heisst. Denn wer sich erst auf sie eingestellt und mit ihr arrangiert hat, dem wird sie fortan als ebensolche ein immer gern getrunkener Alltagstropfen mit jeder Menge charaktervollem Tiefgang sein. 14 Euro kostet das Vergnügen und ist jeden einzelnen davon mehr als wert.

Tipp: 1 Stunde Belüftung ist ideal, 2 sind besser. Mit 12-14º trinken. Zu vielfältigen Gerichten wie Schweinefleisch, Fisch und saisonalem Gemüse einsetzbar. Als Alleinunterhalter ein mehr als nur anspruchsvoller Begleiter.

Einen Bericht über die Hausmarke lesen Sie auch hier.

Hier gibt es interessantes Interview von Christian Seiler mit Roland Velich.

Verkostet wurde eine Hausmarke 2010 von Moric (Roland Velich) aus Grosshöflein im Burgenland, Österreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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