Gumpoldskirchener Himmelfahrt 2015

| 7. September 2016 | 0 Kommentare ...alles

Unbeschwerter Weingenuss

Trinkt sich so leicht und unbeschwert, dass man drauf achten muss nicht allzu schnell die Flasche zu vernichten. Reueloser Weingenuss.

Winzer/Weingut: Jutta Ambrositsch, Wien, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Gumpoldskirchener Kalkböden.

Himmelfahrt 2015 Allgemeines: Einen Satellit aus Wien habe ich voriges Jahr bereits erfolgreich erobert, einen Glockenturm habe ich bestiegen und das Ding da oben laut zum Läuten gebracht. Heute geht es wieder irgendwie himmelwärts. Es scheint als hätte Jutta Ambrositsch da einen ganz speziellen Draht “nach oben”. Denn heute steht ihr Gumpoldskirchener Himmelfahrt 2015 am Tisch der Wahrheit. Eine frische Cuvée aus Neuburger, Rotgipfler, Zierfandler und etwas Welschriesling. Spontanvergoren wurde dieser leichte, erfrischende Weisswein der von Gumpoldskirchener Kalkböden stammt und im Stahltank ausgebaut wurde. Nicht zu vergessen, dass der Wein aus biodynamischem Anbau stammt. Nachdem mir die beiden anderen Weine von ihr schon sehr gefallen haben, bin ich heute ganz besonders gespannt ob mir der hier nun tatsächlich eine Fahrt ins Himmelreich beschert. Gut gekühlt ist er bereits und somit steht einem Versuch endgültig in den Himmel zu gelangen nichts mehr im Wege. Man reiche mir den Kelch als Reiseproviant.

Im Glas: Nicht in blau sondern in hellem strohgelb funkelt mir der Himmelfahrt entgegegen.

In der Nase: Der Duft sehr interessant, weil a) sehr leise und b) eher nussig als fruchtig. Viel Kalk in der Nase, Brotaromen und und erst dann ein Schuss Zitrone. Äusserst animierend weil so angenehm anders ist das was mir die Nasenflügel hochströmt. Der Neuburger scheint das Regiment anzuführen und hinter ihm steht dann der Rest Spalier. Irgendwie erinnert mich dieser Duft an meine Jugend als ich das erste Mal mit Gumpoldskirchener Weinen in Berührung kam. Macht Spass.

Im Mund: Spannend. Ganz spannend ist das was auf der Zunge steht. Ein weicher, cremiger Wein der rund und trocken auf sich aufmerksam macht. Leicht barock ist der Himmelfahrt, dabei würzig-brotig, fein nussig und ausgesprochen kalkig. Von Frucht nichts zu bemerken. Entweder hat sie Hausverbot oder man hat sie überhaupt vergessen einzuladen. Dafür feinster Mandelstaub, warmes Brot und reichlich erdige Würze im Mund. Man braucht schon zwei Minuten um sich da zurecht zu finden, doch dann wird alles herrlich stimmig in der Geschmackszentrale. Der Gaumen herb befeuchtet, der Abgang brotig, nussig, kalkig. Und wieder schiesst mir ein, dass ich diesen Geschmack aus meiner Jugend kenne. Als in Gumpoldskirchen noch fast ausschliesslich Rotgipfler und Zierfandler getrunken wurde. Flashback, anyway.

Ich trinke den Himmelfahrt jetzt parallel aus zwei verschiedenen Gläsern und komme zur Ansicht, dass ihm das Burgunderglas besser steht. Da geht er auf, da wird er richtig fein und herb, sehr mineralisch und auch erdig. Auch die Säure kommt viel besser ins Spiel, bringt jetzt richtig Leben in die Luke und sorgt für ein komplett anderes Mundgefühl. Er verliert alles was an barocker Charakteristik da war und steht fein und schlank im Mund. Erdig, kalkig, weiss und knochentrocken. Jetzt macht er richtig Spass, der Himmelfahrt, jetzt fährt er wirklich Richtung Himmel. Urplötzlich frisch und animierend, neckisch fast und übermütig. Kein Gewicht mehr auf der Zunge, nur ein feiner weisser Film am Gaumen. Der Abgang plötzlich auch ganz nussig-kalkig und der Nachhall leicht und weiss. Es ist immer wieder spannend sich einen Wein in zwei Gläsern “anzuschauen”. Zwei Welten tun sich auf. Die im Burgunderglas ist seine.

Resümee: Faszinierend wie der Tropfen abgespeckt hat. Die Nuss nur mehr ein leiser Hauch, die Mandel ebenso, der Kalk hat das Kommando übernommen und die Leichtigkeit mit der der Himmelfahrt auf einmal auf der Zunge steht beeindruckt schwer. Das Säurespiel ein Hauptdarsteller. Das Runde hat er abgelegt, anstelle dessen ist alles erheblich ziselierter geworden, feingestrickter, filigraner. Und vor allem kalkiger. Der Tropfen hat jetzt richtig Grip entwickelt und packt griffig auf der Zunge und am Gaumen zu. Auf einmal trinkt sich der Himmefahrt so leicht und unbeschwert, dass man drauf achten muss nicht allzu schnell die Flasche zu vernichten. Am Ende ist er gerade dafür gemacht und wenn er sich im grossen Glas austoben darf, dann ist das Trinkvergügnen leicht und unbeschwert.

Tipp: Verträgt die Karaffe und vor allem das Burgunderglas. 8-10º Trinktemperatur. Zu Fisch, zu weissem Fleisch und frischer Gemüseküche. Als Solist ein unberschwerter Zechwein der sich reuelos vernichten lässt.

Einen Bericht über den Himmelfahrt lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Gumpoldskirchener Himmelfahrt 2015 von Jutta Ambrositsch aus Wien, Österreich. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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