Grüner Veltliner ‘Weintalried’ 2013 (Fassprobe)

| 13. Juni 2014 | 0 Kommentare ...alles

Pure Lust im Mund.

Grüner Veltliner für Fortgeschrittene. Einer, der richtig was zu erzählen hat und in ein paar Jahren ein ganz Grosser sein wird.

Winzer/Weingut: Herbert Zillinger, Ebenthal/Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von kalkreichen Lössböden der Lage Weintalried.

Weintalried Grüner Vletliner Flasche/Etikett: Auf der klassischen Burgunderflasche klebt wieder das mit üppigen Ornamenten versehene weisse Etikett mit dem grossen Z für Zillinger. Weintalried steht in kupferfarbiger Typo in der Mitte, was auf die Abstammung des Weines hinweist. Oben und unten ist das Stück Papier gezackt wie eine Briefmarke. Über das ganze Teil ist wieder die in sich verwobenen Grafik aufgebracht, welche das Design sehr feminin und auch verspielt erscheinen lässt. Am unteren Rand steht wieder in kupferfarbiger Schrift Grüner Veltliner Lagenselektion und Weingut Herbert Zillinger. Das war´s dann auch mit Weinbeklebung. Da es sich bei diesem Wein um eine Fassprobe handelt, gibt es noch kein Rückenetikett wo auch der für den Verkauf notwendige Rest drauf stehen muss und würde. Aufgrund der ersten Verkostung weiss ich bereits, dass der Wein erst an der Luft so richtig aufgeht und deshalb kommt er, nachdem er von seinem Schraubverschluss befreit wurde, für eine Stunde in die Karaffe bevor er neuerlich ins Glas kommt.

Im Glas: Goldgelb fliesst der Weintalried ins Glas und schon da ahnt man aufgrund der kräftigen Konsistenz was auf einen zukommt.

In der Nase: Sofort hüpfen einem saftige exotische Aromen in die Nase. Reife Ananas und Mango riecht man und sogar dunkle Schokolade ist dabei. Es duftet intensiv gelb, Banane mischt sich unters Aromenvolk. Ein wahres Duftfeuerwerk wird gezündet, was sich aber sehr fein und gesittet in der Nase zeigt und keinesfalls banal üppig oder fett wirkt. Vielmehr sorgt eine dezente Pfeffernote im Hintergrund für Zügelung und rundet diese Explosion an gelber Exotik wunderbar würzig ab.

Im Mund: Wie schon beim ersten Mal, lässt der Weintalried auch diesmal sofort die ‘Korken knallen’ und legt sich kraftvoll, dicht und würzig auf der Zunge nieder. In einer beeindruckenden Kombination von Extraktsüsse und eleganter Herbheit drückt der Wein mit aller Kraft auf die Aromadrüsen um seine saftige Exotik los zu werden. Man spürt den gelben Saft der sich im Mund ausbreitet, man spürt, dass der Tropfen Speck an den Hüften hat und liebt das, weil alles in einem herrlich würzig-mineralischen Körper eingehüllt ist. Es ist ein Gefühl von eleganter, feiner Opulenz die hier im Mund steht und man spürt wie der Wein ausladend alles zeigt was er zu bieten hat. Wie schon in der Nase fackelt der Grüne Veltliner Weintalried auch im Mund ein Feuerwerk an Sinneseindrücken ab und ertränkt einen förmlich in saftig-gelber, wie auch würziger Aromatik. Pure Lust die auf der Zunge steht und ebenso am Gaumen.

Erst jetzt, nachdem man sich der gesamten opulenten Komplexität bewusst geworden ist, merkt man, wie rauchig der Weintalried im Abgang und auch im Nachhall ist. Begleitet von kräftigen Bananenaromen, saftiger Mango und einer ebenso auffälligen Pfefferwürze. Oder ist es doch nur wunderbar herb? Oder beides? Es ist jedenfalls phantastisch. Völlig ungewohnt, als hätte der Tropfen Anabolika genommen. Kraft und Muskeln zeigt er und schafft es dabei trotzdem, eine gewisse Eleganz beizubehalten. Mehr Body Forming als Body Building ist hier das Programm. Im Wissen, dass das Beste aber erst noch kommt, wird der Weintalried nun weg gestellt und nach zwei weiteren Stunden wieder ausgepackt. Denn dann sollte er sein ‘wahres Gesicht’ zeigen und noch um eine Dimension mehr zu beeindrucken wissen.

Was er dann auch erneut tut. Als wäre er erst richtig munter geworden. Jetzt lebt er plötzlich auf, wirkt frischer und noch kompakter als zuvor. Fast hat er so etwas wie Rasse entwickelt, fühlt sich leichter an im Mund, ohne aber leichter geworden zu sein. Er fühlt sich nur dank einer subtil vor sich her getriebenen Säure erheblich lebhafter und feiner an. Auch ist er mineralischer geworden, hat das Gelbfruchtige nach hinten verlagert und bietet nun ein würziges Schauspiel auf der Zunge wie am Gaumen. Erst im Abgang wird er wieder fruchtiger, begleitet von einer sehr edlen Bitterschokoladenote. Im Nachhall ist er dichter geworden, klarer definiert in seiner Aromatik, kompakter und konsolidierter. Mehr zu einem harmonischen Ganzen und somit noch beeindruckender.

Resümee: Soviel Kraft der Weintalried auch hat, so schlafwandlerisch sicher schafft er es, niemals schwer zu werden. Die Extraktsüsse die in ihm schlummert, der Saft den er in sich hat, alles gleicht er elegant mit einer wunderbar pfeffrigen Würze und einer ebenso präsenten Mineralik aus. Das ist Grüner Veltliner für Fortgeschrittene. Keiner den man vom Heurigenbuffet oder aus dem Supermarktregal kennt, sondern einer, der richtig was zu erzählen hat. Und er steht erst am absoluten Anfang seiner ‘Karriere’. Ein grosses Glas und Luft lassen den Weintalried aufgehen wie den Marillenkuchen im Backrohr und in ein paar Jahren wird dann was ganz ganz Grosses aus der Flasche kommen.

Tipp: 60-90 Minuten in der Karaffe sind ideal. Nicht zu kalt geniessen! Um die 12º sind perfekt. Wer Geduld hat, der sollte die zweite Hälfte der Flasche am Abend geniessen und dabei feststellen, dass der Wein noch einmal mächtig zugelegt hat. Begleitet klassische österreichische Küche wie auch ausgewählte asiatische Gerichte mit Bravour. Zur Entspannung für sich allein genossen, ein anspruchsvoller Begleiter mit entsprechendem Tiefgang.

Einen Bericht über den Weintalried lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner ‘Weintalried’ 2013 (Fassprobe) vom Weingut Herbert Zillinger in Ebenthal im Weinviertel, NÖ.

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Kategorie: Verkostet, Zillinger

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