Grüner Veltliner Spiegel 2014 Erste Lage

| 27. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Genuss am “langen Zügel”

Die Gesamtheit seiner geschmacklichen Spürbarkeit von Frucht und Würze, machen diesen Wein zu einem wahren Wonnetropfen.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kamptal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Spiegel, einem gegen Ost-Südost gestreckten Geländerücken südlich von Langenlois.

Spiegel 2014 Allgemeines: 2013 hatte ich den aus 2011 von Fred Loimer aus Langenlois im Kamptal im Glas. Heute, 2016, steht der aus 2014 am Tisch der Wahrheit. Der Wein um den es geht? Ein Grüner Veltliner Spiegel Erste Lage Kamptal DAC 2014. Ich würde das gerne einmal von einem Japaner hören. Wie auch immer. Kundige wissen, dass der Spiegel von gleichnamiger Lage, einem gegen Ost-Südost gestreckten Geländerücken südlich von Langenlois kommt. Wie gewohnt spontanvergoren wurde der Wein, in 2500 Liter Eichenfässern. 6 Monate hat er auf der Vollhefe und 3 auf der Feinhefe verbracht. Abgefüllt wurde der Spiegel dann im September 2015. Soviel zu den Eckdaten. Im Gegensatz zum GV Spiegel 2011, der mit schlappen 14 PS protzte, gibt sich der Spiegel 2014 mit seinen 12,5 richtig entrümpelt. Wie sich das im Mund anfühlt und wie das schmeckt, das werde ich jetzt intensiv erkunden. Eine Stunde wnadert der Wein aber vorher noch in die Karaffe um sich zu akklimatisieren.

Im Glas: In gelbgold wie ein Ehering leuchtet der Spiegel aus dem Glas.

In der Nase: Entgegen meiner Erfahrung habe ich für den Beginn ein “normales” Glas genommen (dazu später mehr) und rieche darin hochreifen Apfel der in einer duftigen Rauchwolke eingegraben ist. Birne ist dabei und auch eine Scheibe Mango die ein wenig Exotik rein bringt. Eine leicht morbide Wolke die sich warm und weich die Nase hocharbeitet spürt man. Ist eher fein als schwer, insgesamt ein typischer Spontiduft, der sogar noch mit ein paar Dörrobstaromen um sich wirft. Macht Spass, fühlt sich toll an, riecht bezaubernd.

Im Mund: Würzig, sehr würzig nimmt der Spiegel 2014 auf der Stelle die Zunge und den Gaumen in Beschlag. Ganz viel weisser Pfeffer weht durch die Luke und sorgt für feinsten Nebel. Aus diesem spürt man reife Birne tropfen und auch gelben Apfel. Wesentlich feiner als 2011, leichter, dafür griffiger und auch reichlich schlanker. Und trockener. Und überhaupt. Rauch am Gaumen, feiner Rauch. Auf der Zunge wird der Spiegel mit etwas Luft ein wenig runder. Kaum ins grosse Glas verfrachtet dreht er aber richtig auf. Da gehört er hin, da fühlt sich wohl. Da wird er plötzlich richtig erdig, da entfaltet sich die Würze und es wird traumhaft herb am Gaumen. Weisser Pfeffer überall und erst ganz weit hinten feiern Äpfel, Birnen und ein paar gedörrte Früchte ihre eigene Party. War der Spiegel 2011 noch wohlig warm und gelbfruchtig, mit Herz und Fleisch bestückt, so ist der Spiegel 2014 in jedem Punkt feiner geraten. Er hat quasi “abgenommen”, ohne von seinem Charakter zu verlieren. Er ist nur leichter und trockener. Und das ist schön.

Ich habe den Spiegel 2011 noch sehr gut in Erinnerung. Wie er zum Fliegen eingeladen hat, mit Kraft und Körper angegeben hat. Der Spiegel 2014 beeindruckt mit feiner Athletik, ist erheblich klarer in seiner Kontur und auch in seiner Aromatik. Da tauchen Orangenschalen auf, heller Tabak und auch Mandarine. Er ist insgesamt mineralischer und was die Fruchtbegleitung angeht fehlt dieser jegliche Schwere. Alles ist wunderbar leicht im Mund, die gesamte Struktur ist feingliedriger, weitmaschiger und wesentlich durchlässiger. War 2011 noch wie “versammelter Schritt”, so ist 2014 wie am “langen Zügel”. Man merkt ich komme aus der Reiterei. 2011 war konzentriert, 2014 wirkt in seiner Entspanntheit fast verspielt. Straffe Würze auf Zunge und Gaumen, feine Erdigkeit im ganzen Mundraum und die Aromen von reifen Birnen und Äpfeln sorgen in einem relativ feinen Körper für eine leicht angedörrte Aromatik. Ich mag den Wein. Ganz viel.

Es gibt Weine, denen verfällt man einfach. Der Spiegel 2014 gehört für mich zu dieser Gattung. Dazu macht ihn seine harmonische Kombination von ganz feiner Frucht mit hocharomatischer Würze, seine Erdigkeit die sich so elegant im Mund anfühlt und sein Säurespiel, das ein ganz leises ist. Unaufgeregt, dabei aber stets präsent. Und vor allem die Gesamtheit seiner geschmacklichen Spürbarkeit. Birnen, Äpfel, Tabak, Mandarine und Orange. Dazu eine Schaufel trockener Erde und viel weisse Pfefferwürze. Das ist komplex, das ist vielschichtig, das ist umwerfend.

Resümee: Ich liebe diesen Wein. Und was das Glas angeht: Verwenden Sie niemals ein “normales” Weissweinglas. Das wäre so als würden sie einen Adler in einen Vogelkäfig einsperren. Geht gar nicht. Ich muss jetzt ein Glas ohne darüber zu schreiben trinken. Oder überhaupt den Rest der Flasche. Den Rest überlasse ich ihrer Phantasie. Meine ist mehr als angeregt.

Tipp: Eine Stunde Karaffe sollte man ihm gönnen. Mit ca.12º aus dem Burgunderglas geniessen, da macht er einfach mehr auf drin. Zu regionaler Küche ein toller Begleiter, als Solist ein feiner Wein der grossen Spass macht.

Einen Bericht über den GV Spiegel 2014 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Spiegel 2014 1. Lage von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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