Grüner Veltliner 2006 AL

| 28. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Einfach monumental

Man ertappt sich, wie man in diesen Tropfen förmlich rein kippt. Monumentales, tiefenbetontes Weinerlebnis. Ganz gross!

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Kamptal/Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Jeweils zur Hälfte von den Lagen Käferberg und Zöbing Kogelberg.

GV 2006 AL Allgemeines: Der letzte Wein aus der Verkostungsreihe Neues & Gereiftes von Fred Loimer aus Langenlois im Kamptal steht heute am Tisch der Wahrheit. Der letzte “Neue” war der Grüne Veltliner Spiegel aus 2014, der letzte “Gereifte” ist auch einer, und zwar der Grüner Veltliner 2006 AL, was für Auslese steht. Die Trauben für diesen Wein aus einem teilweisse sehr heissen Sommer stammen jeweils zur Hälfte von den Lagen Käferberg und Zöbing Kogelberg. Da Gföhler Gneis mit Braunerde und Kalk, dort Löss, Flugstaub und Lehm. Ausgebaut wurder der Grüner Veltliner 2006 AL im grossen Holzfass und bis zu seiner Abfüllung im August 2007 lagerte er im Stahltank auf der Feinhefe. Heute, im zarten Alter von zehn Jahren, wird er von seinem Kork befreit und auf meine Geschmacksnerven losgelassen. Ich bin schon mehr als gespannt wie Grüner Veltliner aus 2006, noch dazu in Form einer Auslese schmeckt. Ist praktisch eine Premiere für mich und dementsprechend werde ich dieses Abenteuer auch zelebrieren. Bleibt nur die Wahl der Waffen des Glases offen. Ich nehme den Burgunderkelch UND das normale Weissweinglas und entscheide mich nach dem ersten Durchgang.

Im Glas: Sehr klares, konzentriertes Gelbgold steht im Glas.

In der Nase: Aus dem (Weissweinglas) strömt ein zwar konzentrierter, aber alles andere als üppiger Duft. Reife Obstaromen von Birne und auch reichlich Zitrusfrucht ist wahrzunehmen, der Grüner Veltliner 2006 Auslese fühlt sich dicht an in der Nase. Kräuter treiben sich im Hintergrund herum, frisch, überraschend frisch. Im grossen Kelch ein völlig anderer Duft, weitaus mehr aufgefächert, erdiger und mineralischer. Fühlt sich auch erheblich trockener an und scheint, als würde der Wein das grosse Glas bevorzugen. Mal schauen, was der Geschmackstest zeigt.

Im Mund: Wunderbar ölig zieht der Wein in den Mund. Dabei ist er bestenfalls leicht opulent, durch seine fast schon brutale Erdigkeit fühlt er sich auch herrlich trocken an. Eigentlich herb. Trotz der vollreifen Frucht von dreifach gepresster Birne. Da steht einerseits ein voluminöser Kerl im Mund, der aber auf der anderen Seite überhaupt nicht schwer oder gar bullig wirkt. In der Zungenmitte dezent kräutrig, an den Rändern frisch, lebhaft, süssherb und sehr angenehm. Der Gaumen wird auf der Stelle von einer Wagenladung Erde, Lehm und Staub benebelt. Im Abgang zeigt sich GV 2006 Auslese enorm dicht, unendlich lang und saftig. Das was an sich als süss empfunden werden könnte, wird von einer ungemein herben Erdigkeit in Zaum gehalten, welche so für ein schaurig-schönes Spiel von körperreicher Grazilität sorgt. Und jetzt noch einmal aus dem grossen Glas.

Grosses Glas, anderer Wein. Und WIE anders. Da ist auf einmal Pfeffer in der Futterluke, da bläst einem der Gewürzkorb Staub um die Ohren. Nach dem ersten Schluck steht (für mich) fest: Der gehört in den grossen Becher. Staubig, erdig, fast schon rustikal in seiner pfeffrigen Herbheit ist der GV 2006 Auslese. Da ist Feuer drin. Man schmeckt süss, man spürt Säure, man fühlt Trockenheit und man hat den Eindruck als würde der Wein im Mund lodern. Richtig dicht verwoben steht er im Mund, macht Druck auf der Zunge ohne sie zu überfordern, legt sich wie ein Film an den Gaumen und macht keine Anstalten diesen jemals wieder zu verlassen. Nach und nach gräbt sich der ganze Ertrag von reifen Birnen durch, dieses leicht “Überreife” in Verbindung mit dieser enormen Erdigkeit, ein Traum. So ist es und so fühlt es sich an wenn süss herb schmeckt. Wunderbar.

Phantastisch zu erleben ist, wie sich der GV 2006 Auslese an der Luft verändert. Einfach beeindruckend. Hochreifes Lesegut versus monumentaler Bodenlastigkeit. Weisser Pfeffer über allem, reife, saftige Birnen darunter. Von der leichten Opulenz die sich im “normalen” Glas gezeigt hat nichts mehr da (im grossen Becher).

Resümee: Das ist fein, das ist kompakt wie ein Supercharger und dermaßen dicht, dass es fast schon weh tut. Man schmeckt UND spürt die Essenz dieses Weines, man erlebt ihn quasi in 3D. Und man ertappt sich, wie man in diesen Tropfen förmlich rein kippt. Doch Vorsicht ist geboten: die 14 PS die unter seiner Haube brummen sind verdichtet und könnten sich bei unvorsichtigen Gemütern nebenwirkungsreich bemerkbar machen. Dafür gibt es aber Gott sei Dank das Taxi, das einen sicher in den Heimathafen bringt. Monumentales, tiefenbetontes Weinerlebnis. Ganz gross!

Tipp: Aufmachen, einschenken und mit 10-12º aus dem grossen Glas geniessen (persönliche Empfehlung). Gänseleber liebt er, andere Pasteten ebenso. Zu asiatischer Küche (auch scharf), bestens geeignet. Als Solist ein Wein für die wirklich total entspannten, voll bewusst genossenen Stunden.

Einen Bericht über den Grüner Veltliner 2006 AL lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner 2006 AL (Auslese) von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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