Grüner Veltliner 2 Hut 2013

| 22. Juni 2015 | 0 Kommentare ...alles

Dicht und konzentriert wie Staufferfett.

Kein Typ fürs Kaffeekränzchen, das ist Grüner Veltliner mit Eiern in der Hose. Drei Hüte auf und wieder ab und beide Daumen hoch dafür!

Winzer/Weingut: Lukas Krauß, Lambsheim, Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Lössböden am äussersten Rand des Pfälzer Weinanbaugebiets, gegenüber vom Kohlacker.

Gruener Veltliner Krauß Flasche/Etikett: Deckungsgleich mit jenem des Chapeau ist das Etikett das auf dem Grüner Veltliner klebt. Das Hauptmotiv auf weissem Untergrund ist das dicke fette scharfe ß an dem ein dünnes feines Strichmännchen mit Hut und Weinglas lehnt. Ohne Hut geht nämlich nichts bei Lukas Krauß. Darunter schlicht und einfach grüner veltliner, fertig. Rechts unten sind auf diesem Etikett 2 Hüte schwarz eingefärbt was darauf hinweist, dass es sich frei nach der Krauß’schen Qualitätspyramide um einen Lagenwein handelt. Am rechten äusseren Rand des einteiligen Etiketts wieder alle vorgeschriebenen Informationen. Als Ergänzung liest man ebenso wieder einen Spruch von Kurt Dehn “Mir Pälzer, mir kenn´ trinke, de Woi schmeckt gut zum Schinke”. Nun denn, die Pfälzer werdes es wohl wissen. Verschlossen ist die Flasche von einem dunkelgrauen Stelvin-Drehverschluss mit weissem ß. Und weil der Wein ein sogenannter “Sponti” ist und noch dazu aus dem Barrique stammt, darf er bevor er in den grossen Kelch kommt erst einmal zwei Stunden im Dekanter ein paar ausgedehnte Runden drehen.

Im Glas: In saftig frischem Gelbgold steht der Grüner Veltliner 2 Hut aus der PFALZ im Burgunderbecher.

In der Nase: Grüne Vanille in der Nase. Gibt es nicht? Und wie es die gibt! Es duftet einerseits frisch, pikant grün, etwas wiesig und hat andererseits den unverkennbaren Touch von Barrique im Anhang. Zusammen ist das eben grünvanillig. Zarte Karamellnoten riecht man, weisse Schokolade, feinen Rauch. Eine enorm weiche Aromatik zieht die Nasenflügel hoch. Sehr präsenter Pfeffer steht im Glas der sich mit kandierten Früchten um die Vorherrschaft matcht. Es fühlt sich etwas breit und voluminös an und endet doch recht fein. Blind würde ich diese Nase einem gewissen Wein aus dem Weinviertel zuordnen und damit um 800 Kilometer daneben liegen.

Im Mund: Okay, noch einmal zurück zum Start bevor ich lauthals WAHNSINN in die Gegend brülle. Zuerst Ananas, dann Säure. Dann Pfeffer, dann gelber Rauch. Dann Salz, dann Äpfel. Was ist das denn? Purer cremiger Saft ergiesst sich über die Zunge, salzt diese mit feinsten Flocken ein, spritzt fruchtige, exotische Aromen drauf und bläst im Anschluss eine Wolke gelben Rauches drüber. Es schmeckt grün und fühlt sich gelb an, es ist brutal saftig, fast ölig und dank einer ausgesprochen aktiven Säure ebenso lebendig. Am Gaumen in Saft gepackter Pfeffer der ganz langsam daraus austritt, im Abgang würzig, kraftvoll, lang und erschreckend mundwässernd. Was hat der Lukas Krauß da für ein Fass geöffnet? Was kommt da noch im Lauf der nächsten Stunden?

Drei Stunden sind vergangen und plötzlich wird es etwas staubig aus der Zunge. Herbe Mineralik macht sich breit, belegt sowohl Zunge wie auch Gaumen und zügelt so den Saft der nach wie vor extrem Musik macht. Pfeffer mit Wiesenkräutern, Ananas und Apfel mit Steinsalz, und damit es nicht langweilig wird dampft Rauch im Hintergrund herum. Kraftvoll aber nicht drückend, rund und cremig aber alles andere als butterweich. Da sind Ecken und Kanten dran, da ist Feuer im Körper und auch Ausgelassenheit. Würzig ist es, pikant ebenso, leicht speckig, enorm mineralisch durch die Luft geworden. Und wieder ertappe ich mich dabei, wie ich gedanklich ins niederösterreichische Weinviertel abdrifte. Hat der Lukas Krauß gar etwa dort geklaut? Jetzt wird der Grüne Veltliner mit seinen 2 Hüten sogar noch zärtlich bitter am Gaumen, wie schön ist das denn?

Später Nachmittag. In der Nase pure Mineralik, unterlegt mit Ananas und Apfel. Auf der Zunge dunkelgelb, leicht karamellig, sogar etwas nussig. Säure satt und brutale Pfefferwürze. Der totale Kick in der Futterluke. Am Gaumen als würde man am Pfefferstrauch kauen, im Abgang würzig, kraftvoll, dicht und konzentriert wie Staufferfett. Schmelz pur und herb am Gaumen, fast schon staubig, etwas bitter mit ein paar Tropfen hochreifer Ananas.

Resümee: Kein Typ fürs Kaffeekränzchen, das ist Grüner Veltliner mit Eiern in der Hose. Ist der wirklich aus der Pfalz und nicht vom … ? Rauchig nach wie vor, hoch reif und extrem mineralisch. Eigentlich müsste ich jetzt aufhören und morgen weitermachen. Da steht dann nämlich garantiert ein völlig anderer Wein im Glas. Nur wird der gute Tropfen heute abend leer gemacht und das geschätzte Publikum muss raten wie das Abenteuer wohl geendet hat. Fest steht jedenfalls, das ist – bis auf zwei, drei Ausnahmen – der radikalste Grüner Veltliner den ich bislang getrunken habe. Kostet grade mal 12 Euro und wer blind auf Deutschland tippt, dem wurde vorher eingeflüstert. Wahnsinn dieser Wein. Drei Hüte auf und wieder ab und beide Daumen hoch!

Tipp: Unbedingt zwei bis drei Stunden in der Karaffe lassen. Legt stündlich zu und entwickelt sich enorm. Burgunderglas ist Pflicht. Mit 12-14º geniessen, zu kalt ein absolutes No-go! Wiener Schnitzel, frischen Fisch und Gemüsegerichte will er. Oder einfach solo trinken und sich gekonnt der Zeit entziehen. Balsam für die Seele.

Einen Bericht über den Grüner Veltliner 2 Hut lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner 2 Hut 2013 von Lukas Krauß aus Lambsheim in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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