‘Groppello’ Garda Classico DOC 2013

| 25. April 2015 | 0 Kommentare ...alles

Unwiderstehlicher Gigolo.

Schälen Sie die Wurst, entrinden Sie den Käse und holen Sie den Braten aus dem Rohr. Dann überlassen Sie den Rest dem roten Freudenspender.

Winzer/Weingut: Cantrina, Bedizzole, Brescia, Italien.

Lage/Herkunft: Von steinigen Kieselböden mit hohem Lehm- und Tongehalt vom Westufer des Gardasees.

Gropello Flasche/Etikett: Gropello steht in roter geschwungenen Typografie in der Mitte des beigen Etiketts. In schwarz wird es darunter gespiegelt. Ganz oben das Symbol einer Sonne und unterhalb CANTRINA in Kapitalen. Unter dem gespiegelten Namen ebenfalls in Grossbuchstaben GARDA CLASSICO über die gesamte Breite des Etiketts. In gesperrter Schrift erfährt man unterhalb noch etwas über die Herkunft aus Valtènesi und ein paar allgemeine Dinge und dass es sich bei Gropello um eine autochthone Rebsorte handelt. Alles in italienisch selbstverständlich. Als Motto steht ganz unten noch Libero Esercizio di Stile drauf, mit welchem Cristina Inganni vermitteln will, dass ihre Weine so authentisch wie möglich deren Lagen und Rebsorten widerspiegeln sollen. Auch dieser Gropello ist an der 13% Hürde gescheitert und kommt mit leichten 12,5 davon daher. Rückenetikett ist keines auf der Flasche und so kommt der Gropello Garda Classico jetzt ohne jede weitere Verzögerung ins Glas.

Im Glas: Hell und klar wie ein Himbeerkracherl steht der Gropello im Glas und leuchtet wie ein funkelnder Rubin vor sich hin. Am Boden des Glases kann man Zeitung lesen.

In der Nase: Fast unscheinbar duftet es aus dem Glas heraus. Rote Frucht, etwas Kräuterwürze, ein kleines Minzeblatt im Hintergund. Dabei fühlt es sich mineralisch in der Nase an, nicht übermässig fruchtig, vielmehr dezent würzig. Irgendwie erinnert mich das Bukett ganz weit enfternt an fruchtigen Sangiovese. Letztlich aber ist es zu duftig und zu rot im Riechorgan dafür.

Im Mund: Fast hätte ich geglaubt, dass tatsächlich ein Himbeerkracherl in den Mund fliesst. Es schmeckt nämlich ganz kurz nach saftigen Himbeeren und plötzlich spürt man so etwas wie ein Pulsieren auf der Zunge. Es ist weich, es ist frisch und es ist federleicht. Erst am Gaumen spürt man anschliessend eine ganz zarte herbe Note, die diesen durchaus fruchtigen Eindruck schön unterlegt. Auf der Zunge aber steht ein ungemein fröhlicher, wohlschmeckender Wein der sich fast nackt in seiner ganzen Vielfalt präsentiert. Herrlich fruchtig, schön kräuterwürzig, sogar leicht peffrig, ein Tick von Minze und so gut wie kein Gewicht. Der Wein gewordene Albtraum für Leute die Kraft und Muskeln im Becher wollen. Der Gropello flutscht wie Gleitcréme durch den Mund und sorgt im Nachhall für einen angenehmen zart herben, aber doch recht fruchtigen Genuss.

Ein echter Gigolo ist der Gropello. So wie er sich an die Zunge und den Gaumen ran macht ist es schwer, wenn nicht sogar unmöglich, dieser Versuchung zu widerstehen. Auch wenn er richtig saftig, richtig fruchtig und mit zart verhaltnener Säure auf die Zunge kommt, kaum breitet er sich darauf aus, lässt er auch eine äusserst feine herbe Note von der Leine die ihn unwiderstehlich macht. Er füllt den Mund so delikat aus, dass man ihn nicht schlucken möchte weil er so viel Spass macht. Es ist definitiv knallrot im Mund, auf der Zunge, am Gaumen und überhaupt. Und dann merkt man wie sich ein paar Gerbstoffe hinter den Lippen verstecken und ganz schüchtern darauf hinweisen, dass es sie auch gibt. Trocken ist es im Anschluss und wenn der Gropello sich über die Zunge verabschiedet hat merkt man, wie er darauf ein frisches Prickeln hinterlässt.

Normalerweise bin ich hier beim zweiten Glas, doch in diesem Fall ist es bereits das dritte. Weil dieser (ist das eigentlich schon Wein?) so dermassen zischt, dass man sich schwer beherrschen kann. Es ist fruchtig, sehr sogar, aber die ebenso kräftige Würze ist der perfekt Widerpart und sorgt so für richtig Charakter im Mund. Auf der Zunge fruchtig, am Gaumen würzig und zart herb. Das macht Spass, das animiert den letzten Rest der Salami auch noch zu verputzen und sich so richtig im “Verwöhnmodus” zu suhlen. Der Wein ist zart, er ist weich, er ist mild im Mundgefühl und doch so belebend frisch und keck, dass man nicht genug davon bekommt.

Resümee: Das ist Wein der, man verzeihe mir, zum SAUFEN gemacht ist. Verzichten Sie auf die schönen Gläser, packen Sie die Becher aus, füllen sie diese bis zum Rand und machen am besten zwei Flaschen von dem Zeug zur Wurst, zum Speck, zum Käse, zum kalten Braten oder was auch immer auf. Der Gropello ist wieder so ein Wein, für den ich viele andere, sogenannte “echte Kracher”, gerne stehen lasse und mich einfach dem unprätentiösen wie eigenständigen Charakter hingebe. 12 Euro kostet der Spass und der kann, so man Gefallen daran findet, richtig teuer werden.

Tipp: Aufmachen und mit 14-16º geniessen. Schälen Sie die Wurst, entrinden Sie den Käse und holen Sie den Braten aus dem Rohr. Oder machen Sie sich eine Flasche auf und verputzen diese weil gerade Dienstag oder Freitag ist.

Einen Bericht über den Gropello Garda Classico lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Garda Classico ‘Gropello’ DOC 2013 von Cristina Ingannis Cantrina in Brescia, Italien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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