Grêle 2012 – Der ‘Hagelwein’

| 8. April 2013 | 0 Kommentare ...alles

Der Wein der aus dem Hagel kam.

7 kurze Minuten genügten, um die Arbeit eines ganzes Jahres und damit die gesamte Lese zu vernichten. Beispiellos die Rettungsaktion, um den Totalausfall zu mildern.

Winzer/Weingut: Raimond Villeneuve, Château de Roquefort, Roquefort la Bédoule/Provence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von ‘gespendetem’ Lesegut 35 Winzer von der Provence bis zur nördlichen Rhône.

Grêle 2012 Flasche/Etikett: Im Gegensatz zu allen anderen mit dem goldenen Familienwappen der Roqueforts versehenen Etiketten, ist jenes des Grêles ein riesengrosses Dankeschön an alle Winzer welche es ermöglicht haben, dass es diesen Wein überhaupt gibt. Die ausdrucksstarke Typo ist die gleiche geblieben, über ihr sind in diesem Fall aber sämliche Winzer und deren Weingüter in knalligstem Rot angeführt, um diese a) zu würdigen und namentlich zu nennen und b) um auch auf die Einzigartigkeit dieser Respekt verdienenden Aktion hinzuweisen. Auch wenn alles kreuz und quer und völlig chaotisch einfach hingewürfelt aussieht, weist es auf perfekte Weise auf das Chaos hin, das die erwähnten 7 Minuten Hagel angerichtet haben. Ich persönlich werde mir das Etikett von einer der beiden Flaschen ablösen und es als ‘Sammelobjekt’ in Ehren halten. Das hat es sich verdient und sollte entsprechend gewürdigt werden.

Im Glas: Lachsrosapink mit einem leichten Stich ins zartorange steht der Grêle im Glas. Okay, die Farbbeschreibung mag ein wenig freaky sein, aber so schaut es nun mal aus im Becher.

In der Nase: Ungewöhnlich ist der Duft der aus selbigem aufsteigt. Da ist eine wunderbar vornehme Würze, welche von einem Ton begleitet wird der am ehesten an rosa Grapefruit und Mandelblüten erinnert. Die Frucht sticht richtig fein heraus und gibt ungemein viel Saft frei. Wunderbar geschmeidig ist diese fast schon florale Aromatik in der Nase. Leichte Orangennoten riecht man und insgesamt zeigt sich ein würzig-fruchtsüsser Duft dem man am liebsten noch stundenlang hinterher riechen möchte.

Im Mund: Knackig, frisch und frech würde den ersten Auftritt des Grêle auf der Zunge am treffendsten beschreiben. Knochentrocken nimmt er Platz und man schmeckt einen leichten Mandelton, der sich aber wie schon im Duft bemerkt, sein Dasein mit frischer rosa Grapefruit teilt. Einen ganz leichten, zarten salzigen Abfluss nimmt man an den Zungenrändern wahr, man spürt die herzhafte Würze im Mund ohne dass diese aufdringlich wirkt und man spürt die ausgeprägte Mineralik die in diesem Tropfen wohnt. Trocken wie ein Wüstenwind zieht der Grêle über den Gaumen, seift ihn im ‘Vorbeigehen’ mit seiner frechen, würzigen Fruchtsüsse ein und verdunstet förmlich noch bevor er sich saftig-frech verabschiedet. Im Nachhall blitzen noch einmal Grapefruit, Orangen und Pfirsiche hervor um sich endgültig in einer hauchzarten eleganten Herbheit aufzulösen.

Der Grêle macht richtig Spass im Mund, spielt gekonnt mit einer attraktiven und lebhaften Säure und lässt dabei sowohl Frucht wie auch Mineralik nicht zu kurz kommen. Was den Grêle vom ‘eigentlichen’ Rosé Raimond Villeneuves, den Corail, unterscheidet ist, dass der Grêle a) fruchtiger und lebhafter in der Säure ist und b) hauptsächlich von ausgeprägter Grapefruit dominiert wird bei gleichzeitiger, sehr auffälliger Mineralität. Der Corail gehört seit meiner ersten ‘Begegnung’ neben zwei, drei anderen Rosés aus der Provence zu meinen persönlichen Lieblings-’Rosaroten’ und der Grêle gehört ab heute definitiv zum Kreise dieser ausgewählten Favoriten.

Der Grêle ist der totale Charmeur, schmeichelt sich einerseits vorrangig mit süsser Frucht ein und macht sowie er im Mund ist augenblicklich auf herbe Schönheit. Lauren Bacall für Männer oder Sean Connery für Frauen, sozusagen. Der Grêle ist Charakterdarsteller mit Niveau und schreit (dank 35 helfender Beteiligter) seine ‘multiple Persönlichkeit’ lauthals raus. So fruchtig er im Mund ist, so herb und mineralisch ist er wenn er schon lange wieder weg ist. Man will mehr davon, will seine freche Säure auf der Zunge tanzen spüren und seinen sanftherben Film am Gaumen hinterher schmecken, man will diesen feinen Salzstich immer wieder am Zungenrand erleben und sich mit selbiger durch die frische Grapefruit bohren, um am Schluss auf eine attraktive Würze zu stossen.

Resümee: Auch wenn es draussen aktuell gerade einmal 4 Grad plus hat, der Grêle bringt schlagartig den Sommer in die Bude und für diesen sollte man sich, schon aufgrund der Umstände seiner Existenz, reichlich mit ihm eindecken. Denn eines ist sicher, sobald es mehr als 20º hat wird dieser Tropfen wie von selbst verdunsten. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass es diesen Wein 2013 zum ersten und zum letzten Mal geben wird. Ausser Raimond entscheidet sich von nun an jedes Jahr mit seinen ‘Helfern’ einen Memorial-Wine neben seinem ausgezeichneten Corail zu produzieren. In diesem Fall würde sich dann mein privater Bestellumfang verdoppeln.

Tipp: Ab ins Glas mit dem Tropfen und einfach Spass haben. 8-10º sind ideal. Zu Scampi, Lachs und Hummer, sowie zu gegrilltem Fisch und sonstigem Meeresungeziefer vorzüglich geeignet. Am besten solo weil gerade Dienstag oder Freitag ist. Geht auch am Donnerstag und am Sonntag sowieso.

Einen Bericht über den Grêle lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde der ‘Hagelwein’ Grêle 2012 vom Château de Roquefort in Roquefort la Bédoule in der Provence, Frankreich.

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Kategorie: Château de Roquefort, Verkostet

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