Graf Zweigelt 2007

| 18. April 2014 | 0 Kommentare ...alles

Charismatisch und voller Lebensfreude.

Hat das Zeug zum Star beim Gartenfest zu werden weil er leicht, fein, schlank und kühl ist. Zweigelt der richtig grossen Spass macht.

Winzer/Weingut: Weingut Muster, Leutschach/Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von den steinigen und kargen Opokböden der Lage Graf.

Graf Zweigelt Flasche/Etikett: Auf der dunkelbraunen Bordeauxflasche klebt das unverkennbare Etikett aus Beppo Pliems Serie ‘Horizonte’. Braun, gelb und ocker sind die Farben die das Meisterwerk dominieren, getrennt durch einen rostorangen Streifen in der Mitte, der die Grenze zum Horizont symbolisieren soll. Graf Zweigelt steht in gewohnter Weise in einer Carbon Type-Schrift in rotbraun im linken unteren Teil, rechts wieder das einem Brandzeichen gleichende Logo des Weinguts. Ich mag die Etiketten der Musterschen Weine. Sie strahlen Ruhe und Naturverbundenheit aus und vermitteln eindrucksvoll eine aufs Minimum reduzierte Darstellung von Landschaft. Am kleinen vanillegelben Rückenetikett steht wieder alles was an Informationen noch relevant ist, selbstverständlich das demeter-Siegel und auch hier wieder die Empfehlung der Trinktemperatur auf 16º. Mit schlanken 13% kommt Graf Zweigelt angeritten und gönnt sich noch für eine halbe Stunde ein Bad in der gräflichen Karaffe, um sich für seinen offiziellen Auftritt frisch zu machen.

Im Glas: Nicht wie erwartet blau, sondern in einer relativ hellkirschroten Robe mit einem klitzekleinen blauen Stich zeigt sich Graf Zweigelt im Glas.

In der Nase: Ungewohnt anders duftet es für einen Vertreter seiner Sorte in der Nase. Etwaige Fruchtaromen nimmt man nur dezent wahr, vielmehr konzentriert sich der edle Ritter auf seine kühle Aromatik mit der er die Nasenflügel hochzieht. Ein Hauch grüner Wiese steht im Glas, etwas Erdbeere, viel Kalk und Erde, eher würzig-frisch denn saftig-fruchtig. Graf Zweigelt spiegelt eher die Farbe grün denn rot wider, bietet etwas Lorbeer an und reduziert sich selbst auf kühle Eleganz. Zweigelt-Duft der ganz weit weg von ‘typisch’ ist.

Im Mund: So frisch und grün wie sich Graf Zweigelt in der Nase angefühlt hat, so stürmisch kommt er mit einem grossen Bottich lebendiger Säure auf die Zunge. Kaum hat sich diese vom ersten Zusammenziehen erholt, spürt man sehr präsente Gerbstoffe die sich eindrucksvoll über selbige wälzen. Sie rollt sich förmlich ein ob der frechen Säure, die gnadenlos dafür sorgt, dass einem augenblicklich der Speichel genau in ihrer Mitte zusammenläuft. Wer glaubt, dass dabei Frucht im Spiel ist, irrt. Es ist so karg wie der Boden dem Graf Zweigelt entstammt. Es ist kalkig, staubig, neblig. Erst ganz am Schluss darf die Erdbeere den Adjutanten spielen und sich kurz hervor wagen. Kaum hat der Graf ein wenig Luft geschnappt, legt er seinen Säuremantel ab und gibt mehr von seinem eigentlichen Charakter frei. Es wird mehr rot, das Grün weicht zurück und alles zeigt sich plötzlich wie von Zauberhand zu einem Ganzen zusammengefügt.

Immer mehr Fahrt nimmt Graf Zweigelt an der Luft auf. Er entfaltet sich immer mehr zu einem höchst aromatischen und sehr kühl wirkenden Edelmann, dem es ganz wichtig ist Lebensfreude zu versprühen. Am Gaumen ist er kalkig, zieht wie eine weisse Nebelwolke über ihn hinweg und hinterlässt dabei den Eindruck als ein vom Kalk geadelter Tropfen. Hinter den Lippen, ganz verhalten, duellieren sich kaschmirartige Gerbstoffe mit dem Rest von Säure und haben ihren Spass dabei. Die Zunge ist erfreut weil sich Graf Zweigelt ungemein schlank und kühl auf ihr bewegt. Und plötzlich merkt man, dass man in der ganzen Zeit keinen einzigen Gedanken daran verschwendet hat aus welchem ‘Stall’ der Graf kommt. Es wird zur Nebensache, es ist egal ob er aus dem Hause Zweigelt oder sonst woher kommt. Er ist einfach in seiner Art faszinierend und beeindruckt mit territorialer Herkunft und nicht mit Abstammung.

Resümee: Nach einer Stunde an der Luft spürt man wie sich der Graf verwandelt hat. Man schmeckt jetzt einen Hauch von roter Frucht, ein Schuss Lorbeer und frisches Wiesengras ist mit dabei und alles ist wunderschön eingebettet in einer kalkig weissen Aromatik. Man schmeckt die Erde, man spürt sie und man ist begeistert wie feingliedrig sich alles auf der Zunge anfühlt. Trotz allem hat Graf Zweigelt Struktur, ist alles andere als mager. Er hat Charisma, ist ‘typisch adelig’ ein wenig ‘unterkühlt’ und trotzdem elegant und schmeichelnd. Er hat das Zeug zum Star beim Gartenfest zu werden weil er leicht und fein, schlank und kühl und vor allem äusserst lebenslustig ist. Graf Zweigelt schert sich nicht um all die anderen die gleicher Abstammung sind, er macht sein eigenes Ding und das ist einfach grossartig. Zweigelt mit Anspruch und Persönlichkeit. Kaufen, trinken, Spass haben!

Tipp: Eine Stunde Luft sollte man ihm gönnen. Die empfohlenen 16º sind perfekt. Passt hervorragend zu allen leicht rustikalen und regionalen warmen und kalten tierischen Kreationen. Als Alleinunterhalter ein perfekter Alleinunterhalter, in den man sich sehr leicht sehr rasch verlieben könnte.

Einen Bericht über den Graf Zweigelt lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Graf Zweigelt 2007 von Maria & Sepp Muster vom Weingut Muster in Leutschach in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Muster, Verkostet

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