Gondorfer Gäns 2010 Alte Reben

| 1. Februar 2015 | 0 Kommentare ...alles

Orkan von Aromen.

Fruchtig, salzig, mineralisch, würzig, rauchig; alles auf einmal. Ein Wein der Luft und Zeit braucht um dann im Mund zu explodieren.

Winzer/Weingut: Lubentiushof, Niederfell an der Mosel, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der steilen Schiefer-Terrassenlage Gäns über der Mosel.

Gaens Alte Reben Flasche/Etikett: Das schmale und hohe Etikett das auf der grünen Flasche klebt sieht auf den ersten Blick relativ unscheinbar aus. Oben steht in goldener Schrift LUBENTIUSHOF und in der Mitte, auf einem Gewusel von feinen blauen Linien, ist GÄNS ALTE REBEN 2010 eingedruckt. Erst beim zweiten hinschauen erkennt man, dass es sich bei den Linien und eine geologische Karte handelt, welche in diesem Fall die Lagen Gäns und Niederfell, wie hier klar erkennbar, zeigt. Getrennt durch zwei goldene Linien, welche die Mosel und ihren Verlauf durch das Gebiet darstellen. Unten steht noch Riesling drauf und damit hat es sich auch schon. Am kleiner gehaltenen Rückenetikett erfährt man wieder alles was sonst noch von Wichtigkeit ist. Vor allem die vollständige Bezeichnung der Lage, Gondorfer Gäns, für alle die mit der GÄNS am vorderen Etikett nicht allzu viel anfangen können. Eingefasst ist die Flasche mit einer silbernen Halsmanschatte was für zusätzliche Eleganz sorgt. Für eine halbe Stunde wandert auch der Gäns in die Karaffe um ein wenig durchzuatmen. Angetrunken wird er aber, wie schon der SPONTAN, direkt nach dem Öffnen.

Im Glas: Gold in flüssiger Form scheint im Glas zu stehen. 999er Legierung, rein und edel. Zarter grüner Schimmer leuchtet mit.

In der Nase: Kaum steckt die Nase im Glas, dampft einem pures süsses Extrakt in selbige. Zerquetschte Marillen und eine Wagenladung Honig ziehen sich intensiv die Nasenflügel hoch. Unterfüttert von einer dunklen rauchigen Würze, von Schiefer und all dem Kraut das es geschafft hat auf diesem Boden zu überleben. Man kann den Gäns schon schmecken noch bevor man überhaupt nur die Zungenspitze damit benetzt hat. Als würde sich der Geruch bereits in der Nase verflüssigen, so fühlt sich das hier an. Mit viel schwenken und ein wenig Luft nimmt die Süsse ab und alles zeigt sich würziger und mineralischer im Riechorgan.

Im Mund: Kaum ist der Gäns im Mund, explodiert er förmlich. Man kommt gar nicht nach mit sortieren, katalogisieren und Aromen trennen. Da ist Honig satt im Mund, da sind vollreife Marillen drin, da tanzt eine lustige Säureader auf der Zunge und am Ende meint man eine mit Quittenmarmelade bestrichene Schieferplatte abzulecken. Ist das süss, oder ist es nur das pure Extrakt das auf der Zunge steht? Ist das trocken, halbtrocken oder was auch immer? Es ist einfach gnadenlos konzentriert und am Gaumen haftet ein Film der sich nicht mehr auflösen, nicht mehr abgehen will. Interessanterweise zeigt sich die kecke, salzig schmeckende Säure erst im Abgang so richtig, wenn sie plötzlich nach vorne drängt, sich über die Zungespitze her macht und unter ihr ausbreitet. Ein Orkan von Aromen und Gefühlen weht im Mund und sorgt für mächtig Druck in der Futterluke.

Bei aller Extraktdichte die der Gäns im Mund präsentiert, je mehr Luft er bekommt umso mineralischer wird er. Der Schiefer kommt immer mehr durch, die Würze nimmt zu und in Verbindung mit den süsslichen Fruchtaromen ergibt das eine Kombination, die einen nur mehr staunen lässt. Auf der Zunge zwar butterweich, dabei aber doch recht straff, am Gaumen salzig-mineralisch und ewig haften bleibend. Und immer da, wenn auch niemals vordergründig, die Kräuter die sich zwischen dem Geröll ihren Weg an die Oberfläche erkämpft haben. Der Gäns braucht Luft, je mehr umso besser, wird mit ihr immer faszinierender. Erst jetzt nimmt man auch die feinen Hefenoten wahr die zu Beginn im Extrakt untergegangen sind. Jetzt nach einer Stunde ziehen sie leise über die Zunge und den Gaumen. Und erst jetzt beginnt der Gäns “trockener” und auch kühler zu werden. Apfelaromen tauchen plötzlich auf, auch Zitrusfrüchte mischen auf einmal mit. Der Gäns “geht auf” und beginnt sich von seiner schönsten Seite zu zeigen. Ich gebe ihm noch eine Stunde und bin sicher, dann einen völlig anderen Wein im Glas zu haben.

Knackig, frisch und straff zeigt sich der Gäns nach weiteren zwei Stunden. Er ist rauchiger geworden, dunkler und noch mehr vom Boden dominiert. War der Honig zu Beginn goldig, so ist er jetzt zu dunklem Waldhonig geworden, waren die Marillen matschig, so sind sie jetzt gedörrt. Die Würze ist kräftiger, die Mineralik erheblich ausgeprägter. Der Gäns macht immer mehr Spass. Auf der Zunge nach wie vor hoch konzentriert, dichtes Extrakt, aber geschliffener, feiner geworden. Beeindruckend. Am Gaumen nicht mehr füllig sondern klar wie ein Gebirgsbach, fein und elegant. Die Säure wunderbar dosiert und spritzig frech. Erst im Abgang wieder die pure Frucht, verwoben mit dem warmen Schiefer und der “Ertragsarmut” von teilweise 100 Jahre alten Reben. Und immer wieder diese “Kräutrigkeit”, die nicht wirklich grün, sondern irgendwie eine Kombination von Löwenzahn auf Stein ist.

Resümee: Der Gäns ist fruchtig, salzig, mineralisch, würzig, rauchig; alles auf einmal. Ein Wein der Luft und Zeit braucht um sich in seiner vollen Pracht zu zeigen. Und wenn sich wieder einmal wer beschwert wenn eine Flasche 20 Euro kostet, dann sollte der einmal versuchen die Lage einfach hoch zu gehen. Von arbeiten auf solchen Neigungen rede ich dabei noch gar nicht. Geniessen Sie diesen “steilen” Tropfen. Am besten mit dem Video von Helmut Knall von Wine-Times.

In der Gäns. from Wine-Times.

Tipp: Kosten Sie ihn nach dem Öffnen und geben Sie ihm dann mindestens zwei Stunden in der Karaffe. Geniessen Sie ihn am besten mit 8-10º. Küchentechnisch empfehlenswert zu Wild- und Wildgeflügel-Kreationen. Oder einfach als Belohnung solo ohne alles.

Einen Bericht über den Gäns lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Gondorfer Gäns 2010 Alte Reben vom Lubentiushof in Niederfell an der Mosel, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Lubentiushof, Verkostet

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