Getariako Txakolina ‘Adur’ 2011

| 27. August 2012 | 0 Kommentare ...alles

Völlig neues Mundgefühl.

Salzig, frisch und voll überschäumender Lebensfreude zeigt sich ein Baske, den man als perfekten Sommerwein auf keinen Fall mehr missen möchte.

Winzer/Weingut: Maitena Barrero und Héctor Gomez, Getaria, Baskenland.

Lage/Herkunft: Von Terrassen im Hügelland der Pyrenäen bei San Sebastian in Getaria. Wird im Pergola-System auf Terrassen direkt am Meer angebaut.

Flasche/Etikett: Schon die Flasche ist eine unübliche Erscheinung. Keine klassische Bordeauxflasche, sondern am Hals fast rechtwinkelig ausladend und erst dann schnurgerade abfallend. Das Etikett das drauf klebt lässt eher Tequila als Wein in der Flasche vermuten und insgesamt vermittelt die prägnante Grafik eher mexikanisches Flair als atlantische Lebensart. Eine echt erfreuliche, vor allem erfreulich andere Erscheinung im Einerlei der uniformen Flaschentristesse.

Das Rückenetikett sieht aus als würde es hier um Olivenöl gehen, doch finden sich darauf die nötigen Informationen über diesen eigenwilligen ‘Basken’. Für diese erfrischend andere Erscheinung gibt es schon mal einen nach oben gerichteten Daumen inklusive einer Baskenmütze. Und weil der Txakolina ein frischer und fröhlicher Geselle ist, kommt er unverzüglich in die leeren Gläser. Zwar nicht so wie es sich gehört, das würde hier bei uns bestenfalls zu einer grossen Sauerei führen, sondern zivilisiert und aus ‘akzeptabler Höhe’. Dafür aber der ‘Sitte’ entsprechend schon am späten Vormittag, nur ohne Mütze.

Im Glas: Farblich zeigt sich unser Baske fast in weiss, wie ausgebleichtes Stroh, so als hätte man die Reben gerade mal an ihm vorbei getragen. Viel heller geht nicht mehr und es perlt leicht im Glas. Nach dem Einschenken blubbert es richtig darin und eine feine Gischt bildet sich.

In der Nase: Wer nun glaubt, dass hier was expressives aus dem Glas hüpft täuscht sich aber. Vielmehr riecht es wunderbar salzig und sehr spartanisch. Frisch riecht es, animierend riecht es und den Mund setzt es unter Wasser. Keine Nase für Schnüffler, aber wer das salzige Aroma in Weinen mag der wird selbige sehr oft ins Glas tauchen. Man fühlt sich wie am Meer und erinnert sich unweigerlich daran wie frische Gischt riecht.

Im Mund: Und dann das grosse Hallo! Kaum ist der Wein im Mund zieht es einem augenblicklich die Wangen zusammen. Der erste Eindruck ist schlicht und einfach: Salzig & Sauer! Wer sowas nie zuvor getrunken hat, der steht nach dem ersten Schluck komplett neben den Schuhen. Aber sauer macht lustig sagt man und nimmt man einen zweiten, dritten, durchaus kräftigen Schluck und lässt den Txakolina seine ‘Arbeit’ tun, dann freundet man sich rasch mit diesem aussergewöhnlichen und exaltierten Geschmackserlebnis an. Es ist dieses lebendige, frisch-fröhlich-freche Gefühl im Mund das er hinterlässt. Er ist äusserst schlank in der Struktur und dabei trocken wie die Sahel-Zone. Sogar leicht pikant ist er und vor allem weich, trotz seiner lebhaften Spritzigkeit.

Der Txakolina ist geschmacklich wesentlich schwerer zu beschreiben als das Gefühl das er vermittelt in Worte zu fassen. Das fällt einem leicht weil er so anders, so unüblich, so beeindruckend ist. Es ist fast wie im Urlaub. Wenn man das erste Mal wieder ins Salzwasser hüpft und den ersten ‘Schluck’ davon nimmt… sie kennen das. Sobald man aber öfter unter Wasser war hat man sich daran gewöhnt und man schmeckt ganz einfach Urlaub und Vergnügen. Der Txakolina ist so ähnlich. Man wird ihn einfach lieb gewinnen und ihn in vollen Zügen geniessen wollen.

Wein der polarisiert und fasziniert

Ein wenig Angst macht die Erkenntnis, dass der Tropfen förmlich verdunstet im Glas und man merkt, dass man selbst mindestens die doppelte Menge pro Schluck zu sich nimmt als man es mit ‘normalem’ Wein sonst tut. Der Txakolina ist kein Wein zum Nippen, vergessen sie das gleich wieder. Der Txakolina ist ein Wein zum Trinken, unbedenklich auch in grösseren Dosen, mit vollem Mund und in vollen Zügen. Die 11% die er im Gepäck mit sich führt sind mehr als vernachlässigbar und niemand muss sich ob möglicher Spätfolgen Kopfzerbrechen machen.

Txakolina polarisiert, das steht ausser Zweifel. Gerade in unseren Breiten und mit unserem konditionierten Geschmacksempfinden wie ‘guter Sommerweisswein’ schmecken muss, hat er sicher keinen leichten Stand.

Resümee: Geben Sie diesem Basken eine Chance und erleben Sie wie fantastisch erfrischend, wie spielerisch, leichtfüssig, unkompliziert, fröhlich und vor allem bezaubernd anders seriöser Weingenuss sein kann. Die Haptik wirklich nachvollziehen zu können die der Txakolina vermittelt ist sowieso nur jenen vorbehalten, die gewillt sind ihren Horizont ohne Vorurteile zu erweitern und sich auf Neues einfach einlassen. Um 12,50 Euro gibt es dieses grosse regionale Weinvergnügen zu erleben und lassen Sie sich eines gesagt sein: Machen Sie immer zwei Flaschen von diesem Basken auf, denn mit einer verhält es sich so wie mit den Beinen. Auf einem steht es sich ein wenig schlecht.

Tipp: 8º sind fein und wenn Sie Fisch und Griller haben kann nichts mehr schief gehen. Ebenso zu Salaten sowie zu Salzgebäck ein Volltreffer. Insider-Tipp: Immer zwei der Flaschen aus dem Baskenland aufmachen; mit einer verdursten Sie elendiglich.

Einen Bericht über den Txakolina Adur lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Getariako Txakolina ‘Adur’ 2011 von Adur, Barrero y Gomez aus Getaria im Baskenland. Bei diesem Wein handelt es sich um einen aus eigenem Bestand. Hier die entsprechende Bezugsquelle dazu: Getariako Txakolina ‘Adur’ (K&U Weinhalle)
Von uns eingekaufte Weine werden je nach Lust und Laune und vor allem Zeit, zwischendurch verkostet und es wird ausserhalb offizieller Sortimentsverkostungen und Verkostungsrunden darüber berichtet.

Tags: , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

Ihr Kommentar