Furmint 2013

| 30. Juni 2014 | 0 Kommentare ...alles

Butterweiche Blütendominanz.

Vom Mundgefühl her ein Wein, den man eher im Mâconnais im Burgund als in der Steiermark ansiedeln würde.

Winzer/Weingut: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf/Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Vom Weingarten Buchertberg mit tertiären Sedimenten, braunem Opok und kalkhaltigem Sandstein.

Furmint 2013 Flasche/Etikett: Waren die bisherigen Etiketten der Lamprecht’schen Weine noch mit Farbe versehen, so ist die gesamte weisse Range seiner Weine mit schlichten Teilen in schwarz/weiss beklebt. Reinweiss ist das Stück Papier das auf der Burgunderflasche klebt, mit grossen Lettern HERRENHOF LAMPRECHT in zwei Zeilen aufgedruckt. Darunter FURMINT ebenso in Kapitalen und vor dem Jahrgang die unweigerlichen Slashes, die auch in dieser Serie wieder auf die Internetaffinität von Gottfried Lamprecht hinweisen. Links am Rand eine Strichzeichnung mit grauen Elementen und oberhalb der Spruch Truly, this is Furmint! Mehr gibt´s dazu auch nicht zu sagen. Wie üblich steht der Rest nicht im Prospekt, sondern am rechten Rand des in einem Stück durchgehenden Etiketts. QR-Code und jede Menge Logos und Siegel springen einem dort entgegen, der Slogan Let´s go old school FIRST VINTAGE kündigen die ‘Premiere’ dieses Weins an. Das war´s dann auch schon und deshalb kommt der Furmint ohne weitere Verzögerung ins frisch polierte Glas.

Im Glas: Strohgelb trifft die Farbe in welcher der Furmint seine Runden im Glas dreht wohl am besten.

In der Nase: Blütenduft kommt einem entgegen, schon lang bevor man seine Nase in den Becher steckt. Es duftet nach Wiese, nach Butterblume und auch ein ‘Schuss Grün’ ist dabei. Dreimal geschwenkt (nicht gerührt) und schon zeigt sich der Duft weich und mild in der Nase. Als hätte man das Gras aus ihm raus geschüttelt. Blumig riecht es jetzt, Dotterblumen erheben sich und verleihen dem Furmint eine leichte gelbe Aromatik. Ein schöner Duft, allemal. Feine Honignoten nimmt man wahr, etwas Butterkeks und auch viel Sand, nicht im Getriebe, sondern in der Nase. Ein Duft der Lust auf mehr macht.

Im Mund: Weich und mild kommt der Furmint auf die Zunge. Überraschend weich und mild. Obwohl mit einer recht attraktiven Säure gesegnet, fühlt sich der Wein alles andere als rassig oder pulsierend an. Vielmehr wundert man sich wie sehr die Säure in diesem weichen Körper integriert ist. Als würde man sich erst wie bei einem Lutschbonbon zum Kern durcharbeiten müssen. Dabei steht der Furmint fast cremig auf der Zunge und erst wenn er über die Zungenränder abfliesst spürt man den frechen Säurebiss. Neckisch, lebhaft und mundwässernd. Ein paar Sekunden später schmeckt man den Butterkeks und auch die Dotterblume. Eine sehr harmonische Kombination, die sich auch im Abgang noch lange am Gaumen hält und ebenso lange nachweht. Viel Blütendominanz auf den ersten Eindruck, viel weisser Boden, Staub und Nebel treibt sich im Mund herum und sorgt mit butterweichem Kern für Staunen.

Mit etwas Luft wird der Furmint plötzlich karger, lässt mehr den Kalk raushängen und präsentiert sich auf einmal richtig ‘staubig’ und trocken. Nach wie vor wunderbar mild im Mundgefühl zeigt er jetzt ein paar fein geschliffene Kanten, wirkt plötzlich wie der Geist vom Kalk und schindet damit mächtig Eindruck. Auf einmal erinnert mich der Furmint ans Mâconnais, nur mit etwas mehr Säure und etwas mehr Honig. Vom Mundgefühl her aber, von der vollständigen geschmacklichen Wahrnehmung, bin ich jetzt eher im Burgund als in der Steiermark. Nach einer Stunde offen trinkt man Boden pur, unterfüttert mit weissen und gelben Blüten, weich, mild und cremig auf der Zunge wie auch am Gaumen. Bevor Bahlsen die nächste Charge Butterkekse produziert, sollte man sich dort eine Flasche dieses Tropfens gönnen um zu wissen, wie das mit dem Butterkeks so geht. Und was es heisst charaktervoll zu stauben.

Immer besser, immer klarer strukturiert wird der Furmint an der Luft. Auf der Zunge spürt man ihn immer mineralischer, immer trockener, immer ‘weisser’. Was zu Beginn an Blüten da war hat sich ziemlich zurück gezogen, es regiert der Boden und am Gaumen weht der Tropfen kalkig, weiss und staubig vorbei. Trocken wie ein Papiertaschentuch, klar und doch mit jener Dosis an Säure, die dem Wein Lebensfreude einhaucht. Im Mund merkt man wie sehr sich der Wein verändert hat, wie gekonnt er es schafft, diese anfängliche Blütendominanz nun mit einer weissen Mineralik zu verbinden, die ihn wahrscheinlich blind verkostet niemals nicht im grünen Herzen Österreichs ansiedeln würde.

Resümee: Der Furmint ist für mich eine der freudigen Entdeckungen der letzten Zeit. Einerseits wegen seiner Trinkigkeit und seines Mundgefühls, andererseits wegen seiner Charakteristik. Nicht einmal 11 Euro kostet dieser Tropfen und mir persönlich tut es leid, dass er schon wieder ‘alle’ ist, weil ich davon gerne wenigstens eine Kiste im Kühler haben hätte wollen. Der Furmint Gottfried Lamprechts reisst mich wieder mal zu einem meiner Lieblingssätze hin, der hier so herrlich dazu passt: “Hört endlich auf permanent nur den Anspruch und die Message eines Weins zu suchen. Macht einfach mal die Flasche auf und trinkt sie weg. Mit Lust und Spass und Freude am Genuss.”

Tipp: Eine Stunde an der Luft lässt ihn richtig wachsen. Um die 12º geniessen. Küchentechnisch vielfältig einsetzbar und als Solist eine echte Überraschung.

Einen Bericht über den Furmint lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Furmint 2013 vom Herrenhof Lamprecht aus Markt Hartmannsdorf in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Herrenhof Lamprecht, Verkostet

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