Fino del Lagar “Electrico”

| 5. Juni 2018 | 0 Kommentare ...alles

Fino der elektrisiert

Das ist Fino auf höchstem Level; Weltklasse. Und wer ganz mutig ist, gerade jetzt im Sommer, wirft eine Scheibe Zitrone oder Limette rein und staune.

Winzer/Weingut: Bodega Toro Albalá, Aguilar de la Frontera, Córdoba, Spanien.

Lage/Herkunft: Von kargen pulverig weißen Albariza-Böden von Montilla-Moriles.

Electrico 2017 Allgemeines: Sherry und Andalusien gehören zusammen wie Brot und Butter. Pedro Ximenez (PX) heisst die Rebsorte, die für die weltbekannten und unverkennbaren Süssweine dieser Region verantwortlich zeichnet. Doch muss es nicht immer süss sein, es geht auch trocken. Und zwar richtig trocken. Zu vergleichen mit einem guten Sherry, und hier kommt das Wort Amontillado ins Spiel. In Antonio Sanchez Romeros Bodega Toro Albalá, die in Spanien den allerbesten Ruf besitzt, keltert man aus Pedro Ximenez den legendären hellen und knochentrockenen Fino “Electrico”, der nach dem ehemaligen Elektrizitätswerk, in dessen Gemäuern er auch produziert wird, benannt ist. Zehn Jahre hat der Electrico in der Solera verbracht (ohne aufgespritet zu werden) und dort seine natürlichen 15 Vol.% durch die natürliche biologische Reifung unter der Florhefeschicht erreicht. Heute kommt der Electrio ins Glas und ich bin gespannt, wie “elektrisierend” diese trockene Legende wirklich ist.

Im Glas: In hellem strohgelb dreht der Electrico seine Runden im Glas.

In der Nase: Was aus diesem in die Nasenflügel strömt ist mehr als schön. Reinsetzen möchte ich mich am liebsten. Braune Walnuss, viel Hefe, Haselnuss und ein Tick Nelke sorgen für diese einzigartige Aromatik in der Nase. Man fühlt sich auf der Stelle nach Andalusien versetzt, auf die Terrasse, von welcher man aus den wilden Pferden bei ihrem Treiben zusieht. Und glücklich an seinem Sherry nippt. Ein wunderbarer Duft der zum Träumen einlädt.

Im Mund: Geht´s noch trockener? Unmöglich. Der Tropfen staubt vor lauter Trockenheit. Das ist der totale Hammer. Würzig kommt er auf die Zunge, salzig ist er, im Hintergrund marschieren Mandeln auf und ab, am Gaumen herrscht die absolute Dürre. Man bemüht sich so etwas wie Feuchte zu finden, doch nichts davon ist da. Das ist das Trockenste das ich je im Mund hatte. Und doch zeigt der Electrico Textur, subtil nur, aber doch. Die Zunge spürt, dass etwas auf ihr steht, nimmt etwas Salz und Nuss und Hefe wahr, und fragt sich leise, wann es endlich nass auf ihr wird. Worauf sie lange warten kann, weil dieser Kerl einfach nicht gewillt ist auch nur den Ansatz von Feuchtigkeit zu versprühen. Was für ein Auftritt.

Der Nachteil dieses Elixiers ist augenblicklich ausgemacht; man nippt ständig an seinem Glas, man versucht irgendwie einen Tropfen “nass” aus dem Electrico zu pressen, man schmeckt, dass man Flüssigkeit im Mund hat … und doch vertrocknet man während des Trinkens. Das Zeug verdunstet förmlich, löst sich auf, kommt auf die Zunge und ist auch gleich wieder weg. Der Gaumen schreit nach mehr von diesem extrem kalkig-staubigen Etwas das ihn einstreift und dort haften bleibt. Die Zunge würde, könnte sie, Purzelbäume schlagen, versuchen sich in dem Saft, der durchaus zu erkennen ist, einzugraben. Doch ist der Electrico so gnadenlos trocken, dass man dazu am besten ein Glas Wasser reicht um wenigsten ´ne Ahnung zu bekommen wie sich nass anfühlt.

Interessant wird es sobald der Electrico ein wenig Temperatur und Luft bekommt. Dann wird er richtig herb, man schmeckt ein wenig Nelke, auf einmal spürt man so etwas wie Körper. Er wird mandeliger und auf der Zunge scheint es, als würde man nun doch ein wenig Feuchtigkeit spüren. Der Abgang wieder pure Trockenheit. Staubig, kalkig, zärtlich hefig. Das ist Fino auf höchstem Level, das ist einfach Weltklasse. Und wer ganz mutig ist, gerade jetzt im Sommer, der wirft eine Scheibe Zitrone oder Limette in den Electrico rein und staune. Es ist unglaublich was diese paar Tropfen Zitrusfleisch ausmachen.

Resümee: Der perfekte Aperitif auf der Terrasse, vor dem Essen, im Liegestuhl oder wo auch immer. Versuchen Sie es und ich verspreche Ihnen: Das passt und Sie werden begeistert sein. Der Electrico ist in der Tat elektrisierend. Darauf noch ein Glas.

Tipp: Flasche auf und ab ins Glas damit. 5-7º sind perfekt. Passt wunderbar zu Salzigem, zu Tapas, zu gegrilltem Fisch und frischem Käse. Als Aperitif unschlagbar. Mit einer Scheibe Zitrone oder Limette drin der totale Überflieger.

Einen Bericht über den Electrico lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

Electrico
Wein: Fino del Lagar “Electrico”
Winzer: Bodega Toro Albalá
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: sofort
Anbau: Manuvin®
Ausbau: Trad. Holzfass
Besonderes: zehnjähriges Solera-Verfahren
Dekantieren: Nein

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

Tags: , , , , , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

Ihr Kommentar