‘Ebenthaler Lagen’ 2013 Grüner Veltliner

| 11. Juli 2014 | 0 Kommentare ...alles

Die Kunst des Spagats.

Schafft es gekonnt reifes Steinobst mit ausgeprägter Würze harmonisch unter einen Hut zu bringen und dazu noch eine knackig frische Säure mitzuliefern.

Winzer/Weingut: Herbert Zillinger, Ebenthal, Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von den ‘Ebenthaler Lagen’ im niederösterreichischen Weinviertel.

Grüner Veltliner Ebenthaler Lagen Flasche/Etikett: Bestens bekannt ist in der Zwischenzeit das mit seinen verschlungenen Ornamenten bedruckte Etikett, das auf der Burgunderflasche klebt. Oben und unten jeweils eingefasst von einem überdimensionalen Z, steht in dem floral wirkenden ‘Gestrüpp’ in der Mitte in orange Ebenthaler Lagen. Ausserhalb, am unteren Rand ebenfalls in orange Grüner Veltliner in Grossbuchstaben und in schwarz Weingut Herbert Zillinger. Unverkennbares Design, leicht und frisch und unverwechselbar. Am Rückenetikett, das oben und unten ausgestanzt ist wie eine Briefmarke erfährt der Weinfreund zuerst ganz oben, dass es sich um einen Wein der ‘Gattung’ Weinviertel DAC handelt und darunter alles über die Philosophie die hinter den Weinen der Ebenthaler Lagen steckt. Am Ende noch das an Zorro erinnernde Logo, ein QR-Code und fertig ist die Infoplakette. Leichte 12%vol. kündigen ein ebenso leichtes Trinkvergnügen an und weil der Wein perfekt gekühlt ist, kommt er ohne weitere Verzögerung direkt ins polierte Glas.

Im Glas: Kraftvoll strohgelb in der Farbe steht der Wein im Glas. Goldene Schimmer leuchten auf.

In der Nase: Kraftvoll und dicht strömen bereits gelbe Fruchtaromen die Nasenflügel hoch. Reif, saftig, würzig. Viel Steinobst steht im Kelch, noch mehr charaktervolle Würze, die den Duft erst so richtig ‘anschiebt’. Rein vom Geruch her würde man nicht tippen, dass hier nur 12% ihre Runden drehen. Es riecht erheblich kräftiger und opulenter. Mit etwas Luft und einigen Schwenkungen wird es etwas zitroniger in der Nase, etwas kräutriger und einen Tick ‘grüner’. Eine pikante Wolke zieht die Nase hoch, neckt mir frischer gelber Aromatik und wirkt jetzt insgesamt leichter als zu Beginn. Weisse Blüten tauchen auf, eingebettet zwischen einer Wagenladung Steinen.

Im Mund: Relativ weich, aber mit jeder Menge rassiger Säure im Kern kommt der Tropfen auf die Zunge. Man schmeckt viel Steinobst, kaut am Pfirsich und an der Marille, merkt wie reif alles ist und schon ist auch der Säurebeutel da, der sich herzhaft und keinesfalls bescheiden über den Zungenrändern entleert. Pikant-würzig steht der Wein dann im Mund, wirkt rassig, ist mineralisch und fühlt sich trotz seiner extraktreichen Art sehr leicht im Mund an. Er kommt druckvoll auf die Zunge, löst sich aber sehr rasch in ein feines, elegantes Maul voll Wein auf. So aromatisch er auf den ersten Eindruck erscheint, so sehr definiert sich der Grüner Veltliner Ebenthaler Lagen über seine ausgeprägte Würze und seine Mineralik. Er hat auch jenen Pfeffer im Köcher, der Grünen Veltliner erst zu ‘richtigem’ Grünen Veltliner macht. Knackig ist er im Mund, gelb in der Aromatik, saftig und doch schlank im Gefühl und am Gaumen trocken, würzig und lang anhaltend.

Der Wein braucht Luft. Dann dreht er nach einer halben Stunde richtig auf im Mund. Ungemein mineralisch breitet er sich auf der Zunge und auch am Gaumen aus, zeigt dabei wie furztrocken er eigentlich ist und wie man trotzdem Saft darin verstecken kann. Es fühlt sich alles rund (mit Ecken und Kanten) an, man spürt Druck der keiner ist und man glaubt definitiv mehr im Mund zu haben als man tatsächlich hat. Herbert Zillinger sagt von diesem Wein, dass er herzhaft sei. Damit hat er zu 100% recht. Bei all dieser Herzhaftigkeit verliert der GV Ebenthaler Lagen aber niemals seine Eleganz, weiss, dass Würze mehr als Frucht beeindruckt und dass Pfeffer das ist, was Grünen Veltliner so unverwechselbar macht. Am Ende hat der Tropfen auch noch jenen berühmten Tick von ‘resch’, der ihn dank seines wunderbaren Säurespiels zu einem lebendigen Vertreter seiner Gattung macht.

Ich muss zugeben, dass ich mich an diesem Wein bereits vor einiger Zeit ‘vergangen’ habe und schon da hellauf begeistert war. Allein schon deshalb, weil es Herbert Zillinger mit diesem ‘Doch-noch-nicht-Lagen’-Veltliner perfekt schafft, reifes Steinobst mit ausgeprägter Würze harmonisch unter einen Hut zu bringen und knackige Säure auffährt, die trotzdem ein relativ weiches Mundgefühl zulässt. Herrlicher Pfeffer, elegante Mineralik, Rasse auf der Zunge und am Gaumen saftig und doch furztrocken.

Resümee: Der Grüner Veltliner Ebenthaler Lagen schafft einen Spagat der alles andere als einfach ist. Er sorgt für ein rundes wie erfrischendes Mundgefühl, regt den Speichelfluss an und bremst ihn im selben Augenblick. Das ist Grüner Veltliner der nicht nur einfach Spass macht, sondern auch noch mit richtig Charakter punktet. Die läppischen 10 Euro die der Tropfen kostet, sollten ihn tatsächlich zu einem Kumpel für den weinigen Alltag werden lassen können. Oder so.

Tipp: 30 Minuten in der Karaffe sind fein. Legt an der Luft zu. 9-11º Trinktemperatur sind empfohlen und perfekt. Eher 11 als 9. Ist eine Bank zu Salaten, Fisch, hellem Fleisch und natürlich zum unausrottbaren Wiener Schnitzel und Backhendl. Macht als Solist völlig unkompliziert grossen Spass.

Einen Bericht über den GV ‘Ebenthaler Lagen’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner ‘Ebenthaler Lagen’ 2013 vom Weingut Herbert Zillinger in Ebenthal im Weinviertel, Niederösterreich.

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Kategorie: Verkostet, Zillinger

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