Dürrau 2011 Blaufränkisch

| 2. April 2015 | 0 Kommentare ...alles

König Kirsche führt das Zepter.

Da ist was Grosses im Mund, etwas das noch nicht wirklich weiss wie gross es einmal wird. Berauschend, betörend, verzaubernd, grandios.

Winzer/Weingut: Weninger, Horitschon, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Dürrau in Horitschon mit besonders schwerem und tiefgründigem Lehmboden mit hohem Tongehalt.

Dürrau Flasche/Etikett: Im gewohnten unverwechselbaren Design ist das Etikett gestaltet, viel interessanter ist jedoch die, rechtzeitig zum grossen Finale vorliegende, ‘Entschlüsselung’ der Botschaft hinter den ominösen Kreisen. Martin Weninger hat mir bestätigt, dass ich mit meiner Interpretation der Sonne gar nicht so falsch gelegen bin. Die acht ausgestanzten Kreise stellen die Planeten dar die Einfluss auf unser aller Leben nehmen und der rote strahlende Ring symbolisiert tatsächlich die Sonne. Gleichzeitig steht dieser auch für das ‘Sonnenland’ als welches das Mittelburgenland allgemein bekannt ist. Unten wieder schlicht und einfach Dürrau und der Jahrgang, 2011. Am linken äusseren Rand liest man wieder alles was man sonst noch wissen sollte, inklusive dem Hinweis auf die Spontanvergärung. Der rote Aufdruck 1777/2500 bezeugt, dass ich die Nummer 1777 von den hergestellten 2500 Flaschen habe und dieser wird jetzt auch der Kork gezogen. Für eine Stunde wandert der Dürrau vorher noch in die Karaffe um sich ein wenig an die Stadtluft zu gewöhnen.

Im Glas: Rot wie Blut steht der Dürrau im Glas, wirkt dicht und konzentriert.

In der Nase: Extrem würzig dampft einem der Wein in die Nase, man riecht die Kraft die in ihm steckt. Ganz viel dunkle Waldbeeren, vor Saft triefende Kirschen, schon leicht angedörrt. Leicht kräutrig und auch lehmig. Schlehen riecht man und eine Wagenladung warmer weicher Erde. Es ist ein intensiver Duft, ganz hinten leichte Pikanz und unheimlich viel Kirsche. So wie sich das alles in der Nase anfühlt kommt da alles, nur kein Faserschmeichler in den Mund. Ich bin mehr als neugierig ob und wie sich das auf der Zunge und am Gaumen fortsetzt.

Im Mund: Okay, man muss Gerbstoffe mögen, sie einzuschätzen wissen und sich ihnen ausliefern können. Genau das ist nämlich erforderlich wenn diese wie aus einem Muldenkipper im Mund landen. Jedoch sind sie keinesfalls grob, rüpelhaft oder unangenehm. Sie sind äusserst fein, nur derart massenhaft, dass man glaubt man befände sich in einem Sandsturm. Doch kaum hat man diesen Gefühlsorkan überstanden macht sich eine vielschichtige Rotfruchtigkeit breit. Saftige Kirschen, dunkle Waldbeeren, auch Johannisbeeren sind dabei. Dicht, konzentriert, warm, leicht lehmig und wunderbar weich. Eingehüllt ist alles in einer erdigen Würze und was am Gaumen vorbei zieht ist alles andere als eine leichte Brise. Und hinter den Lippen wird langsam der Kaschmirteppich ausgerollt. Hier steht kein Leichtgewicht im Mund, der Dürrau hat durchaus Wumms und sorgt für reichlich Druck auf der Zunge und am Gaumen.

Der Dürrau 2011 braucht Luft. Und zwar ganz viel davon. Nach zwei Stunden steht ein Wein im Mund der hammermässig aufs Gas drückt. Die Gerbstoffe sind ruhiger geworden, man spürt etwas mehr Säure zum Vorschein kommen und was die Kirschen angeht haben diese voll die Kontrolle übernommen. Waldbeeren und Johannisbeeren stehen Spalier auf der Zunge und durch die Mitte trabt König Kirsche mit einem Mantel aus dichtgestrickter Würze. Am Gaumen druckvoll, dicht und kräftig. Leicht herb und doch ganz schön im Saft. Auf der Zunge steht der Wein mit festem Gewicht ohne dabei schwer zu sein. Es fühlt sich fruchtig an, auch erdig, samtig und frisch. Da ist was Grosses im Mund, etwas das noch nicht wirklich weiss wie gross es einmal wird. Man kann es ahnen, man spürt es und geniesst diese jugendliche Unbekümmertheit. Während man im Abgang mit einem süssen Touch auf der Zungenspitze übrig bleibt und sich über die Dominanz der dunklen Kirschen freut. Was kommt da noch, wenn dieser Saft erst drei und noch mehr Stunden Luft getankt hat? Ich kann es mir vorstellen und warte ungeduldig auf das nächste Glas.

Berauschend, betörend, verzaubernd, besitzergreifend und noch einige andere Begrifflichkeiten kommen mir nach vier Stunden in den Sinn. Jetzt macht er richtig auf, der Dürrau. Jetzt hat er seine Gerbstoffe soweit zur Ruhe kommen lassen, dass man ihnen förmlich hinterher hechelt um sie aus dem Saft zu pressen in welchem sie nun eingebettet sind. Plötzlich will man den Mund voll nehmen und sich zu Tode kauen an dem was auf der Zunge steht. Jetzt wird es wirklich gross und augenblicklich kommt mir so manch grosser Franzose in den Sinn. Hinweg mit diesen schmutzigen Gedanken, das hier ist Blaufränkisch verdammt nochmal. Und was für einer! Was jetzt im Mund steht – und das ist erst die Halbzeit der Verkostung – ist schlichtweg furios. Man schwimmt in einem Meer aus dunklen Kirschen, schwarzen Johannisbeeren und nasser Erde. Man spürt den Wein dermassen voll im Mund stehen, dass man nur mehr spielen mit ihm möchte.

Resümee: Schlucken wird zur Pflicht, denn wer diesen Wein spuckt ist ein dekandenter Rüpel. Ich will mehr davon und muss jetzt warten bis der Abend kommt. Um dann noch einmal in den Wahnsinn getrieben zu werden, der schöner, opulenter, saftiger und eindrucksvoller nicht sein könnte. Ich höre jetzt auf sonst krieg ich ich noch die vinophile Krise. Ach ja, um die 50 Euro kostet so ein Fläschchen, was aber angesichts des Inhalts auch schon wieder wurscht ist. Ich geh jetzt beten.

Tipp: Zwei bis drei Stunden in der Karaffe sind gefordert. Nimmt dann erst richtig Fahrt auf. Um die 16-18º am besten zu trinken. Wildgerichte, Rind und gute Wurst lässt er erstrahlen. Als Solounterhalter die totale Entspannung und Reise in eine aufregende Weindimension.

Einen Bericht über den Dürrau 2011 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch Dürrau 2011 vom Weingut Weninger in Horitschon, Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Verkostet, Weninger

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