Divergente 2015

| 21. Januar 2017 | 0 Kommentare ...alles

Ein Monument von Wein

Syrah vom Feinsten. Ein Monument das Sie zum Weinen bringt mit. Potential für die nächsten 10 bis 15 Jahre.

Winzer/Weingut: Domaine de Fondrèche, Mazan/Mont Ventoux, Frankreich

Lage/Herkunft: Von 61 Jahre alten Rebstöcken.

Divergente Allgemeines: Vom Mont Ventoux, jenem Berg auf den sich jedes Jahr wieder die Pedalritter im Zuge der Tour de France (mit und ohne Hilfsmittelchen) hinauf quälen, stammt der Wein der heute hier am Tisch der Wahrheit steht. Und zwar von der Domaine de Fondrèche. Der Name des Winzers ist Sébastien Vincenti und der macht seit Mitte der 90er Jahre absolute Spitzenweine am “heiligen Berg” der Provence. Seine Weine haben längst so etwas wie Kultstatus erreicht und werden sogar von Parker als Referenz dessen bezeichnet, was in Cotes du Ventoux zu bekommen ist. Er bezeichnet diesen Wein sogar als “neuen Stern” am Weinhimmel. Jeb Dunnuck, Parkers Verkoster für die Rhône meint, dass ihn dieser Wein “an ganz grosse Hermitage erinnere”. Wie hell der Divergente 2015 Côtes du Ventoux, ein sortenreiner Syrah von alten Reben aus 1961 wirklich leuchtet, dem gehe ich jetzt auf den Grund. Eine halbe Stunde in der Karaffe sollte genügend Luft zugeführt haben. Ich bin gespannt auf das was mich im Glas erwartet.

Im Glas: Wunderschönes, tiefes violett leuchtet aus dem Glas heraus.

In der Nase: Markant ist die Würze die sich augenblicklich der Nase annimmt. Schwarze Oliven, rohes rotes Fleisch, ein paar Veilchen und ein ganzes Feld von getrockneten Kräutern duften eindrucksvoll vor sich hin. Null Frucht im Riechorgan, dafür zeigt der Divergente umso mehr knallharte Mineralität. Bei all dem Druck der in der Nase herrscht ist aber alles fein, fast elegant, was mehr als überrascht. Das ist kühl, das ist frisch, das ist richtig WOW.

Im Mund: Was für ein Stoff! Was man schmeckt ist wohl die eine Sache, was man spürt ist einfach monumental. Da steht ein Wein im Mund der mächtig, kraftvoll und gnadenlos mineralisch ist. Der Druck macht und mit einer Würze auffährt die gewaltig ist. Die schwarzen Johannisbeeren die man schmeckt sorgen für eine leise, ganz dezente Unterfütterung mit Frucht, der Rest ist pure Haptik der man sich nicht entziehen kann. Bei aller Wucht ist der Divergente aber fein geschliffen, wirkt kühl im Mund und richtig frisch. Nichts ist fett oder heiss, ganz im Gegenteil, trotz seines Gewichtes erscheint der Tropfen leicht im Mund. Der Hammer aber ist sein Gerbstoffkleid, das (nach nur einer halben Stunde Luftzufuhr) vor Rustikalität fast platzt und einen um Gnade winseln lässt. Der Abgang verschmitzt saftig, mit einem Stich Cassis und jeder Menge dunkler Würze. Phänomenal.

Zwei Stunden später zeigt sich der Divergente dann versöhnlicher, hat sich vom gnadenlosen Tanninkrieger hin zu einem rücksichtsvollen Gerbstoffkätzchen verwandelt und protzt mit dunklem Saft auf der Zunge. Cassis schmeckt man bis in die letzte Ritze, dicht, extraktreich, voluminös. Wie zum Trotz jedoch bleibt der Tropfen stur in der Mitte stehen, wird nicht breit und zieht saftig ohne die Spur zu verlassen ab. Am Gaumen spürt man wie sich schwarze Oliven und getrocknete Kräuter vereinen, wie grahitisch es sich anfühlt und wie tintig. Hier wird die dunkle Seele eines Weins erlebbar und man wartet die ganze Zeit darauf drin zu ertrinken. Passiert aber nicht, weil, wie und warum auch immer, der Wein sehr frisch bleibt und sich trotz aller Kraft die in ihm schlummert wie ein Gentleman benimmt. Samtig fühlt er sich im Mund nach zwei Stunden Luftbad an, fein und griffig ist er geworden, fast schon edel. Was für ein Saft, was für ein Weinerlebnis!

Eine weitere Stunde später ist der Divergente noch saftiger, noch dunkelwürziger und mineralischer geworden. Das muss man schmecken, das muss man spüren. Das ist ein unvergessliches Erlebnis. Der süsse Stich des Saftes von Johannisbeeren setzt allem noch die Krone auf. Die Zunge jubelt, suhlt sich im dunklen Extrakt, der Gaumen lechzt nach noch mehr Tinte und Graphit, nach weiteren Oliven und dem bezaubernd angenehmen Grip der sich erdbetont an ihn schmiegt.

Resümee: Der Divergente ist wahrlich grosses Kino und es wurde nicht zuviel versprochen. Wer diesem Wein ein wenig Zeit gibt wird auf ungeahnte Weise belohnt. Dank seines mächtigen Tanningerüstes brauchen Sie sich um den Divergente die nächsten 10 bis 15 Jahre auch keine Sorgen machen. Der wird (und ist bereits) ein Monument das Sie zum Weinen bringt. Syrah vom Feinsten sag ich nur und schenke mir noch ein Glas ein.

Tipp: Drei bis vier Stunden sollten Sie ihm 2017 noch in der Karaffe gönnen. Mit kühlen 16º getrunken zeigt er sich von seiner eindrucksvollsten Seite. Zu Wild, zu kräftigen Braten, zu Fasan und Rebhuhn eine Bank. Als Solist ein charaktervoller Begleiter.

Einen Bericht über den Divergente lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Divergente 2015 Côtes du Ventoux von der Domaine de Fondrèche aus Mazan am Fuße des Mont Ventoux, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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