Diolinoir 2011 AOC

| 19. November 2012 | 0 Kommentare ...alles

Rauchig-saftiges Weinoriginal.

Mit Aromen von nassem Holz und Herbstlaub bringt der Alpinwein den Wald ins Wohnzimmer. Ein Tropfen der zu keiner rustikalen Jause fehlen sollte.

Winzer/Weingut: Madeleine Gay ‘Collection Chandra Kurt’, Wallis, Schweiz.

Lage/Herkunft: Aus dem schweizerischen Kanton Wallis.

Flasche/Etikett: Zum letzten Mal bewundern wir das ausdrucksstarke Etikett das die dunkelbraune Flasche ziert. Konsequentes Corporate Design perfekt in Szene gesetzt und sicher eine der beeindruckendsten Labelgestaltungen im Schweizer Raum und auch darüber hinaus. Nostalgisch, heimatverbunden und geerdet glaubt man auch mit diesem Etikett eine alte und bereits vergilbte Fotografie aus Omas Zeiten vor sich zu haben. Zeugnis davon wie es einmal war, entschleunigt in der Optik und wärmend durch die Sepia-ähnliche Darstellung. Auf alt getrimmt kann schön sein und dieses Etikett ist der beste Beweis dafür. Am schwarzen Rückenetikett erfährt der interessierte Weinfreund alles über Wein und Herkunft in französisch und in deutsch. Wir entscheiden uns den Diolinoir für eine Stunde in den Dekanter umzufüllen damit er sich dort ‘sammeln’ kann.

Im Glas: Ziemlich dunkel ist es im Glas, fast schwarz sieht es darin aus und man erkennt gerade noch ‘Reste von Rot’. An der Glaswand fliesst ein dichter Film ganz langsam ab.

In der Nase: Ein ungewohnter Duft steigt in die Nase, braun riecht es, nach Unterholz, dunkler Schokolade und dicken fetten Kirschen. Man steckt die Nase mehrmals in das Glas um sich zu vergewissern, dass man ‘richtig gerochen’ hat. Ein spannendes Bukett mit einer Ladung nassem Holz und Herbstlaub in der Karre. Sowas habe ich noch nicht gerochen und je öfter man die Nase eintaucht umso saftiger, rauchiger und betörender wird der Duft.

Im Mund: So exzentrisch der Diolinoir im Duft ist, genauso kommt er auf die Zunge und verwirrt zuerst einmal. Es fühlt sich einerseits sehr saftig an auf der Zunge, der Saft wird aber sofort in einer dunklen Würze ‘begraben’ die einen feinen herben Nachhall auf der Zunge stehen lässt. Man fühlt sich wie ‘im Wald’ allein gelassen mit den Aromen von nassem Holz und Herbstlaub. Man spürt wie dunkel der Diolinoir ist, wie trocken er über den Gaumen fegt und wie herb eingepinselt er diesen wieder verlässt. Geräucherte Frucht trifft es wohl am ehesten wenn man von Frucht bei diesem Wein spricht. Da wird nicht übermässig Saft heraus gequetscht, vielmehr zeigt sich alles in einer harmonischen Symbiose mit der kräftigen Würze die dem Tropfen innewohnt. Was auffällt ist die geringe Säure, die Weichheit und die sanfte Tanninstruktur die sich mehr als ‘gnädig’ zeigt. Erst beim dritten, vierten Schluck merkt man wie weich und mild der Diolinoir eigentlich ist.

Es braucht für unser ‘Weinverständnis’ ein erstes Glas um sich auf den Diolinoir ‘einzutrinken’. Doch dann offenbart sich eine dunkle, rauchige und durchaus auch saftige Welt auf Zunge und Gaumen. Man hat die wichtigsten Aromen eingeordnet und kann sich jetzt auf alles besser konzentrieren. Man nimmt den mittelschweren Körper wahr und empfindet ihn dann doch als leicht, man merkt wie harmonisch alles zusammenspielt und und wie lang der Wein im Mund wirkt. Auf der Zunge glaubt man ihn für einen Moment sogar ein wenig süss zu spüren und man erkennt wie saftig eigentlich die Frucht ist welche sich in einem rauchigen und dunkelwürzigen Kostüm versteckt.

Resümee: Zeit hilft dem Diolinoir sich immer weiter zu entfalten und nach zwei Stunden Luftzufuhr wird er immer saftiger und fruchtiger. Was bleibt ist diese herbe Note am Gaumen und im Nachhall welche dafür sorgt, dass sich der Appetit einstellt. Ich persönlich kann mir nicht helfen, nach dem zweiten Glas will in in den herbstlichen Wald wandern gehen und wenn ich dann nach Hause komme den Rest zu einer rustikalen Wurst- und Bratenjause mit entsprechender Käsebegleitung geniessen. Das ist das Gefühl das dieser Wein vermittelt. Die 14% passen ihm sehr gut, fühlen sich im Trunk aber wesentlich leichter an. Der Diolinoir ist ein Exzentriker und echtes Weinoriginal. Perfekt für Leute die sich gerne auch mal aus dem Fenster lehnen. Weckt Neugier in Hinsicht darauf, wie sich der Wein in vier, fünf Jahren präsentieren wird.

Tipp: Eine Stunde im Dekanter ist gut, zwei sind besser. 16-18º sind empfohlen, ich würde ihn eher um die 16º geniessen, da wirkt er frischer. Am besten zur herzhaften Brettljause, zu Risotto und Eintöpfen sowie zu kräftigen Fleischgerichten und Käsetellern.

Einen Bericht über den Diolinoir lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Diolinoir 2011 aus der Collection Chandra Kurt von Madeleine Gay aus dem Wallis in der Schweiz.

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Kategorie: Chandra Kurt, Verkostet

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