Dhroner Hofberg GD 2014

| 25. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Ausgeburt an “tropenfruchtbegleiteter” Mineralik

Man trinkt die Flasche weg wie Limonade und hat ein schlechtes Gewissen, weil man gar so gierig säuft und keine Hemmung hat das Ding zu leeren.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Steillage Dhroner Hofberg mit Rebstöcken auf graubraunem Mischschiefer.

Drohner Hofberg Riesling GD 2014 Allgemeines: Bereits der erste Wein den ich von Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel verkostet habe, hat mich aus den Schuhen geworfen. Das war der Brauneberger Juffer HL 2012, ein Traum von einem Mosel-Riesling. Heute steht sein Dhroner Hofberg GD 2014 am Tisch der Wahrheit. Die Steillage Dhroner Hofberg liegt in einem Seitental zur Mosel entlang des Flüsschens Drohn, auf welcher die Rebstöcke auf graubraunem Mischschiefer stehen. Schon im Mittelalter wurde an der Dhron, als diese noch (wie auch das Dorf) Thron hiess, Wein angebaut. Heute treibt Günther Steinmetz dort einen seiner Rieslinge auf die Spitze. Dazu gilt es zu wissen, dass die Steinmetz’schen Weinberge seit mehr als 25 Jahren von Insektiziden verschont wurden und ausschließlich mit organischem Kompost gedüngt wird. Ebenso selbstverständlich ist die Spontanvergärung mit wilden Hefen und dass Günther Steinmetz nicht einmal die Hälfte des an der Mosel zugelassenen Ertrags aus seinen Weinbergen holt. Klasse statt Masse, weniger ist mehr. Ich werde mir den Dhroner Hofberg, der im Stahltank ausgebaut wurde, nach einer halben Stunde Belüftung zur Verkostung vornehmen.

Im Glas: Strahlendes Gelb mit feinen grünen Reflexen leuchtet aus dem Glas.

In der Nase: Unverkennbar dampft einem augenblicklich der Schiefer in die Nase soabld man diese in den Kelch gesteckt hat. Nasser Schiefer, ein Geruch der unverkennbar und unverwechselbar ist. Exotische Fruchtaromen von Mango, Papaya und auch ein wenig Ananas ziehen die Nasenflügel hoch. Darüber steht eine fein salzige wie dezent wiesige Mineralikwolke. Der Dhroner Hofberg riecht zwar durchaus fruchtig, doch überlagert alles eine massive Schieferwürze, die wie ein dichter Nebel darüber liegt. Ein äusserst steiniger Duft der sich im Riechorgan ausbreitet.

Im Mund: So steinig wie der Dhroner Hofberg in der Nase war, so steinig setzt er sich im Mund fort. Man schmeckt Maracuja und Papaya, zart rauchig unterlegt, keinesfalls opulent, aber sehr saftig. Während die Frucht auf der Zunge steht, fliesst an ihren Rändern eine Ladung Salz ab welche ebenso von einer zarten Wolke Rauch umhüllt wird. Man atmet den nassen Schiefer, spürt wie er wie feiner Nebel am Gaumen steht. Dabei fühlt sich der Wein sehr leicht und elegant im Mund an. Keine Schwere, nur Noblesse. Fruchtig-salzig und steinig-nass würde ihn in seiner Charakteristik wohl am besten beschreiben. Im Abgang schmeckt man wieder die rauchig-salzige Maracuja, im Nachhall spürt man die ungeheure Mineralik wirken. Und ganz am Schluss der Tick von Süsse, die sich aus dem Rauch presst und für ein fröhliches Grinsen sorgt.

Was mich wie immer fasziniert, ist diese rauchige Schieferwürze, dieser sich so nass riechende und sich auch nass anfühlende Steingeschmack. Den man mehr atmet als schmeckt. Erst danach treten wunderbare tropische Früchte aus dem Nebel heraus, legen sich saftig ohne füllig zu wirken auf die Zunge. Ein exotischer Obstkorb dem die gefürchtete süsse Opulenz fehlt, der einfach wunderbar fein ist und leicht andrückt. Dank der aufgenommenen Luft wird der Dhroner Hofberg immer mineralischer, immer eleganter. Der zarten Süsse steht eine ebenso feine Säure gegenüber, was so für ein traumhaft harmonisches Bild sorgt. Und die typische steinige Salzigkeit an den Zungenrändern ist die Krönung des Geschmackserlebnisses. Nach zwei Stunden an der Luft geht so richtig die Post ab. Es wird griffig am Gaumen, es wird immer rauchiger und auch weisser im Geschmack. Wie schon beim eingangs erwähnten Brauneberger Juffer, beginne ich mich immer mehr in diesem Wein zu verlieren. Weil er sowas von sexy und charmant ist, dass man ihn einfach trinken muss. Auch wenn er gerademal ein Jahr am Buckel hat und nicht einmal noch angefangen hat mit seiner “Werdung”.

Für mich persönlich gibt es zwei “Böden” die mich irre machen; der eine ist massiv von Kalk durchzogen und der andere besteht schlicht und einfach aus Schiefer. Ob rot, braun, gelb, blau, oder erdbeerrosa ist mir egal. Hauptsache es knackt. Der Dhroner Hofberg ist eine Ausgeburt davon und weil das längst nicht reicht, ist er auch noch nass, rauchig und herrlich salzig. Das Fundament für einen grossartigen Riesling, der wie mit einem Sahnehäubchen oben drauf mit Mango, Maracuja und Papaya belegt ist. Ein Riesling den ich wegstellen muss, weil ich ihn sonst gnadenlos vernichten würde.

Resümee: Von diesem Zeug trinkt man die Flasche weg wie Limonade. Man entwickelt ein schlechtes Gewissen weil man gar so gierig säuft und keine Hemmung hat das Ding zu leeren. 12 Umdrehungen sind ja auch nichts und so wie das schmeckt kann man sich ruhig noch ein Gläschen gönnen. Oder zwei. Oder drei. Pfeif drauf, die Flasche gehört vernichtet, der Stoff ist einfach zu gut um bis morgen mit dem Rest zu warten. Die Mosel macht mich kribbelig. Und die Weine von Günther Steinmetz sowieso. Nachschenken!

Tipp: Eine Stunde Luft tut ihm äusserst gut. Mit 8-10º geniessen. Zur gebratenen Ente, zum Perlhuhn oder zur klassischen Wiener Küche. Oder überhaupt am besten ohne alles. Da fliesst er wie Wasser und ist schneller weg als einem lieb ist.

Einen Bericht über den Dhroner Hofberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Dhroner Hofberg GD 2014 vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Günther Steinmetz, Verkostet

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