Dernier Cri 2012

| 30. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Bäuerlich, geerdet, unverfälscht.

Angestaubt, aber nicht schmutzig. Adrett, aber nicht elegant. Korrekt, im Sinn von ehrlich. Schert sich nicht um Stil und Konventionen.

Winzer/Weingut: Domaine de la Chevalerie, Restigné, Bourgueil, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Rebstöcken die zwischen 25 und 70 Jahre alt sind und auf Sand- und Lehmböden stehen.

Dernier Cri 2012 Flasche/Etikett: Waren die Etiketten der letzten Jahre immer mehr als schräg was ihr Design betraf, so ist jenes das auf diesem Jahrgang klebt das totale Gegenteil davon. Keine Illustrationen mehr, keine Bilder, kein Nichts. Nur zwei Farben und das Nötigste darauf. Der linke Teil in weiss gehalten und in einen grossen violetten Bereich übergehend. Auf diesem steht in weiss ganz oben die Herkunft (Bourgueil) und in der Mitte DOMAINE DE LA CHEVALERIE. Im unteren Teil Diptyque, was einerseits der Name eines Parfumherstellers ist und andererseits für “zweiteilig” steht, was wohl der Hinweis auf die zwei Farbbereiche sein soll. Unterhalb 2012 und Dernier Cri, der Name dieses Weines. Am hinteren Etikett, das ebenfalls in weiss und violett gehalten ist liest man auf französisch ein paar allgemeine Informationen sowie dass der Wein für die nächsten zwei bis drei Jahre grösstes Trinkvergnügen bescheren soll. Wie gewohnt tanzt auch der Dernier Cri mit leichten 12,5% im Koffer an und damit er sich auf seinen Auftritt vorbereiten kann kommt er für eine halbe Stunde in die Karaffe.

Im Glas: Wie der Saft schwarzer Kirschen steht der Dernier Cri dunkel im Glas.

In der Nase: Eine feine Würze zeigt sich in der Nase, begleitet von dunklen roten Beerenaromen. Brombeeren sind darunter, auch etwas Zwetschke. Fleischig riecht es und doch ist es relativ verhalten. Kein Lärm in der Nase, vielmehr sanft und leise. Eine Überraschung im Vergleich zu seinen Vorgänger-Jahrgängen, welche deutlich expressiver im Duft waren. Oder braucht der Dernier Cri ganz einfach etwas länger Zeit um sich zu öffnen? Ich warte zu und stelle nach einer Stunde fest, dass es fruchtiger geworden ist, auch erdiger und würziger.

Im Mund: Frisch gleitet der Dernier Cri zwischen den Lippen auf die Zunge, Etwas bäuerlich wirkt er dabei, so richtig erdig eben. Dabei überrascht er mit einer feinen Cremigkeit am Gaumen die sich in einer durchaus ‘hörbaren’ Gerbstoffwolke auflöst. Nicht dass diese grob wären, vielmehr sind sie wunderbar mürbe und knackig, verleihen dem Wein so richtig Charakter und sorgen für ein sanftes Rieseln im Mund. Erst danach spürt und schmeckt man gut gewürzte rote Früchte, reichlich Erde und getrocknete Zweige. Es ist brutal trocken im Mund und doch so saftig wie auch fleischig. Cabernet Franc der grossen Spass macht. Auf der Zunge schlank und griffig, ganz weiches Holz, ganz wenig, und ein Mundgefühl das rund und füllig ist bei gleichzeitiger Leichtigkeit und Frische. So stelle ich mir Wein vor, der vor dem alten Steinhaus weit draussen am Land, auf dem knorrigen Holztisch zur feudalen wie auch deftigen Jause gereicht wird.

Mit der Zeit wird der Dernier Cri immer lustiger im Mund. Auf der Zunge steht er nach zwei Stunden in voller Pracht und beeindruckt mit einer kräftigen Würze die fast schon ins Herbe geht. Dem gegenüber steht fleischiger Saft, erdig, leicht geräuchert und dicht. Trotz dieser Power ist der Tropfen leicht im Mund, wirkt kühl und überrascht mit nach und nach frei werdender Säure die sich ganz langsam an die Oberfläche gräbt. Am Gaumen fühlt sich der Wein dezent herb an, extrem würzig und in seiner Farbe eher blau als rot. Der Trinkfluss ist enorm, es fliesst und fliesst und man fragt sich, wovon (Wein oder Wurst) man rascher Nachschub braucht.

Nach drei Jahrgängen die ich von diesem ‘kleinen’ Cabernet Franc von Stephanie Caslot mittlerweile verkostet habe, ist der Dernier Cri 2012 für mich der ‘rustikalste’. Vom Mundgefühl her ist er sicher der intensivste, weil er a) mit einer ungeheuren tiefroten Würze besticht und b) mit einem Gerbstoffgerüst ausgestattet ist, welches diesen Wein locker über die nächsten Jahre gross werden lässt. So kräftig er sich im Mund anfühlt, so leichtgewichtig ist er, so spielerisch steht er unbeschwert auf der Zunge, so erwachsen zeigt er sich am Gaumen. Im Abgang enorm erdig-würzig, rotfruchtig und trocken, im Nachhall lang und kraftvoll.

Resümee: Der Dernier Cri ist keiner der sich an Stil und Konvention anbiedert. Er trägt den Sonntagsanzug, doch hat er Flecken auf der Hose und die Jacke ist aus der Kollektion vom Vorjahr. Inklusive Bügelfalten. Angestaubt, aber nicht schmutzig. Adrett, aber nicht elegant. Korrekt, im Sinn von ehrlich. Ich mag den “letzten Schrei” und werde mir auch diesen wieder in den Keller legen. Kostet übrigens wie 2012 noch immer unter 10 Euro. Also worauf warten?

Tipp: Eine Stunde in den Dekanter mit dem Tropfen, besser zwei. Mit 16º bis 18º geniessen. Macht zu Wild, Wurst und Braten ausgezeichnete Figur. Als Solist ein Tropfen mit dem man sich vorzüglich total geerdet vergnügen kann.

Verkostet wurde ein Bourgueil ‘Dernier Cri’ 2012 von der Domaine de la Chevalerie in Restigné, Bourgueil, Frankreich. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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