Cuvée ‘R’ Extra Brut Premier Cru

| 29. Juli 2015 | 0 Kommentare ...alles

Schampus für Ladies und Göttinnen

Ein Erlebnis das seinesgleichen sucht, einfach phänomenal. Nobelstoff für alle die dem Mainstream schon lange abgeschworen haben.

Winzer/Weingut: Fourny & Fils, Vertus, Champagne-Ardenne, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von über 60 Jahre alten Reben die auf mit Braunerde überzogenen kalkigen Böden stehen.

Cuvée R Flasche/Etikett: In einem eleganten, hellen beige ist das bereits wohlbekannte Etikett in Form eines Schildes gehalten. Wie üblich oben das Familienwappen der Fournys in gold, mit einem grossen F auf weissem Untergrund und von einem feinen goldenen Geflecht eingerahmt. Ein schlichtes ockerfarbiges R unterhalb des Familienwappens steht für den Namensgeber Roger, dem Gründer des Champagnerhauses in der Mitte des Etiketts. Darunter wie gehabt in grossen Lettern VVE FOURNY & FILS a Vertus. Links und rechts ragen Rebblätter mit Trauben in die Höhe. Das Rückenetikett ist wieder in gold gehalten und informiert wie üblich über die wichtigsten Details die es über diesen Champagner zu wissen gibt. Alles über Herkunft, Böden, Zusammensetzung, Alter der Reben, Ausbau sowie Dosage wird hier verraten. Ausführlicher geht es nicht mehr. Aber jetzt genug gelabert, es wird Zeit diesen besonderen Sprudel von seinem Kork zu befreien und ihn endlich an die frische Luft zu lassen.

Im Glas: In hellem strohgelb sprudelt die Cuvée R fröhlich im Becher vor sich hin. Da ist Puls im Glas, das sieht man auf den ersten Blick.

In der Nase: In die Nase steigt ein ausgeprägter Hefeduft hoch, intensiv und kreidig. Von Frucht so gut wie keine Spur, dafür alles was man um fünf Uhr früh in einer Bäckerei erschnüffeln kann. Brot, Brioche, Sauerteig, Hefe, fest und pulvrig, Mehl und was man sonst noch braucht um frisches Brot und Gebäck zu basteln. Was für ein Duft, was für eine intensive Aromatik. Zum Reinsetzen und selbst darin aufzugehen. Der feine Kreidenebel lässt alles leicht erscheinen.

Im Mund: Bombastisch. Ich glaube das ist das richtige Wort um diesen ersten Eindruck zu beschreiben. Unheimlich dicht, fast schon cremig strömt die Cuvée R auf die Zunge um sich dort aus einem opulenten, säurebetonten Körper zu schälen. Da steht plötzlich eine richtig feine Orangennote in der Zungenmitte, fühlt sich saftig und cremig an, ist weich und hat doch jene Form von Rasse, die für Leben im Mund sorgt. Es ist genau diese Form von Opulenz, von der man nicht genug bekommen kann, die nicht nur ordinär schwer und nervig ist. Nein, diese Fülle ist reine Verführung, ist erotisch, sexy, heiss. Alles eingehüllt in unglaublich feinen Hefenoten, die aus dem Ganzen ein sinnliches Abenteuer machen. Im Abgang ein saftiges Schauspiel von neckischer Lebendigkeit. Ein Erlebnis das seinesgleichen sucht, einfach phänomenal.

Fünf Jahre ist der Sprudel auf der Hefe vor sich hingereift und was man jetzt im Mund hat ist ein Elixier, das reine Sünde ist. Nicht ganz trocken, gerade soviel Zucker, dass man die weiche, saftig-cremige Opulenz physisch spüren kann. Man spürt wie sich der dichte Saft um die Zunge legt, sie festhält und nur langsam wieder los lässt. Man spürt am Gaumen die Morgenarbeit in der Bäckerei, schmeckt die Hefe, atmet sie und fühlt ihr noch lange hinterher. Feinster Kalk sorgt für die Benebelung im Mund und alles vermischt sich zu einem körperreichen Schauspiel von Orangen- und Briochearomen. Die Cuvée R tropft vor Saft, ist üppig und doch aussergewöhnlich elegant und ebenso frisch. Es perlt ganz dezent auf Zunge und Gaumen, man spürt es zärtlich schäumen und wer geglaubt hat, dass die Reifung im Barrique Holz hinterlassen könnte, der wird hier eines Besseren belehrt. Keine Spur davon, nicht einmal ein verirrter Sägespan ist auszumachen. Dafür jedoch eine Dichte die gewaltig ist, die Druck ausübt und dank frischer und belebender Säure aussergewöhnlich lebhaft wirkt.

Immer mehr arbeitet sich auch bei diesem Champagner mit der Zeit der Kalk durch. Es dauert zwar, vor allem wenn der Sprudel so sündig opulent wie dieser ist. Doch letztlich gewinnt der Boden und es kommt der Zeitpunkt, wo plötzlich Kalk am Gaumen steht, wo feine Kreide schmeckbar wird, wo sich der Saft ein wenig in den Hintergrund begibt und den Bodenaromen den Vortritt überlässt. Es wird trockener, ohne den letzten Rest von Süsse zu verlieren, es wird feiner, eleganter und präziser. Auch im Abgang wird die Cuvée R frischer, geradliniger und klarer. Die Länge praktisch endlos, weil man dem Geschmack und dem Gefühl unaufhörlich hinterher hechelt.

Resümee: Man ist geneigt diesen Sprudel als Champagner für Frauen zu bezeichnen. Das wäre aber unfair. Dem Sprudel gegenüber. Das ist Schampus für Ladies und Göttinnen. Und wenn man sich den Blubber dann als Mann genehmigt, dann versteht man augenblicklich auch den Sinn jenes Bildes, das in Champagner badende Frauen zeigt. Nobelstoff für alle die dem Mainstream schon lange abgeschworen haben.

Tipp: Mit 6-8º geniessen. Zu Krabben, Hummer, Langusten und allem was aus den grossen Ozeanen kommt. Oder einfach solo, weil man nicht immer auch essen muss um genug trinken zu können.

Einen Bericht über die Cuvée R lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Cuvée ‘R’ Extra Brut Premier Cru von Veuve Fourny & Fils aus Vertus in der Region Champagne-Ardenne, Frankreich.

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Kategorie: Fourny & Fils, Verkostet

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